Wilde Gerüchte um Sauber: Monisha Kaltenborn weg?

Von Mathias Brunner
Formel 1
Monisha Kaltenborn

Monisha Kaltenborn

​Ist Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn (46) ihren Job los? Die Österreicherin mit indischen Wurzeln steht sei Oktober 2012 an der Spitze des Schweizer Rennstalls.

Das italienische Internetportal «formulapassion» wollte es als Erste  herausgefunden haben: Monisha Kaltenborn sei nicht mehr Teamchefin von Sauber! Angeblich sei die 46jährige Österreicherin mit indischen Wurzeln mit sofortiger Wirkung ihren Job los. Seither verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer und erhärtet sich – offenbar ist es tatsächlich zur Trennung gekommen.

Von Sauber hat bislang niemand zu diesem Gerücht Stellung genommen: Die Handys unserer üblichen Ansprechpartner sind abgestellt. Auf Anfrage in der Schweiz wird mitgeteilt, die komplette Öffentlichkeitsabteilung samt Teamchefin befänden sich auf dem Weg nach Baku und seien nicht erreichbar.

Wir konfrontieren im Fahrerlager des «Baku City Circuit» Team-Manager Beat Zehnder mit dem Gerücht. Der Schweizer sagt: «Jörg Zander als Technischer Direktor und ich als Team-Manager sind mit dem Einsatz des Rennstalls hier in Baku betraut. Für alles Weitere sind die Team-Besitzer zuständig.»

Ein Dementi klingt anders.

Der Zeitpunkt einer Entmachtung erscheint dennoch seltsam: Immerhin war es Kaltenborn, die im vergangenen Sommer sicherstellte, dass der Rennstall überlebte. 

Allerdings würden viele Sauber-Anhänger auch argumentieren: Unter Kaltenborn geriet das Team an den Rand des Ruins. Unvergessen die Affäre, als gleich vier Piloten einen Vertrag für die folgende GP-Saison besassen.

Ihre Anteile hatte Kaltenborn 2016 an die neuen Besitzer von Longbow verkauft.

Es ist davon die Rede, dass Kaltenborn als Teamchefin und der Italiener Pascal Picci – Verwaltungsrats-Chef der neuen Sauber-Holding – unterschiedliche Ansichten über die Führung des Rennstalls haben sollen.

Monisha Kaltenborn: 20 Jahre für Sauber

Monisha Kaltenborn wurde am 10. Mai 1971 als Monisha Narang im indischen Dehradun geboren. Als sie acht Jahre alt war, wanderten ihre Eltern nach Österreich aus, wo sie von 1990 bis 1995 an der Universität von Wien Jura studierte und als Magister iuris abschloss.

Dem Studium folgte eine Forschungsassistenz bei der Organisation für Industrie-Entwicklung der Vereinten Nationen in Wien und Forschung für die UN-Kommission für internationales Handelsrecht in Wien. 1996 erwarb sie an der «London School of Economics and Political Science» einen «Master of Law in International Business Law».

Von 1996 bis 1997 arbeitete Monisha Kaltenborn in der Rechtsanwaltskanzlei Gleiss, Lutz, Hootz, Hirsch in Stuttgart, von 1997 bis 1998 in der Rechtsanwaltskanzlei Wolf, Theis + Partner in Wien, von 1998 bis 1999 bei der Fritz Kaiser Gruppe, dabei kümmerte sie sich um Rechts- und Unternehmensangelegenheiten des Red Bull Sauber F1 Teams. So kam sie mit dem Motorsport in Kontakt.

Im Jahr 2000 stieg Kaltenborn bei Sauber in die Rechtsabteilung ein und übernahm deren Leitung. 2001 wurde sie zum Mitglied der Geschäftsführung des Rennstalls ernannt und behielt diese Position auch, als das Team 2006 von BMW übernommen wurde. Nachdem BMW sich aus der Formel 1 zurückgezogen hatte und das Team wieder in Besitz von Gründer Peter Sauber war, wurde Kaltenborn 2010 Geschäftsführerin der Sauber Motorsport AG.

2011 übernahm Monisha Kaltenborn ein Drittel der Anteile am Sauber F1 Team, seit Oktober 2012 ist sie Teamchefin des Sauber-F1-Teams, als erste Frau in dieser Position in der Formel 1.
Mit den Jahren rutschte Sauber in die Krise, sportlich wie finanziell. Die Schuldenlast drohte, den Schweizer Rennstall zu erdrücken. Kaltenborn versicherte immer, sie werde wie ein Löwe kämpfen, um das Team zu retten, und sie werde das auch schaffen. Im Juli 2016 zeigte sich: Sie hielt Wort. Die Schweizer Investmentfirma Longbow übernahm Sauber zu hundert Prozent, dank schwedischer Geldgeber im Hintergrund war ein Schweizer Unternehmen gerettet. Monisha Kaltenborns Nase, den Schweden Marcus Ericsson ins Team zu holen, hatte sich als richtig erwiesen.

Monisha Kaltenborn ist mit dem deutschen Rechtsanwalt Jens Kaltenborn verheiratet, die beiden haben zwei Kinder.

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