F1-Saisonauftakt in Spielberg: Eine Frage der Grösse

Von Johannes Orasche
Formel 1
2019 erlebten die Zuschauer in Spielberg ein F1-Spektakel, nun müssen die Verantwortlichen auf ein Geisterrennen hoffen

2019 erlebten die Zuschauer in Spielberg ein F1-Spektakel, nun müssen die Verantwortlichen auf ein Geisterrennen hoffen

Der österreichische Vizekanzler Werner Kogler nährt die Hoffnungen der F1-Verantwortlichen auf einen WM-Start in Spielberg, warnt aber auch: «Es ist auch eine Frage der Anzahl Personen des F1-Trosses.»

Nachdem der französische Präsident Emmanuel Macron in seiner Fernsehansprache betont hat, ass bis mindestens Mitte Juli keine öffentlichen Veranstaltungen in seinem Land stattfinden werden, ist klar: Der Frankreich-GP, der für den 28. Juni auf dem Circuit Paul Ricard in Le Castellet geplant war, wird der zehnte Formel-1-Saisonlauf sein, der in diesem Jahr wegen der Coronakrise nicht wie geplant stattfinden kann.

Bereits früh wurde das Rennen in China verschoben, damals beschäftigte der Sars-CoV-2-Erreger vor allem die Volksrepublik. Dabei blieb es aber nicht, weshalb in Folge auch die Rennen in Melbourne, Bahrain, Hanoi, Zandvoort, Barcelona, Baku und Montreal vorzeitig auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben werden mussten. Monaco hat den prestigeträchtigen WM-Lauf in Monte Carlo für dieses Jahr gleich ganz abgesagt.

Damit rückt das Rennen in Spielberg als potenzielle Gaststätte für den verspäteten WM-Start in den Mittelpunkt. Die ersten Signale lassen hoffen, denn weder von den Verantwortlichen des Red Bull Rings noch von Seiten der Politik wurde die Idee der GP-Durchführung verworfen. Werner Kogler, österreichischer Vizekanzler und Bundesminister für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport, liess bereits mit seinem Interview in der «Kleinen Zeitung» aufhorchen, in dem er ein mögliches Geisterrennen nicht ausgeschlossen hat.

In einer heutigen Pressekonferenz erklärte der Bundessprecher der Grünen: «Das Rennen in Spielberg würde nach altem Kalender ja im Juli über die Bühne gehen, aber wie auch immer das Programm am Ende aussehen wird, das müssen die Sportverbände selbst entscheiden.» Er selbst sei mit dem steirischen Landeshauptmann und mit Red Bull-Motorsportberater Dr. Helmut Marko in Kontakt gewesen, bestätigte er.

Letzterem habe Kogler mitgeteilt, dass die zuständigen Motorsport-Verbände alle Richtlinien übermittelt bekommen, um dann zu entscheiden, was möglich ist. «Es hat sich herauskristallisiert, ass da weniger die Abstandsregeln eine Rolle spielen werden, als die Einreisebestimmungen, denn das ist im besten Sinne des Wortes ein internationaler Tross.» Ob es Ausnahmeregelungen geben werde, könne er nicht sagen. «Ich will da nicht vorgreifen», bleibt der Politiker vorsichtig.

«Im Prinzip wird das entweder mit Quarantäne verbunden sein oder mit entsprechenden Gesundheitszeugnissen», präzisierte der österreichische Vizekanzler, und stellte klar: «Im Prinzip wurde mir von der Formel 1 signalisiert, dass das aus ihrer Sicht klappen könnte. Für uns ist wichtig, dass die Abstandsregeln eingehalten werden müssen. Und irgendwann muss es natürlich auch eine Frage der Anzahl der Personen dieses Trosses sein. Denn Zehntausende sind natürlich weniger günstig als 1000, weil sich mit jeder Person die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass bei allen Tests doch was passiert.» Das heisst, ein Geisterrennen wäre die wahrscheinlichste Variante.

