Ausblick: Was bringt die Saison 2016 in der LMP1?

Von Oliver Müller
FIA WEC
Noch stehen die Räder still: Doch 2016 wird in der FIA WEC wieder ordentlich Gas gegeben

Noch stehen die Räder still: Doch 2016 wird in der FIA WEC wieder ordentlich Gas gegeben

Nachdem das Sportwagen-Jahr 2015 nun final in den Geschichtsbüchern verewigt ist, schaut SPEEDWEEK.com bereits auf die kommende Saison in der LMP1-Klasse der Sportwagen-WM (FIA WEC) voraus. Das erwartet uns:

Es war der grosse Abschlussakkord der Sportwagen-Saison 2015. Mit der Ankündigung Nissans das noch junge LMP1-Projekt nicht weiter fortzusetzen, endet ein nie wirklich auf Touren gekommenes Werksengagement vorzeitig. Durch diese konsequente Entscheidung wird nun auch das Bild immer klarer, wie die anstehende Saison an der Spitze des Feldes der Sportwagen-WM (FIA WEC) und somit auch der 24 Stunden von Le Mans aussehen wird. Gewiss ist vor allem eines: Viel ändern wird sich durch den Ausstieg Nissans eigentlich nicht. Denn sportlich gesehen hatte der Auftritt keinen wirklichen Impact auf die LMP1-Klasse. Beim einzigen Gastspiel in Le Mans fuhr man meilenweit hinterher - und bei allen anderen Rennen glänzte die Truppe mit Abwesenheit.

Somit wird auch die Saison 2016 einen ähnlichen Dreikampf der Werke zwischen Audi, Porsche und Toyota mit sich bringen, wie er sich schon in diesem Jahr zugetragen hat. Wenn auch mit teilweise signifikant anderen Vorzeichen. Zunächst einmal wird es einen nummerischen Gleichstand geben. Denn mit der Ankündigung von Audi und Porsche auf einen dritten Wagen für die 24 Stunden von Le Mans (und somit auch für die 6 Stunden von Spa-Francorchamps) zu verzichten, werden alle drei Hersteller mit nur zwei Fahrzeugen ausrücken.
Diese werden dann auch fast von den selben Piloten gefahren. Während Audi und Porsche seine beiden aktuellen Piloten-Trios für 2016 weiter verpflichtet hat, wird es nur bei Toyota ein bis zwei Änderungen im Fahrerkader geben. Fest steht hier schon der Abschied von Alexander Wurz, der seine Karriere beim Saisonfinale in Bahrain beendete.

Anders ist es bei der Technik der LMP1-Boliden: Hier tut sich im Vergleich zu 2015 einiges. Sowohl Audi wie auch Toyota werden dann mit komplett neuen Rennwagen antreten. Vor allem die Japaner haben zusätzliche Entwicklungseuros zur Verfügung gestellt bekommen und werden auf ein gänzlich unterschiedliches Konzept setzen: Kleiner Turbomotor anstatt Sauger; Lithium-Ionen-Batterien anstatt Super-Kondensatoren und der Schritt in die 8-MJ-Unterklasse. Diese Umstellung bringen auch Neuentwicklungen im mechanischen und aerodynamischen Bereich mit sich. Und so wird der (dann TS050 Hybrid genannte) Wagen auch optische völlig different daher kommen.

Genauso ist es bei Audi: Einen ersten Eindruck konnte man vom sehr aggressiv anmutenden R18 e-tron quattro des Jahrgangs 2016 bereits bekommen. Auch dieser Wagen steigt in der Hybrid-Unterklasse eine Stufe höher (von 4 auf 6 MJ). Während Toyota bei der Energiegewinnung weiterhin auf zwei KER-Systeme setzt (Vorder- und Hinterachse), ist aktuell noch unklar, ob die Ingolstädter neben dem vorhandenen vorderen Bremsenergie-Rückgewinnungssystem noch ein weiteres verbauen werden. Fest steht jedoch, dass Audi auch zu Batterien als Speichermedium übergeht.

Damit ist eines klar: Im dann dritten Jahr des für die Saison 2014 eingeführten technischen Reglements setzen sich nach und nach bestimmte Konzepte durch. Denn 2016 werden alle drei Hersteller auf Turbomotoren vertrauen und auch Batterietechnik verwenden. Das entspricht der Ausrichtung, auf die Porsche seit Anbeginn des neues Reglements setzt. Die Weissacher werden im übrigen erstmals auf eine grundsätzliche Neuentwicklung des Porsche 919 Hybrid verzichten und das 2015er Fahrzeug lediglich weiter verbessern. Dies findet jedoch in (fast) jedem Bereich statt und umfasst auch viele Detailanpassungen.

Durch das dann vorhandene technische Material werden die drei grossen Werke 2016 noch weiter zusammenrücken. Während die beiden deutschen Hersteller sowieso schon auf einem ähnlichen Zeiten-Niveau agiert haben, werden vor allem die Änderungen im Bereich des Hybridsystems Audi einen Sprung nach vorne machen lassen. So dass der minimale Vorsprung Porsches egalisiert werden könnte. Bei Toyota ist man zuversichtlich, zu den beiden Mitbewerben aufschliessen zu können. Die internen Berechnungen/Analysen zum TS050 Hybrid sind sehr vielversprechend. Somit sieht es danach aus, dass 2016 sechs Rennwagen um die Rennsiege fighten werden.

Dazu kommen noch die beiden privaten LMP1-Projekte von Rebellion und Bykolles. In der aktuellen Planungsphase besteht die Möglichkeit, dass beide mit jeweils zwei Rennwagen antreten werden. Und die werden auch einer gewissen Weiterentwicklung (vor allem, der CLM von Bykolles) unterzogen. Der grosse Schritt hin, den Werkswagen eine bedrohliche Konkurrenz darzustellen, wird aber auch 2016 ausbleiben. Zum einen, weil die Budgets von Werken und Privaten zu unterschiedlich sind. Aber auch deswegen, weil das vorhandene technische Reglement einfach auch nicht mehr hergibt. Aus diesem Grunde werden 2016 auch keine weiteren Teams in die Klasse einsteigen. Erst 2017 oder 2018 sollte man damit rechnen.

Neu dazukommen wird jedoch ein weiteres Rennen: Nachdem der Nürburgring in diesem Jahr den Lauf im brasilianischen Sao Paulo ersetzt hatte, kehrt die FIA WEC 2016 auf den lateinamerikanischen Markt zurück. Auf der F1-Strecke in Mexico City, dem Autódromo Hermanos Rodríguez, wird ein neuntes Event stattfinden. Und somit eines mehr, als in allen anderen Saisons der FIA WEC seit Gründung der Meisterschaft im Jahre 2012.

Spannende Kämpfe um die Rennsiege, atemberaubende und bahnbrechende Technik, die weltweit als führend gilt und Piloten der Extraklasse – die Saison 2016 der Sportwagen-WM (FIA WEC) verspricht schon, jetzt ein Granaten-Jahr zu werden. Schade, dass es bis zum Saisonauftakt am 17. April in Silverstone noch so lange hin ist.

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