Formel-2-Meister Mick Schumacher: «Ich bin platt»

Von Mathias Brunner
Formel 1
Mick Schumacher

Mick Schumacher

​Beim Formel-2-Finale von Sakhir hat sich Ferrari-Junior Mick Schumacher den Titel geholt. Der 21jährige Deutsche ist Nachfolger einiger der besten Rennfahrer der Welt und sagt: «Ich bin komplett platt.»

Bravo, Mick Schumacher: Mit einer starken zweiten Saisonhälfte hat sich der Ferrari-Nachwuchspilot den Formel-2-Titel 2020 gesichert. In 24 Rennen stand der 21-Jährige zehn Mal auf dem Siegerpodest, er gewann die Hauptrennen von Monza und Sotschi. Der nächstjährige GP-Pilot von Haas war nicht in jedem Rennen der schnellste Mann, nicht der beste oder der fehlerfreiste, aber er zeigte von allen Piloten am konstantesten Spitzenergebnisse. So zeigt ein Rennfahrer seinen Rivalen den Meister.

Als Formel-2-Champion 2020 wird Mick Schumacher Nachfolger einiger der besten Rennfahrer der Welt. In der Sprungbrettkategorie zur Formel 1 haben zahlreiche Fahrer angedeutet, was in ihnen steckt. Wenn wir uns das goldene Buch von Formel 2, Formel 3000 und GP2 betrachten finden wir spätere GP-Sieger, Formel-1-Weltmeister, Le-Mans-Sieger, Langstrecken-Weltmeister, Dakar-Sieger, Indy-500-Sieger und IndyCar/CART/ChampCar-Meister (siehe Tabelle weiter unten).

Mick Schumacher ist der neunte deutschsprachige Champion nach Marc Surer (1979), Christian Danner (1985), Jörg Müller (1996), Nick Heidfeld (1999), Nico Rosberg (2005), Timo Glock (2007), Nico Hülkenberg (2009) und Fabio Leimer (2013).

Mick Schumacher sagt nach seinem Titelgewinn in Arabien: «Ich bin komplett platt, es ist überhaupt noch nicht eingesickert, was eben passiert ist, denn das Rennen war so schwierig. Vielleicht würde ich mich anders fühlen, wenn ich ein gutes Finale gezeigt hätte. Aber es hat letztlich für den Titel gereicht, und in Zukunft werden wir uns nicht an ein punkteloses Rennen erinnern, sondern daran, dass ich Meister geworden bin.»

«Ein riesiges Dankeschön an mein Prema-Team. Diese Menschen sind nicht einfach meine Rennmannschaft, sie sind meine Familie, und ich liebe sie alle. Uns verbindet ein starkes Band des Vertrauens. Ich bin in der Formel 4 mit Prema gefahren, dann in der Formel 3, nun in der Formel 2. Ich glaube nicht, dass es einen anderen Fahrer gibt, der in den Nachwuchsserien so lange beim gleichen Rennstall geblieben ist. Was für eine tolle Truppe!»

«Ich wusste, dass die Windverhältnisse schwierig sind, da waren ständig diese Böen, viel Sand auf der Bahn, ganz anders als gestern, vor allem von hinten in Kurve 4 hinein. Ich habe den Grip der Bahn unterschätzt, ich bremste zu spät, total mein Fehler, so handelte ich mir diesen Bremsplatten rechts vorne ein, und der führte zu irren Vibrationen. Ich blockierte dann ständig die Räder.»

«Damit war mein ganzes Rennen kompromittiert. Ich versuchte mein Bestes, die Reifen ins Ziel zu tragen, aber irgendwann ging es einfach nicht mehr. Ich holte frische Walzen ab, aber ich konnte nicht mehr in die Punkteränge vordringen.»

«Grosses Kompliment an meinen Rivalen Callum und überhaupt an alle Gegner, wir haben in der Formel 2 ein sehr hohes fahrerisches Niveau, und es war eine Ehre und Freude, gegen diese Piloten zu kämpfen. Callum hat mich auf den Zehenspitzen gehalten. Danke auch an Robert Shwartzman, meinen Prema-Stallgefährten und Kollegen aus der Ferrari-Fahrerakademie. Er hat mir mit einer starken ersten Saisonhälfte gezeigt, dass ich härter arbeiten muss, wenn ich den Titel holen will. Das haben wir getan, und so darf ich sagen – wir haben uns die Meisterschaft redlich verdient.»

«Es wird einige Tage, bis ich voll begreife, was wir zusammen erreicht haben. Im Moment fühle ich fast eher Enttäuschung als Begeisterung. Denn ich weiss, dass ich heute besser hätte sein müssen. Aber wenn ich daran denke, welche Saison wir gezeigt haben, dann darf ich mit mir zufrieden sein. Letztlich spielt es nur eine Rolle, dass der Titel in trockenen Tüchern ist.»

«Ich hatte grosse Erwartungen an mich selber, als ich in die Saison ging. Die ersten Rennen liefen aber nicht wie erwartet. Wir konnten uns Schritt um Schritt verbessern, Podestplätze kamen und Siege. Von da an waren wir auf Titelkurs.»