Innenminister Karl Nehammer warnte seinerseits: «Wenn wir es als Österreich schaffen, die Infektionskurve klassisch abzuflachen und wir sehen, dass wir tatsächlich den positiven Trend fortsetzen können, dann dürfen wir eines nicht riskieren: Dass wir uns eine Infektionskette ins Land holen, die sich dann wieder rasch verbreitet.»

«Ich will nochmals ins Gedächtnis rufen, warum das so wichtig ist und wir wirklich immer von Fall zu Fall beurteilen. Von fünf infizierten Coronavirus-Patienten, hat nur ein Patient tatsächlich Symptome. Das heisst, vier andere tragen das Virus in sich, spüren es nicht, und können andere massiv infizieren. Genau das ist der Grund, warum wir so vorsichtig sind, warum wir schrittweise agieren und warum es nach wie vor diese strengen Einreisebestimmungen braucht. Also dass man, wenn man nach Österreich kommt, entweder in die Isolierung geht oder ein Gesundheitszeugnis vorweist, das nicht älter ist als vier Tage ist und einen negativen Coronatest umfasst. Sonst haben wir keine Chance, den Virus nachhaltig einzudämmen.»

Der gegenwärtige Formel-1-Kalender 2020

05. Juli: Spielberg, Red Bull Ring/A
19. Juli: Silverstone, Silverstone Circuit/GB
02. August: Mogyoród bei Budapest, Hungaroring/H
30. August: Francorchamps, Circuit de Spa-Francorchamps/B
06. September: Monza, Autodromo Nazionale/I
20. September: Singapur, Marina Bay Street Circuit/SGP
27. September: Sotschi, Sochi Autodrom/RUS
11. Oktober: Suzuka, Suzuka Circuit/J
25. Oktober: Austin, Circuit of the Americas/USA
1. November: Mexico City, Autódromo Hermanos Rodríguez/MEX
15. November: São Paulo, Autódromo José Carlos Pace/BR
29. November: Abu Dhabi, Yas Marina Circuit/UAE

Ohne neuen Termin
Shanghai, Shanghai International Circuit/RCH
Melbourne, Albert Park Circuit/AUS
Bahrain, Bahrain International Circuit/BRN
Hanoi, Street Circuit Hanoi/VN
Zandvoort, Circuit Park Zandvoort/NL
Montmeló bei Barcelona, Circuit de Barcelona-Catalunya/E
Aserbaidschan, Baku City Circuit/AZ
Montreal, Circuit Gilles Villeneuve/CDN
Le Castellet, Circuit Paul Ricard/F

Abgesagt
Monte Carlo, Circuit de Monaco/MC

Das ursprüngliche WM-Programm

15. März: Melbourne, Albert Park Circuit/AUS
22. März: Bahrain, Bahrain International Circuit/BRN
5. April: Hanoi, Street Circuit Hanoi/VN
19. April: Shanghai, Shanghai International Circuit/RCH
3. Mai: Zandvoort, Circuit Park Zandvoort/NL
10. Mai: Montmeló bei Barcelona, Circuit de Barcelona-Catalunya/E
24. Mai: Monte Carlo, Circuit de Monaco/MC
7. Juni Aserbaidschan, Baku City Circuit/AZ
14. Juni: Montreal, Circuit Gilles Villeneuve/CDN
28. Juni: Le Castellet, Circuit Paul Ricard/F
5. Juli: Spielberg, Red Bull Ring/A
19. Juli: Silverstone, Silverstone Circuit/GB
2. August: Mogyoród bei Budapest, Hungaroring/H
30. August: Francorchamps, Circuit de Spa-Francorchamps/B
6. September: Monza, Autodromo Nazionale/I
20. September: Singapur, Marina Bay Street Circuit/SGP
27. September: Sotschi, Sochi Autodrom/RUS
11. Oktober: Suzuka, Suzuka Circuit/J
25. Oktober: Austin, Circuit of the Americas/USA
1. November: Mexico City, Autódromo Hermanos Rodríguez/MEX
15. November: São Paulo, Autódromo José Carlos Pace/BR
29. November: Abu Dhabi, Yas Marina Circuit/UAE

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