Formel 1

Franz Tost: «Das Ziel heisst besser werden!»

Von Gerhard Kuntschik - 15.02.2020 07:05

Der Tiroler Franz Tost begann Freitag in Salzburg seine 15. Saison als Formel-1-Teamchef. Das Team heißt jetzt AlphaTauri statt Toro Rosso. Nach solider Vorbereitung sind die Ziele hochgesteckt.

In diesem Jahr startet Franz Tosts Mannschaft in ein neues Kapitel der Team-Geschichte. Der Rennstall aus Faenza, der als Nachwuchsschmiede für die Red Bull Racing-Mannschaft dient, heisst nicht mehr Toro Rosso sondern neu AlphaTauri. Der Ehrgeiz des Teamchefs, der in diesem Jahr seine 15. Formel-1-Saison in Angriff nimmt, bleibt aber unverändert gross.

Im SPEEDWEEK.com-Interview spricht der 64-jährige Tiroler über die Saisonvorbereitung in diesem Winter, seine beiden Schützlinge Pierre Gasly und Daniil Kvyat sowie über die Fortschritte von Motorenpartner Honda.

Wie lief die Vorbereitung?

Franz Tost: Sehr gut, wir machten im Aero-Bereich gute Fortschritte. Wenn sich die Daten aus dem Windkanal auf der Rennstrecke bestätigen, müssten wir einen guten Schritt vorwärts gemacht haben. Auch mechanisch gab es Fortschritte dank der Zusammenarbeit mit Red Bull Technologies. Was die Reifen betrifft: Die sind zwar dieselben wie 2019, aber durch die veränderte Aerodynamik und neue mechanische Teile müssen wir erst herausfinden, wie wir sie optimal einsetzen können. Leider sind da die Tests in Barcelona wegen der kühlen Temperaturen nicht sehr aussagekräftig, wir erhoffen uns da etwas Wärme in den Mittagsstunden.

Waren die Crash-Tests ein Problem?

Wir haben sie bestanden. Was aber diesmal nicht so einfach war. Wir machten deshalb zuvor private Tests. Kritisch waren die verschärften Normen für den seitlichen Aufprall. Das war schon herausfordernd.

Gab es Veränderungen im Team?

Wir hatten keine Abgänge, die Truppe blieb zusammen. Wir sollten die Erfahrungen nun besser nutzen können.

Die Fahrer Pierre Gasly und Daniil Kvyat sind ja mittlerweile auch keine Anfänger mehr...

Nein, die haben jetzt schon eine schöne Menge Erfahrung – wir hatten noch in keiner Saison so erfahrene Piloten! Die primäre Frage für uns ist natürlich: Wie gut arbeitete die Konkurrenz im Winter?

AlphaTauri kann jetzt das zweite Jahr Synergien mit Red Bull Racing dank der Technologiepartnerschaft nutzen und geht ins dritte Jahr mit Motorenpartner Honda – wohl zwei weitere Vorteile?

Zwei grosse Vorteile. Alle wissen, dass Red Bull Technologies die besten Ingenieure hat. Im dritten Jahr mit Honda sollten sich die Fortschritte richtig zeigen.

Hat sich Honda über den Winter weiter gesteigert?

Davon gehe ich aus. Wir haben Grund zum Optimismus, was Haltbarkeit und Leistung betrifft. Das Aufschliessen zu Mercedes und Ferrari geht weiter!

Wie aufwändig ist diese Saison im Hinblick auf 2021, wenn vieles neu werden wird?

Das wird vor allem für die kleinen Teams eine grosse Herausforderung. Wir begannen mit einer kleinen Technikergruppe schon im Oktober 2019, für 2021 zu arbeiten. Die Veränderungen werden massiv sein. Je grösser ein Team ist, desto mehr Ressourcen können in die verschiedenen Konzepte gebunden werden. Das können die kleinen nicht. Wir müssen daher effizient arbeiten. Die Entwicklung der Saison wird zeigen, wie lange wir für das aktuelle Jahr weiterentwickeln und ab wann wir uns ganz auf 2021 konzentrieren. Was wir machen werden, hängt von der Performance in diesem Jahr ab.

Siehst du nach Gasly/Kvyat Talente im Red-Bull-Förderprogramm mit F1-Potenzial? Und soll ein Junger in einem Freitagstraining eingesetzt werden?

Ein Freitagseinsatz ist in der ersten Saisonhälfte nicht geplant. Danach muss man sehen. Ich halte Yuki Tsunoda für einen Kandidaten, der in der Formel 3 stark war und in diesem Jahr in der Formel 2 fährt. Und auch der gleichaltrige Jüri Vips, der in Japan in der Super Formula eingesetzt wird, kann ein Thema für uns werden.

Die früheren Toro-Rosso-Fahrer Sébastien Buemi und Jean-Eric Vergne wurden später in anderen Serien mehrmals Weltmeister. Ein gutes Zeichen der Ausbildung oder zu frühe Trennung?

Sie zeigen, dass die Nachwuchsförderung von Red Bull funktioniert und Toro Rosso gute Arbeit leistete. Das soll nun mit AlphaTauri so weitergehen.

Was erwartest du für 2020, was ist Dein Saisonziel?

Nach Platz 6 im vergangenen Jahr ist Rang 5 in der Konstrukteurs-WM das Ziel. Man soll sich ja stets verbessern.

Kann sich eine Sensation wie Monza 2008 mit Vettels Premierensieg im Regen wiederholen?

Das hängt auch von der Konkurrenz ab. Ein Sieg wäre der Gipfel. Vielleicht gibt es wieder die Umstände dafür.

Kann Lewis Hamiltons siebter Titel in diesem Jahr verhindert werden? Und wenn ja, durch wen?

Red Bull Racing ist mit Max Verstappen ein sehr konkurrenzfähiger Gegner, der Hamilton und Mercedes knacken könnte. Und man muss auf Ferrari schauen, was Sebastian Vettel und Charles Leclerc zustande bringen. Für Spannung ist gesorgt. Ich traue Red Bull Racing den WM-Titel zu.

Du beginnst nun deine 15. Saison als Teamchef, bist der längstdienende Boss nach Frank Williams und Christian Horner. Woher nimmst du das «Feuer» für diesen Job?

Der Motorsport ist mein Leben, Hobby, Arbeit, alles. Ich freue mich jeden Tag, wenn ich in die Firma komme und arbeiten kann. Ich freute mich auf die Präsentation in Salzburg, ich freue mich auf die Tests und die ersten Rennen.

Es geht dir also gut?

Meine Laune korreliert mit unseren Leistungen. Sind wir gut, bin ich bestens gelaunt. Sind wir schlecht, bin ich missmutig. Ich hoffe, ich bin immer gut gelaunt, weil dann sind wir schnell! Ganz einfach.

Zum Abschluss: Welche waren die besten Fahrer, die Du im Team hattest?

Immer die, die auch Erfolge hatten: Vettel, Verstappen, Daniel Ricciardo, Carlos Sainz. Auch Vergne und unsere aktuellen Fahrer. Gasly kann ein Hochkaräter werden. Jeder von diesen Fahrern hat schon Meisterschaften gewonnen.

Franz Tost mit seinen Schützlingen Daniil Kyat und Pierre Gasly © Red Bull Franz Tost mit seinen Schützlingen Daniil Kyat und Pierre Gasly

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