Fernando Alonso (Alpine): Seine Ziele für 2021

Von Mathias Brunner
Formel 1
​Ausgerechnet der grösste Fanmagnet fehlte bei der Präsentation des neuen Alpine-Rennwagens: Fernando Alonso. Der zweifache Formel-1-Champion sagt: «Ich habe ausserhalb der Formel 1 viel gelernt.»

Bei der Präsentation des 2021er Renners von Alpine in Enstone der grosse Abwesende: der Spanier Fernando Alonso. Der 32fache GP-Sieger wollte sich die britischen Quarantäne-Regeln nicht antun und nach seinem Radunfall lieber zuhause in der Schweiz trainieren.

Der 39jährige Alonso versucht, den grössten Gegner jedes Rennfahrers zu bezwingen: die Zeit. Ende 2018 verliess der Spanier die Formel-1-Bühne, zermürmt vom Fehlschlag McLaren-Honda. Er hat sein Rennfeuer mit neuen Aufgaben am Leben erhalten – mit Einsätzen beim Indy 500, auf der Langstrecke (WM-Titel und zwei Le Mans-Siege), bei der Rallye Dakar. Nun ist er bereit für das letzte Kapitel Königsklasse seiner langen Karriere, denn er will nochmals beweisen, dass er mit Fahrern mithalten kann, von welchen einige beinahe halb so alt sind.

Alonso kann die Erfahrung von 32 GP-Siegen und zwei WM-Titeln in die Waagschale legen, der Kreis schliesst sich, denn er wurde 2005 und 2006 mit jenem Rennstall Weltmeister, der ebenfalls von Enstone aus operierte und als Werksteam von Renault auftrat. «Es war, als ob ich zu meiner Familie zurückkehre», sagt Fernando dazu.

Was ist im Schosse dieser Familie möglich? Alonso ist kein Träumer: «In der kommenden Saison fahren wir in der Formel 1 mehr oder weniger mit den Modellen von 2020. Ich weiss, dass ich 2021 mit Renault kaum eine Siegchance erhalten werde. Aber es ist eine tolle Herausforderung, sich in ein Projekt reinzuhängen, damit 2022 unsere grosse Stunde schlägt.» Dann, wenn die Formel 1 eine neue Modellgeneration erhält.

Alonso über die kommende Saison: «Ich fühle mich bereit für diese neue Herausforderung, die ich als eine Riesengelegenheit sehe. Ich habe mit dieser Mannschaft so viel Fabelhaftes erreicht, und ich freue mich sehr darauf, wieder mit den ganzen Spezialisten aus Enstone und Viry zusammenzuarbeiten. Diese Menschen motivieren mich, ich habe unendlichen Respekt und riesiges Vertrauen in diese Mannschaft.»

«Was mein persönliches Ziel für 2021 angeht, so möchte ich mich weiterentwickeln. Ich habe in meinen zwei Jahren ausserhalb der Formel 1 sehr viel gelernt – Fahrtechnik, Methodik, Denkweise. Was die Ergebnisse angeht, so sind Prognosen schwierig, dazu liegt das Mittelfeld zu dicht beisammen.»

Erwartet Alonso von sich selber, gleich beim ersten Rennen in Bahrain auf Top-Speed zu sein? Fernando: «Jeder Fahrer braucht zu Beginn einer Saison einige Rennen, um sich im neuen Wagen oder bei einem neuen Rennstall perfekt wohl zu fühlen. Das gilt auch für mich. Aber das geht allen so, Sorgen macht mir das keine.»

Über seinen neuen Stallgefährten Esteban Ocon sagt Alonso: «Ich kenne Esteban schon eine Weile. Ich finde, er hat 2020 eine bärenstarke Saison gezeigt, vor allem in der zweiten Hälfte. Ich sehe also durchaus auch für mich Chancen, von ihm etwas zu lernen. Er ist der richtige Mann, um gemeinsam Alpine vorwärts zu bringen.»

Als verlorenes Jahr sieht Alonso das Jahr 2021 nicht. «Renault war 2020 wettbewerbsfähiger als viele das erwartet hatten, diesen Schwung müssen wir in die kommende Saison mitnehmen. Ich knüpfe meine Erwartungen nicht an bestimmte Positionen. Aber natürlich wäre es schön, aufs Podest zu gelangen. Solche Chancen haben sich 2020 ergeben, aber das war auch verrückten Rennverläufen zu danken.»

Eine Spektakelgarantie ist von diesem Ausnahme-Racer zu erwarten, denn Alonso sagt: «Wenn ich das Helmvisier herunterklappe, dann spielt es für mich keine Rolle, ob ich um den zehnten, siebten oder vierten Rang kämpfe, ich fahre immer so, als ginge es in der letzten Kurve der letzten Runde des letzten Saisonrennens noch um den Titel.»


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