«Heute Morgen hatte ich ein gutes Gefühl. Doch natürlich habe ich mir Gedanken darüber gemacht, ob nicht am Ende noch alles schiefgehen könnte. Ich wollte das Finale gewinnen, um alles klar zu machen, ich glaube, mein Auto wäre ohne meinen Fehler schnell genug gewesen.»

Welches sieht Mick als sein bestes Rennen 2020? «Das Hauptrennen hier, als ich von Platz 18 losfahren musste und am Ende Sechster wurde. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so weit vorstossen kann.»

«Es war mir wichtig, dass ich als Meister in die Formel 1 hochrücken kann. Das erzeugt einfach eine ganz andere Glaubwürdigkeit. Wir wollten Meister werden, wir haben den Meistertitel geholt, wir dürfen mit uns wirklich sehr zufrieden sein.»

Die Meister vor Mick Schumacher

Formel-2-Europameister
1967 Jacky Ickx (B)
1968 Jean-Pierre Beltoise (F)
1969 Johnny Servoz-Gavin (F)
1970 Clay Regazzoni (CH)
1971 Ronnie Peterson (S)
1972 Mike Hailwood (GB)
1973 Jean-Pierre Jarier (F)
1974 Patrick Depailler (F)
1975 Jacques Laffite (F)
1976 Jean-Pierre Jabouille (F)
1977 René Arnoux (F)
1978 Bruno Giacomelli (I)
1979 Marc Surer (CH)
1980 Brian Henton (GB)
1981 Geoff Lees (GB)
1982 Corrado Fabi (I)
1983 Jonathan Palmer (GB)
1984 Mike Thackwell (NZ)

Internationale Formel-3000-Meisterschaft
1985 Christian Danner (D)
1986 Ivan Capelli (I)
1987 Stefano Modena (I)
1988 Roberto Moreno (BR)
1989 Jean Alesi (F)
1990 Érik Comas (F)
1991 Christian Fittipaldi (BR)
1992 Luca Badoer (I)
1993 Olivier Panis (F)
1994 Jean-Christophe Boullion (F)
1995 Vicenzo Sospiri (I)
1996 Jörg Müller (D)
1997 Ricardo Zonta (BR)
1998 Juan Pablo Montoya (COL)
1999 Nick Heidfeld (D)
2000 Bruno Junqueira (BR)
2001 Justin Wilson (GB)
2002 Sébastien Bourdais (F)
2003 Björn Wirdheim (S)
2004 Vitantonio Liuzzi (I)

FIA GP2
2005 Nico Rosberg (D)
2006 Lewis Hamilton (GB)
2007 Timo Glock (D)
2008 Giorgio Pantano (I)
2009 Nico Hülkenberg (D)
2010 Pastor Maldonado (YV)
2011 Romain Grosjean (F)
2012 Davide Valsecchi (I)
2013 Fabio Leimer (CH)
2014 Jolyon Palmer (GB)
2015 Stoffel Vandoorne (B)
2016 Pierre Gasly (F)

FIA Formel 2
2017 Charles Leclerc (MC)
2018 George Russell (GB)
2019 Nyck de Vries (NL)
2020 Mick Schumacher (D)

Formel-2-Sprint von Sakhir

1. Jehan Daruvala (IND), Carlin
2. Yuki Tsunoda (J), Carlin, +3,561
3. Dan Ticktum (GB), DAMS, +3,902
4. Guanyu Zhou (RCH), Uni-Virtuosi Racing, +5,615
5. Robert Shwartzman (RU), Prema Racing, +7,585
6. Giuliano Alesi (F), MP Motorsport, +9,040
7. Luca Ghiotto (I), Hitech Grand Prix, +11,093
8. Felipe Drugovich (BR), MP Motorsport, +13,878
9. Nikita Mazepin (RU), Hitech Grand Prix, +14,536
10. Callum Ilott (GB), Uni-Virtuosi Racing, +16,023
11. Pedro Piquet (BR), Charouz Racing System, +16,157
12. Christian Lundgaard (DK), ART Grand Prix, +17,051
13. Louis Delétraz (CH), Charouz Racing System, +20,176
14. Marcus Armstrong (NZ), ART Grand Prix, +21,844
15. Roy Nissany (IL), Trident, +23,639
16. Marino Sato (J), Trident, +26,089
17. Sean Gelael (RI), DAMS, +26,759
18. Mick Schumacher (D), Prema Racing, +28,529
19. Guilherme Samaia (BR), Campos Racing, +35,936
20. Artem Markelov (RU), BWT HWA Racelab, +59,769
21. Théo Pourchaire (F), BWT HWA Racelab, +1 Runde
Out
Ralph Boschung (CH), Campos Racing, Antriebsschaden

Schlussstand nach 24 Rennen

1. Schumacher 215
2. Ilott 201
3. Tsunoda 200
4. Shwartzman 177
5. Mazepin 164
6. Zhou 151,5
7. Lundgaard 149
8. Delétraz 134
9. Drugovich 121
10. Ghiotto 106
11. Ticktum 96,5
12. Daruvala 72
14. Armstrong 52
14. Jack Aitken (GB) 48
15. Nobuharu Matsushita (J) 42
16. Vips (EST) 16
17. Alesi 12
18. Markelov 5
19. Nissany 5
20. Piquet 3
21. Sean Gelael 3
22. Sato 1
23. Hughes 0
24. Samaia 0
25. Boschung 0
26. Pourchaire 0



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