DTM als Privatteam: Tut sich das noch jemand an?

Von Andreas Reiners
DTM
Die DTM sucht neue Mitstreiter

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Der Ausstieg von R-Motorsport ist ein Zeichen, dass es trotz Kostenreduktion in der DTM immer noch schwierig bis unmöglich ist, es als Privatteam mit den Großen aufzunehmen.

Florian Kamelger wollte nicht mehr viel dazu sagen. Dabei wäre er ja prädestiniert dafür. Sein DTM-Projekt ist nach nur einem Jahr wieder Geschichte, sein Versuch, es in der Tourenwagenserie mit den Großen Audi und BMW aufzunehmen, gescheitert. Den klugen Ratschläge-Onkel wollte der R-Motorsport-Teamchef auf Nachfrage aber nicht geben.

Das Signal war auch so deutlich genug. Was die DTM an dem Ausstieg der Schweizer schmerzt, ist nicht einmal der Verlust des dritten Herstellers und der vier Vantage DTM.

Fatales Zeichen

Es ist das fatale Zeichen, das nach außen gesendet wird: In der DTM hat man als kleiner Hersteller beziehungsweise als kleines Team gegen die großen deutschen Player keine Chance. Da helfen auch Enthusiasmus und Leidenschaft nicht viel, auch die vielen Einheitsbauteile und die Kostenreduktion nicht.

Oben drauf kommt die Erkenntnis: Das «Vergnügen», sich verprügeln zu lassen, kostet auch noch ein Schweinegeld.

20 Millionen Euro, so die offizielle Info, betrug das Budget. «Es war solide finanziert», betonte Kamelger. Wie genau, verrät er nicht. Offenbar war es aber nicht genug, um Schritt halten zu können.

Wobei auch der Faktor Zeit eine gewichtige Rolle spielte, durch den kurzfristigen Einstieg 2019 war vor allem der Motor noch nicht konkurrenzfähig. Es gilt als ziemlich sicher, dass HWA das als Technikpartner hinbekommen hätte. Doch das hätte noch mehr Zeit in Anspruch genommen. Und damit wieder Geld.

Trotzdem: In das Projekt waren Profis involviert, Leute, die Kontakte haben, Verbindungen im ganzen Motorsport. HWA mischt seit Jahrzehnten mit, und das äußerst erfolgreich. Wenn jemand weiß, wie die DTM und das ganze Geschäft funktioniert, dann die Truppe aus Affalterbach.

«Die DTM kostet nach wie vor sehr viel Geld. Die massive Regeländerung vor der Saison 2019 mit dem Vierzylinder-Turbomotor hat sicher auch nicht zur Kostenreduktion beigetragen», sagte HWA-CEO Ulrich Fritz SPEEDWEEK.com.

Es gibt Alternativen, wie beim Privatteam WRT und Audi, wo das Produkt vom Hersteller bezogen wird, wo der Hersteller dahinter steht. Wie es heißt, kosten zwei eingesetzte Autos ein Kundenteam wie WRT trotzdem angeblich bis zu sechs Millionen Euro pro Jahr. Dass aber heutzutage selbst die Hilfe eines Herstellers nicht ausreicht, zeigte sich beim BMW-Kundenteam 2019: Es gab nämlich erst gar keins.

«Wenn man das so macht wie wir mit R-Motorsport, muss man eine sehr starke finanzielle Unterstützung haben und jemanden, der mit viel Enthusiasmus viel Geld in das Projekt steckt. Diese Leute gibt es leider nicht wie Sand am Meer», so Fritz.

Finanzierbarkeit kaum darzustellen

Heißt: «Die Finanzierbarkeit eines solchen Projekts ist aus meiner Sicht deshalb für eine Privatinitiative kaum darzustellen, wenn man keine Unterstützung eines Herstellers hat. Die Frage ist nicht: Kostet die DTM zu viel? Das bewertet jeder anders. Aber klar ist: Für ein Privatteam ist es viel Geld, und es ist schwierig, so viel Geld aufzutreiben.»

R-Motorsport begründete den Ausstieg mit mehreren Faktoren: Hohe Kosten mit wenig Gegenwert, sowohl finanziell als auch sportlich und die Tatsache, dass man schlicht und ergreifend hinterherfuhr. Oder anders gesagt: Die Nummer war am Ende vielleicht dann doch eine Nummer zu groß.

«Wenn man als Unternehmer sehr viel Bemühung in ein Projekt steckt, das sehr lobenswert und gut für die Fans und die DTM ist, unter dem Strich aber nichts reißt, würde das in der Schule als Themenverfehlung auftauchen. In der Neubeurteilung war die DTM daher nicht mehr Teil unseres Programms», sagte Kamelger: «Es war für uns an der Zeit zu realisieren, dass eine Investition von unserer Seite aus schwierig abbildbar ist. Das hat nicht notwendig nur mit Finanzen zu tun, sondern mit einem Investment in unser Programm. Wir haben realisieren müssen, dass für uns das Investment nicht zielführend ist.»

Keine Sponsoren

Dass es dem Projekt nicht gelang, mehr als einen Parfumhersteller (Baldessarini) als Sponsor an Bord zu holen, ist dabei alarmierend und nur ein Beleg für die generelle Entwicklung, auch BMW und Audi hatten in den vergangenen Jahren Geldgeber wie Red Bull oder die Deutsche Post verloren.

Doch warum ist das Thema Sponsoren so schwierig? Dafür gebe es unterschiedliche Gründe, so Fritz. «Das Konsumverhalten und die Sponsoring-Landschaft haben sich verändert. Man muss sich auch eingestehen: Ein Großteil der Budgets im Werksrennsport kommt nicht von den Sponsoren, sondern von den Herstellern. Wenn diese Hersteller-Einnahmen bei einem Privatteam fehlen, entsteht ein erheblicher Fehlbetrag. Da muss man erst einmal jemanden finden, der das finanziert. Das ist eine große Herausforderung.»

HWA selbst bot nach dem Ausstieg des Ex-Partners an, zu helfen. Wie genau, ist aber unklar. Klar ist auch hier: Erst einmal muss das Ganze finanzierbar sein.

Glaubt Fritz, dass in Zukunft noch jemand Lust auf so ein Abenteuer hat? «Das ist schwer zu sagen. Ich glaube, dass es für die DTM eine Daseinsberechtigung gibt und die Möglichkeit, Privatautos einzusetzen. Die müssen dann aber von einem Hersteller kommen.»


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