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Norbert Haug zu Mercedes: «Retten, was zu retten ist»

Von Gerhard Kuntschik
Der frühere Mercedes-Motorsportdirektor Norbert Haug befürchtet: «Ich vermute, Mercedes hat einen Fehlschuss mit dem neuen W13 gehabt.» Um Lewis Hamiltons Motivation macht er sich dennoch keine Sorgen.

Ende der Saison wird es zehn Jahre her sein, dass Norbert Haug nach 22 Jahren den Kommandostand bei Mercedes-Benz Motorsport räumte und Toto Wolff nachfolgte. Ein aufmerksames Auge, nein, alle zwei hat der Pforzheimer aber immer noch für «sein» Metier Formel 1 und DTM. Mit SPEEDWEEK.com sprach der 69-Jährige, der jetzt als Beirat für den Drive-by-wire-Entwickler Schäffler-Caravan tätig ist, über Porpoising, Mitarbeiter-Motivation und natürlich zum Thema «Was passiert mit Lewis Hamilton?»

Es fällt auf, dass Haug Diplomat genug ist, in der Beurteilung der Formel-1-Situation «seines» Teams kein negatives Wort über Nachfolger Toto Wolff oder seine Mannschaft zu verlieren – nach deren 15 WM-Titeln klarerweise. Und so meint Haug über die «Stern-Krise»: «Dazu kann ich nur eine Ferndiagnose versuchen. Der W13 sieht ganz anders aus als seine Konkurrenten. Die Kühler sind komplett anders platziert. Die grosse Fläche unter dem Auto, die Abtrieb generieren soll, kann offenbar nicht genutzt werden. Wenn das Hüpfen, das Porpoising, kuriert werden kann, kann es plötzlich ganz anders laufen.»

«So wie Hamilton in Imola unterwegs war und nach zwei Dritteln der Distanz überrundet wurde, ist das ganz starker Tobak. Vielleicht haben auch die Streckentemperaturen dazu beigetragen. Ein vierter Platz für Russell ist toll, entspricht aber nicht der aktuellen Leistungsklasse. Die Realität ist eher bei Hamilton. Jetzt muss das Team alles in Ruhe abarbeiten.»

Ist für Mercedes schon nach vier von 23 (oder 22) Rennen alles verloren? Haug sagt nein: «Eine Saison darf man nie abschrieben. Wenn du 17. bist, musst du versuchen, 15. oder besser zu werden, so dämlich sich das anhört. Aber du musst dranbleiben, du kannst nicht die Hände in den Schoss legen. Ich dachte schon, dass sich der Knoten schneller lösen liesse. Vielleicht sieht es in den nächsten Rennen schon anders aus. Mit dem Ausgabenlimit wird es natürlich schwieriger, einen Rückstand aufzuholen, weil auch die Windkanal-Arbeit limitiert ist. Und dazu kommen die Probleme aller durch die allgemeine Inflation.»

Also muss jetzt Erste Hilfe funktionieren: «Ich vermute, Mercedes hat einen Fehlschuss mit dem neuen W13 gehabt. Da muss man eben retten, was zu retten ist. Ich prognostiziere nicht, dass das sofort gelingt, sage aber, es ist nicht im Bereich des Unmöglichen. Das Wichtigste ist, dass du dich als Chef vor dein Team stellst und die Mauer machst. Da muss man besser ein Schönredner gegenüber Vorstand, Presse, Partner sein als sein Team offen zu kritisieren. Keine Schuldzuweisungen, sondern Stück für Stück die Probleme abarbeiten.»

Und zur Diskussion über den Motivationsstand von Lewis Hamilton meint Haug, der mit ihm über Jahre zusammenarbeitete: «Ich denke nicht, dass Lewis die Lust verlieren wird. Er hat zwei Mal den Titel verloren, 2007 in Schanghai in seinem ersten F1-Jahr durch eine falsche Entscheidung in unserem Team (McLaren-Mercedes, Anm.) und 2021 durch eine falsche Entscheidung der FIA. Sonst hätte er schon neun Titel. Ich sage nicht, Verstappen verdient den Titel nicht, aber so sind die Fakten. Die fahrerische Leistung von Lewis entspricht neun WM-Titeln, jetzt läuft er dem achten hinterher. Klar will er den noch erreichen.»

Und weiter: «Ich mache mir keine Sorgen, dass Lewis die Motivation verlieren könnte. George Russell holte das Maximum heraus und profitierte von Ausfällen von Konkurrenten, die eigentlich vor ihm gelegen wären, aber du musst halt auch im richtigen Moment zur Stelle sein, und das hat er sehr gut gemacht.»

An markigen Sprüchen hat es Haug (wir wissen: Ex-Journalist!) nie gemangelt. So sagt er zum Abschluss unseres Gesprächs: «Wir erleben einen Generationenwechsel in der Formel 1. Nicht nur durch Verstappen, auch durch Russell, Norris ist ein Knaller schlechthin, genauso Leclerc, wenn ihm nicht öfters Schnitzer wie in Imola passieren.»

Das Resümee: «Im Duell Ferrari gegen Red Bull Racing hätte ich nach Melbourne gesagt, der Fisch ist geputzt! Nach Imola war alles wieder anders. Schauen wir mal weiter!»

Ergebnis Grand Prix der Emilia-Romagna (24. April 2022)

01. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing, 1:32:07,986 h
02. Sergio Pérez (MEX), Red Bull Racing, +16,527 sec
03. Lando Norris (GB), McLaren, +34,834
04. George Russell (GB), Mercedes, +42,506
05. Valtteri Bottas (FIN), Alfa Romeo, +43,181
06. Charles Leclerc (MC), Ferrari, +56,072
07. Yuki Tsunoda (J), AlphaTauri, +61,110
08. Sebastian Vettel (D), Aston Martin, +70,892
09. Kevin Magnussen (DK), Haas, +75,260
10. Lance Stroll (CDN), Aston Martin, +1 Runde
11. Alexander Albon (T), Williams, +1 Runde
12. Pierre Gasly (F), AlphaTauri, +1 Runde
13. Lewis Hamilton (GB), Mercedes, +1 Runde
14. Esteban Ocon (F), Alpine, +1 Runde
15. Guanyu Zhou (RC), Alfa Romeo, +1 Runde
16. Nicholas Latifi (CDN), Williams, +1 Runde
17. Mick Schumacher (D), Haas, +1 Runde
18. Daniel Ricciardo (AUS), McLaren, +1 Runde
Out: Fernando Alonso (E), Alpine (Seitenkasten beschädigt)
Out: Carlos Sainz (E), Ferrari (Dreher)

WM-Stand Fahrer nach 4 von 23 Rennen

01. Leclerc 86 Punkte
02. Verstappen 59
03. Pérez 54
04. Russell 49
05. Sainz 38
06. Norris 35
07. Hamilton 28
08. Bottas 24
09. Ocon 20
10. Magnussen 15
11. Ricciardo 11
12. Tsunoda 10
13. Gasly 6
14. Vettel 4
15. Alonso 2
16. Zhou 1
17. Albon 1
18. Stroll 1
19. Schumacher 0
19. Hülkenberg 0
20. Latifi 0

WM-Stand Konstrukteure

01. Ferrari 124 Punkte
02. Red Bull Racing 113
03. Mercedes 77
04. McLaren 46
05. Alfa Romeo 25
06. Alpine 22
07. AlphaTauri 16
08. Haas 15
09. Aston Martin 5
10. Williams 1

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