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Stuck: So kommt der Motorsport durch die große Krise
Unglaublich, wie die Zeit vergeht. Das neue Jahr bringt (nebst der Hoffnung auf ein Ende der Pandemie) auch einen jungen 70er: Hans-Joachim Stuck feiert Neujahr und Geburtstag.
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Der deutsch-österreichische Doppelbürger aus Grainau, der längst in Tirol am Kaisergebirge heimisch wurde (gut, denn da ist der Bergdoktor ganz nahe!), ist schon Legende: In der Formel 1 zwei Mal auf dem Podest (just 1977 in seinen Heimrennen in Deutschland und Österreich als Brabham-Fahrer), Sportwagen-Weltmeister 1985, je zwei Le-Mans- und Sebring-Gesamtsieger, DTM-Champion 1990, drei Mal Sieger im Nürburgring-Marathon, zahlreiche Erfolge in Tourenwagen und Formel 2 – und Werkfahrer bei allen deutschen Herstellern außer Mercedes.
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Mit den 24 Stunden in der Eifel beendete er 2011 seine unvergleichliche Karriere. Wir haben zum Ehrentag ein Interview mit ihm geführt. Im Rückblick: Hast Du alles erreicht, was Du Dir vorgenommen hast, oder was vermisst Du? Hans-Joachim Stuck: Ich habe insofern alles erreicht, weil ich überlebt habe. Wenn Du zurückblickst, bei welchen Unfällen in der Formel 1 ich erste Reihe Mitte dabei war oder direkt verwickelt war und mir nichts passierte… Und auch dann die gefährliche Sportwagenzeit in den 1980ern, als Bellof, Winkelhock und Gartner starben, da hatte ich schon viel Glück. Was mir fehlt, aber mich nicht ärgert, ist, dass ich keinen Formel-1-GP gewinnen konnte. Da muss ich aber anfügen, dass ich immer lieber ein Auto mit Dach überm Kopf hatte. Ansonsten bin ich mit dem, was ich erreicht habe, mehr als zufrieden.
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Was machte Dir persönlich am meisten Spaß?
Toll war, dass ich – auf der Rundstrecke – in allem unterwegs war. Von Nachwuchsformeln über Formel 1 bis zu Touren- und Sportwagen und sogar Trucks. Am liebsten fuhr ich in den USA, auch wenn ich auf der ganzen Welt unterwegs war.
Welche fahrerische Leistung war für Dich selbst Deine beste? Mit Sicherheit Le Mans 1987, als ich 3:50 Stunden ununterbrochen am Steuer saß – teils im Regen, teils feuchte Piste, das waren vier Stints am Stück. Da begriff ich, dass du alles erreichen kannst, wenn du wirklich willst.
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Welche Phase war die schwierigste in der Karriere? Als ich Ende 1979 kein F1-Cockpit mehr bekam. Da war ein Traum zu Ende. Aber dann traf das Sprichwort ein, „immer wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her“. Es kam dann die Tür zu Walter Brun und später der Werkvertrag bei Porsche. Welche Kollegen wurden wirkliche Freunde? Auf jeden Fall Derek Bell, Boris Said in den USA, von dessen Sohn ich Patenonkel wurde, dann Frank Stippler. Ich kam auch sehr gut mit Emerson Fittipaldi aus. Dem Walter Röhrl habe ich sehr viel zu verdanken, ich habe viel von ihm gelernt in der Zeit bei Audi, und wir hatten enorm viel Respekt füreinander…. Da fällt mir eine Anekdote ein…
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Bitte, schieß los! Das werde ich nie vergessen: Trans-Am-Rennen Ende der 1980er in Niagara Falls, ein Zweistundenrennen komplett im Regen. Walter und ich überrundeten das gesamte Feld dank des Audi quattro zwei Mal. Als wir bei der Siegerehrung oben standen, flüsterte Walter süffisant über die Amerikaner: „Hans, jetzt wissens Bescheid, die W…..!“ Und sonst? Um Gottes Willen, jetzt hätt‘ ich fast zwei Kumpels vergessen, den Dieter (Quester) und den Poldi (Prinz von Bayern, Anm.). Mit denen plaudere ich mehrmals jede Woche. Und Gerhard Berger. Leider sind Jo Gartner und Walter Lechner viel zu früh von uns gegangen.
