«Ferrari ein Traum»: Flörsch und das Ziel Formel 1

Von Andreas Reiners
Sophia Flörsch

Sophia Flörsch

Sophia Flörsch hatte sich vor der Saison 2021 aus dem Formelsport verabschiedet. 2023 will sie zurückkehren, denn den Traum von der Formel 1 hat sie noch nicht aufgegeben.

Manchmal muss man einen Umweg nehmen, um ans Ziel zu kommen. Einen Schritt zur Seite treten, um wieder zwei nach vorne machen zu können. Sophia Flörsch hat sich deshalb vor der Saison 2021 aus dem Formelsport verabschiedet, fuhr in der Langstrecken-WM WEC und in der DTM.

Auch 2022 ist sie auf der Langstrecke unterwegs, tritt in der European Le Mans Series und beim 24-Stunden-Klassiker in Le Mans an. Das große Ziel Formel 1 verliert sie dennoch nicht aus den Augen. 2023 könnte es daher Zeit sein für einen Schritt nach vorne in Richtung Königsklasse. «Idealerweise werde ich im nächsten Jahr wieder in der Formel 3 an den Start gehen», sagte sie in einem Xing-Interview.

Die Münchnerin bleibt selbstbewusst, wenn es um ihren Traum geht. «Ich bin ja erst 21 Jahre alt und im Motorsport ändert sich alles wahnsinnig schnell. In vier bis fünf Jahren redet ihr dann mit einer Formel-1-Fahrerin», sagte Flörsch. Auf ihr Lieblingsteam angesprochen, schwärmte sie von «Ferrari, denn für dieses Team sind schon Rennlegenden wie Michael Schumacher gefahren und Ayrton Senna träumte davon. Das wäre ein Traum».

Geld ist ein Problem

Ein Selbstläufer ist der Weg aber nicht, denn ein essenzielles Problem ist das Geld. Wie bei so vielen Talenten. David Schumacher, der ebenfalls in die Formel 1 möchte, musste wegen fehlender Sponsoren den Aufstieg in die Formel 2 abhaken, er versucht sich 2022 in der DTM. «Der Formelsport ist finanziell nicht mehr zu stemmen, man findet kaum Sponsoren. In meinen Augen ist es praktisch unmöglich geworden», sagte Schumacher zuletzt bei SPEEDWEEK.com.

Flörsch würde eine Saison bei einem Top-Team in der Formel 3 in etwa 1,2 bis 1,5 Millionen Euro kosten. Sie hatte 2020 aber «nur» 600.000 Euro zur Verfügung und fuhr sportlich dementsprechend hinterher. Unter dem Strich ist das verbranntes Geld. «Wenn ich bei einem schlechteren Team fahre und weniger teste, werde ich nie so gut sein können – ein Kreislauf», sagte sie dem Playboy Mobility-Guide «Drive».

Sie geht bei aller Liebe zum großen Traum nicht blauäugig an die Planung heran. «Man braucht viel Glück und viel Geld und muss auch noch zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein», sagte sie der Sport Bild. Es gebe zu wenig seriöse Sponsoren, «die an eine schnelle Frau glauben und in sie investieren», so Flörsch.

Sie hatte zum Beispiel aufgrund der großen medialen Resonanz im Anschluss an ihren schweren Unfall 2018 in Macau zahlreiche neue Sponsoren gewonnen. Von denen ist allerdings keiner mehr an ihrer Seite. «Der Unfall hat mir Reichweite gebracht, sportlich war er aber kein Schritt nach vorne», sagte sie im Interview mit dem Münchner Merkur und der tz.

Ein weiteres Problem, das sie neben Geld und Sponsoren anspricht: Gleichberechtigung im Motorsport sei weiter ein Fremdwort, so Flörsch. «Die Teams schmücken sich mit Fahrerinnen, aber die bekommen kaum echte Chancen. Sie werden zur Rechtfertigung moderner, schicker Leitmotive wie 'Wir fördern Frauen und Gleichstellung' benutzt», sagte die 21-Jährige. Faktisch sei es oft nur ein billig kalkuliertes Engagement, so Flörsch: «Echte Förderung auf dem Niveau sportlicher Inklusion auf Augenhöhe gibt es mehrheitlich nicht.»

Auch die Leistung muss stimmen

Das letzte Mal, dass eine Frau in der Startaufstellung der Formel 1 stand, ist mittlerweile 46 Jahre her. Flörsch will das ändern, sie dürfe mit gerade einmal 21 Jahren dieses Ziel weiterverfolgen, betonte sie. Was dabei allerdings auch hilft, sind sportliche Argumente. Sprich: Erfolge. Zuletzt beim Saisonauftakt der ELMS fuhr sie mit ihrem Teamkollegen auf Platz zwei – als erste Frau in der Rennserie.

Trotzdem ist klar, dass sie liefern muss, um die eigenen Ziele zu untermauern. «Ich boxe mich durch und glaube fest daran, dass es eine Zukunft gibt», betonte Flörsch. Irgendwann werde es klappen, sagte sie: «Das Invest wird sich auszahlen. Mit großem Budget ginge es schnell, mit kleinem Budget muss man auch mal Umwege gehen.» Um dann zwei Schritte nach vorne machen zu können.


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