Broc Parkes: Abschied nach 23 Jahren Rennsport

Von Helmut Ohner
Endurance-WM
Egal, ob Supersport-, Superbike-WM, MotoGP oder Endurance-Weltmeisterschaft, Broc Parkes stellte in jeder Klasse seinen Mann. Jetzt erklärte der Australier in einem emotionalen Brief seinen Rücktritt vom Rennsport.

Broc Parkes ist wohl einer der vielseitigsten Motorradrennfahrer. Wie vieler seiner Landsleute seines Jahrgangs wurde der am 24. Dezember 1981 Geborene von den Erfolgen von Wayne Gardner in den Bann gezogen. Der Australier startete seine Karriere beim Dirt Track und Speedway bevor er mit 16 Jahren zum Straßenrennsport wechselte. 1999 gewann Parkes die australische Meisterschaft in den Klassen 125 ccm und Production 250.

Über den Umweg Japan wagte er den Schritt nach Europa, um in der Superbike-WM zu fahren. Nach einem 16. (2001) und elften Platz (2002) in der Endwertung suchte er sein Glück in der Supersport-Weltmeisterschaft. Nach einem Jahr voller Enttäuschungen wurde er 2004 von Ten Kate unter Vertrag genommen. Am Ende standen nicht nur fünf Top-3-Resultate zu Buche. Hinter seinem Teamkollegen Karl Muggeridge beendete er die WM an zweiter Stelle.

Für seine Erfolge wurde Parkes ins Yamaha-Werksteam aufgenommen, doch das erste Jahr verlief nicht nach Wunsch, auch wenn er beim Finale endlich seinen Premierensieg in der Supersport-WM feiern konnte. 2007 musste er zwar die Überlegenheit von Kenan Sofuoglu zur Kenntnis nehmen, am Ende reichte es hinter dem Türken aber zum zweiten Platz. Im Jahr darauf beendete Parkes die seriennahe Weltmeisterschaft an der vierten Stelle.

Nach einigen weiteren nicht mehr ganz so erfolgreichen Jahren in der Supersport- bzw. Superbike-WM bestritt der Australier für Paul Bird die MotoGP-Weltmeisterschaft. Mit hoffnungslos unterlegenem Material konnte er lediglich vier Mal in die Punkteränge fahren. Sein bestes Ergebnis sollte der elfte Rang beim Großen Preis der Niederlande bleiben. Nach Platz 23 in der Endwertung beendete der Australier bis auf zwei Wildcard-Einsätze sein MotoGP-Abenteuer.

Im Yamaha Austria Racing Team (YART) erlebte Parkes einen zweiten Frühling. Nicht selten war er in den Rennen zur Langstrecken-Weltmeisterschaft das Maß aller Dinge, doch zahlreiche Stürze seiner Teamkollegen und Defekte sorgten immer wieder dafür, dass es nur wenige zählbare Erfolge gab. 2018 gelang ihm beim Acht-Stunden-Rennen auf dem Slovakia Ring endlich der erste Sieg, der im darauffolgenden Jahr wiederholt werden konnte.

Diese Saison war der mittlerweile 39-Jährige dazu auserkoren für das offizielle Yamaha-Team den Titel in der australischen Superbike-Meisterschaft zu holen. Die Verträge waren längst unter Dach und Fach, doch jetzt entschloss sich der mehrfache Familienvater völlig überraschend einen Schlussstrich unter seine erfolgreiche Karriere zu ziehen, wie Parkes in einem sehr emotionalen Brief auf den sozialen Medien seine Fans wissen ließ.

«Nach reiflicher Überlegung bin ich zum Entschluss gekommen, dass ich keine Rennen mehr fahren werde. Ich bin dauerhaft nach Australien zurückgekehrt, um mehr Zeit mit meinen Kindern zu verbringen und ein <normales> Leben zu führen. Sie haben ihr ganzes Leben damit verbracht, mir entweder zu folgen oder daheim auf meine Rückkehr zu warten. Ich fühle, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist, meiner Familie mehr Zeit zu widmen.»

«Bei kürzlich durchgeführten Testfahrten habe ich erkannt, dass ich mich nicht so um meine Familie und ums Rennfahren kümmern kann, wie es notwendig wäre ohne, dass nicht eines davon zu kurz kommen würde. Es ist also an der Zeit, dass ich die Wünsche und Bedürfnisse meiner Kinder an die erste Stelle setze und meine Verpflichtung als ihr Vater wahrnehme. Jetzt bin ich am Punkt angekommen meine Karriere zu beenden.»

Parkes wird dem Rennsport trotzdem erhalten bleiben. «Das mag zwar mein Abschied vom aktiven Rennsport sein, aber es ist kein Rücktritt von dem Sport, den ich liebe und der mir so viel gegeben hat. Ich werde weiterhin mit Yamaha Australien während der Saison 2021 in einer Test- und Beraterrolle zusammenarbeiten. Mit 23 Jahren Erfahrung im Straßenrennsport freue ich mich darauf, mein Wissen an die jungen Fahrer weiterzugeben.»

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