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Du hattest ja auch eine besondere Beziehung zum Schnitzer-Team… Na klar, dem Herbert Schnitzer und dem Charly Lamm habe ich sehr viel zu verdanken. Die Schnitzer-Jungs waren ein Fixpunkt in meiner Karriere. Was da heute abgeht, ist schlimm (Schnitzer Motorsport ist nach 50 Jahren nicht mehr BMW-Partner und kämpft um den Fortbestand, Anm.) Was hat Dich am meisten persönlich getroffen? Das war sicher Le Mans 1986, der Unfall vom Jo (Gartner). Ich war im Auto, als es passierte, wir fuhren endlos lang hinter dem Pace Car, und ich wusste nicht, was passiert war und wen es getroffen hatte. Beim Fahrerwechsel nahm mich Peter Falk (Porsche-Rennleiter, Anm.) zur Seite und sagte, „Hans, muss dir leider sagen, es ist dein Freund Jo“. Mit ihm hatte ich ja drei Monate vorher Sebring gewonnen. Das war das einzige Mal in meiner Laufbahn, dass ich sagte: „Ich fahr‘ nicht mehr.“ Darauf meinte Falk: „Wir liegen in Führung, und Du hast einen Vertrag. Du musst fahren.“ Bei den anderen schweren Unfällen, ob beim Ronnie (Peterson, Monza 1978, Anm.) oder anderen, war alles weg, wenn du wieder im Auto gesessen bist. Aber beim Jo, einem Freund, war das furchtbar. Dort auf der Hunaudières wieder vorbei zu fahren, war ganz schlimm. Falk hatte ja nach dem Sebring-Sieg mit Gartner Verhandlungen begonnen, ihn ins Porsche-Werkteam zu holen.
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Wie siehst Du – nicht nur nach Corona – die Zukunft des Motorsports? Ich hatte da schon einige Gespräche, auch mit Jean Todt (FIA-Präsident, Anm.). Die wirtschaftlichen Probleme werden sicher nicht weniger. Man muss nachdenken: über Nachwuchsformeln, ob es 24 verschiedene GT-Reglements braucht, auch die F1-Budgets. Die Zeiten des großen Geldausgebens sind vorbei. Je schneller reagiert wird, desto eher kommt der Sport durch die Krise. Die Fahrer müssen wieder mehr in den Mittelpunkt rücken. Hast Du als Motorsport-Beauftragter und Konzernrepräsentant von Volkswagen die Entscheidung, dass die Marke VW den Motorsport aufgibt, mitgetragen? Ich habe das so mitentschieden. Aber das letzte Wort wird ganz oben gesprochen.
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Zum Persönlichen: Wann bist Du nach Tirol übersiedelt? Das war 1989. (schmunzelt) Gott sei Dank! Ich bin froh darüber, das heißt aber nichts gegen Deutschland. Die Landschaft, ob Garmisch oder Going, da ist kein Unterschied. Aber die Lebensweise hier gefällt mir einfach. Was machen Deine Söhne? Johannes ist seit vier Jahren Teilhaber einer Firma namens Sinnpower, die sich mit Offshore-Energiegewinnung beschäftigt, Stromerzeugung durch Wellenbewegung. Ferdinand ist jetzt Marketingmanager einer Rennsportserie mit Drohnen. Beide waren ja deutsche GT-Meister und sind weiter bei KTM unter Vertrag.
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Was wünscht Du Dir zum 70er? Erstens einmal, gesund bleiben. Und zweitens, dass es weiter tolle Aufgaben gibt. Ich merkte bei meinem Papa, als er nichts mehr machte, wie sehr er abbaute. Das passiert mir nicht. Außerdem habe ich die tollste Frau der Welt, die Uschi, neben mir, die mir richtig Feuer unterm A…. macht!
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