Racing Point RP2-Mercedes: Top-Teams im Visier

Von Mathias Brunner
Formel 1

​2020 tritt der Rennstall aus Silverstone nochmals als Racing Point an, ab 2021 heisst das Team dann Aston Martin. Mit dem Modell RR2 wollen die Engländer am vorderen Ende des Mittelfelds auftauchen.

Jahrelang war dieses Team Effizienz-Weltmeister: Der damals Force India genannte Rennstall aus Silverstone erzeugte aus einem bescheidenen Budget wahre Wunder – Zehnter 2008, dann Neunter, Siebter, Sechster 2011, Siebter, wieder Sechster, nochmals Sechster 2014, dann Fünfter 2015, gar Vierter 2016 und 2017, als «best of the rest» hinter den Top-Teams.

Dann brachen harte Zeiten an: Mitbesitzer Vijya Mallya schlitterte in grössere und grössere Probleme, der indische Unternehmer ist in zahlreiche Gerichtsprozesse verwickelt. Längst suchte er einen neuen Besitzer. Im Sommer 2018 wurde das Team unter Gläubigerschutz gestellt. Eine Geschäftsgruppe um den Kanadier Lawrence Stroll erwarb den serbelnden Rennstall, ab nun wurde das Team Racing Point genannt. Der gleiche Stroll ist jetzt bei Aston Martin eingestiegen, ab 2021 werden die Renner aus Silverstone auf den Rennpisten Aston Martin heissen.

Teamchef Otmar Szafnauer: «Unsere 465 Mitarbeiter im Rennwagenwerk sind elektrisiert. Viele Fachkräfte sind seit dreissig Jahren dabei und freuen sich nun auf eine neue Phase in einem Werksrennstall. Lawrence Stroll hat im Werk gesprochen und klargemacht, was er erreichen möchte – Aston Martin soll ein Top-Team werden. Alle in Silverstone sind sehr stolz darauf, dass sie Aston Martin repräsentieren dürfen.»

«Auf unsere Saison 2020 als Racing Point hat das alles keinen unmittelbaren Einfluss. Racing Point wird Ende 2020 verschwinden, 2021 treten wir als ‘Aston Martin F1 Team’ an. Während die Vorbereitungen laufen, in zwölf Monaten als Werksrennstall aufzutreten, vernachlässigen wir nicht unsere Aufgabe für 2020. Das Modell RP20 soll konkurrenzfähig sein und am vorderen Ende des Mittelfelds auftauchen. Um unser Ziel zu erreichen, müssen wir in jedem Rennen beide Fahrer in die Punkte bringen. Wir wollen Rang 4 erreichen und näher an die drei Top-Teams heranrücken.»

«Wir haben im Winter sehr intensiv gearbeitet. Einfach wird es nicht. McLaren hat 2019 sehr gut gearbeitet, und Renault wird weiter wachsen. AlphaTauri wird dank Honda ebenfalls ein harter Gegner sein. Nie haben wir im Winter mehr gearbeitet. Eine Winterpause gibt es eigentlich keine mehr. Wir mussten sicherstellen, dass die Balance zwischen Entwicklung und Produktion stimmt. Wir werden in Australien nicht zu viele Teile dabei haben, das liegt daran, dass wir bis zuletzt entwickelt haben.»

Szafnauer wagt such die Vorhersage: «Wir werden 2020 beide unsere Fahrer auf dem Siegerpodest sehen.»

Am Firmensitz von Geldgeber BWT (Best Water Technology) in Mondsee, Österreich, ist das Modell RP2 enthüllt worden. Hintergrund: Die Österreicher sind Titelsponsor geworden. BWT-CEO Andreas Weissenbacher: «Das ist ein grosser Tag für uns. Ein grosser Dank an Lawrence Stroll, ohne ihn wären wir heute alle nicht hier.»

Rennfan Lawrence Stroll senior erlebte durch seinen Sohn Lance, was ihm selber verwehrt geblieben ist, eine Rennkarriere hoch bis in die Königsklasse. Aber dann wurde aus dem Förderer Stroll auf einmal ein Rennstallbesitzer. Lawrence Stroll hat im vergangenen Sommer Force India aus dem Gläubigerschutz geholt, zusammen mit einer Gruppe von Investoren, darunter der kanadische Geschäftsmann Andre Desmarais, Jonathan Dudman (Monaco Sports und Management), Unternehmer John McCaw, der Finanzexperte Michael de Picciotto, der Modeunternehmer John Idol und Strolls Geschäftspartner Silas Chou. Es ist bis heute nicht bekannt, wie der Besitz des Rennstalls aufgeteilt worden ist.

Stroll ist nicht zum Milliardär geworden, indem er kleine Brötchen herstellte. «Ich will dieses Team zu einem der erfolgreichsten Rennställe machen. Auf kurze Sicht allerdings wollen wir ungefähr dort bleiben, wo wir sind.» Das war 2016 und 2017 jeweils der vierte Rang hinter den drei Top-Teams, eine famose Leistung. 2018 gab es einen Rückschlag, weil durch den Besitzwechsel die zuvor errungenen Punkte gestrichen wurden. Hätte Force India sie behalten könen, wäre der Rennstall aus Silverstone WM-Fünfter geworden, ganz knapp hinter Renault. 2019 hat das Team den siebten Schlussrang eingefahren.

Lawrence Stroll: «Mittelfristig wollen wir ein Wörtchen um den dritten Platz unter den Konstrukteuren mitreden. Und langfristig, wenn wir ab 2021 eine ganz neue Formel 1 haben, will ich mit diesem Team Grosses erreichen.»

Der Mehrkampf im Mittelfeld ist knallhart. Wenn Racing Point auf den vierten Platz in der Meisterschaft zurückkehren will, dann müssen all diese Gegner geschlagen werden: McLaren, Renault, AlphaTauri, Alfa Romeo-Sauber, Hass und Williams. Lawrence Stroll hält dies für machbar.

Auf einen Mann kann er sich dabei verlassen: Sergio Pérez. Der Mexikaner ist so etwas wie eine Punktegarantie, wenn der Wagen eine Top-10-Platzierung zulässt – bis auf die Ausnahme Singapur fuhr er in der zweiten Saisonhälfte 2019 jedes Mal in die Punkte.

Der Mittelamerikaner grinst: «Ich war im Winter an jedem Tag früh auf, denn inzwischen habe ich zwei Kids, und die halten mich auf Trab! Wenn es Februar wird, geht es mir immer gleich – ich kann es nicht erwarten, wieder ins Auto zu kommen. Wir haben ein hübsches Auto, nun muss es auch schnell sein. Ich glaube fest an dieses Team, deshalb habe ich hier um drei Jahre verlängert, also bis Ende 2022.»

«Wir haben nur sechs Tage, da müssen wir das Beste aus der Zeit machen.» Das wird bedeuten, dass sich die Fahrer an jedem Testtag abwechseln – Pérez wird am 19. Februar beginnen, Stroll übernimmt am Nachmittag, am Tag darauf wird das umgedreht.

Der 21jährige Lance Stroll geht in seine vierte GP-Saison: Nach zwei Jahren mit Williams (Zwölfter 2017, 18. 2018) und einem Jahr bei Racing Point (15.) sagt der Kanadier: «Meine Batterien sind voll, ich bin bereit loszulegen! Ich habe viel Zeit zuhause in Kanada verbracht und war mit Freunden und Familie auf der Skipiste. Es tut gut, im Winter abzuschalten.»

Zum neuen Wagen sagt der Kanadier: «Wenn das Auto so schnell ist wie hübsch, dann sind wir für 2020 gut aufgestellt.»

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