Formel 1: Reaktion auf Sabotage-Vorwurf

Max Verstappen: Sieg und Meilenstein in Saudi-Arabien

Von Vanessa Georgoulas
Max Verstappen war auch im zweiten Kräftemessen der Saison das Mass aller Dinge

Max Verstappen war auch im zweiten Kräftemessen der Saison das Mass aller Dinge

Formel-1-Champion Max Verstappen war auch im zweiten Rennen der Saison nicht zu schlagen. Der Red Bull Racing-Star kreuzte die Ziellinie als Erster, sein Teamkollege Sergio Pérez kam hinter ihm als Zweiter ins Ziel.

Die Regelhüter hatten am Rennsamstag in Saudi-Arabien bereits vor dem Start zu tun, denn sie sahen eine Szene zwischen Tsunoda und Norris in der Boxengasse, bei der es brenzlig wurde. Die Beteiligten liessen sich davon nicht beirren und reihten sich auf den Startplätzen 6 (Norris) und 9 (Tsunoda) ein. Die Aufmerksamkeit richtete sich aber auf die vorderste Startreihe, die sich Polesetter Max Verstappen mit Ferrari-Star Charles Leclerc teilte.

Dessen Teamkollege Carlos Sainz musste sich mit der Zuschauerrolle begnügen, denn er hatte sich tags zuvor den entzündeten Blinddarm entfernen lassen müssen. Der Eingriff verlief glücklicherweise ohne Probleme und der Spanier liess es sich nicht nehmen, ins Fahrerlager zurückzukehren, um sich das Rennen aus der Nähe anzuschauen.

Für Sainz sprang Ferrari-Reservist Oliver Bearman ein, der unverhofft zu seinem Renndebüt kam. Der Teenager, der seine ersten Formel-1-Kilometer erst im vergangenen Jahr gesammelt hatte, schlug sich im Qualifying gut und verpasste den Q3-Einzug nur um 26 Tausendstel. Er durfte von Position 11 ins Rennen starten.

Bereits auf der Aufwärmrunde wurde es schwierig für Pierre Gasly, der Probleme mit dem Getriebe bekundete und beim Start ans Ende des Feldes zurückfiel. Sein Team rief ihn daraufhin an die Box. Am anderen Ende verteidigte Verstappen die Führung, während Charles Leclerc von Sergio Pérez unter Druck gesetzt wurde. Der Monegasse gab alles und schaffte es, die zweite Position vor dem Mexikaner zu verteidigen.

Weniger Glück hatte Fernando Alonso, der die vierte Position an Oscar Piastri verlor und daraufhin im McLaren-Sandwich unterwegs war. Neuling Bearman legte sich mit Tsunoda an und es kam zu einer Berührung, die aber ohne Folgen blieb. Der 18-jährige Brite blieb am Heck des Japaners, der die Nachricht bekam, dass er nach dem Rennen wegen der Szene in der Boxengasse vor dem Rennstart vor die Regelhüter treten musste.

Crash von Lance Stroll

Für Norris wurde der Abend nicht besser, denn die Wiederholung der Start-Aufnahmen zeigte, dass der Brite im McLaren wohl einen Frühstart hingelegt hatte. Dies meldete der aufmerksame George Russell auch über Funk an die Box.

Während sich Pérez in der vierten Rennrunde die zweite Position von Leclerc schnappte, meldete das Alpine-Team, dass Gasly das Rennen wegen eines Problems mit dem Getriebe aufgeben musste. Auch für Lance Stroll war das Rennen schnell gelaufen, denn der Kanadier flog in der sechsten Rennrunde nach der 22. Kurve ab. Der Aston Martin-Pilot meldete gleich, dass er unversehrt war, und die Rennleitung schickte das Safety-Car auf die Strecke.

Die meisten Piloten nutzten die Chance, um sich frische Reifen zu holen, einzig Norris, Hamilton, Hülkenberg und Zhou blieben auf der Bahn. Die Top-10-Reihenfolge nach den Stopps lautete deshalb: Norris, Verstappen, Hamilton, Pérez, Leclerc, Piastri, Alonso, Hülkenberg, Russell und Zhou. Dahinter waren Tsunoda, Bearman, Magnussen, Albon, Ocon, Bottas, Sargeant und Ricciardo.

Für Aufsehen sorgte eine Szene in der Boxengasse, bei der Pérez wieder losfuhr, als Alonso schon angebraust kam. «Ich wäre fast in den Red Bull gekracht», funkte der zweifache Champion, der auf der siebten Position unterwegs war. Die Regelhüter kündigten an, die Szene genauer anzuschauen, auch der Frühstart von Norris wurde von den Rennkommissaren notiert.

In der zehnten Rennrunde durften die GP-Stars wieder Gas geben und es dauerte nicht lange, bis Bearman an Tsunoda vorbeizog. Sehr viel schlechter lief es für Albon, der den vor ihm fahrenden Magnussen in der ersten Kurve angriff. Der Däne schlug zurück und rasierte dem Williams-Renner den Frontflügel ab. Später äusserte er am Funk die Vermutung, dass er sich beim Scharmützel einen Schaden am Unterboden zugezogen hatte. Die Regelhüter kündigten an, auch diese Szene zu untersuchen.

Zwei Strafen für Kevin Magnussen

Verstappen holte sich in Runde 13 die Führung zurück und sein Red Bull Racing-Teamkollege überholte Hamilton, womit er wieder auf der dritten Position unterwegs war. Allerdings kassierte er für die Szene mit Alonso eine 5-sec-Strafe, während Norris trotz des Zuckens beim Start straffrei ausging. Keine Gnade zeigten die Rennkommissare für Magnussen, der eine 10-sec-Strafe kassierte.

Hamilton musste sich in Runde 15 Leclerc beugen, schon zuvor hatte sich Bearman im zweiten Ferrari an Zhou vorbei wieder in die Top-10 zurückgekämpft. Auch Bottas im zweiten Sauber-Renner büsste eine Position ein, weil Sargeant am GP-Renner aus der Schweiz vorbeizog.

Auch in den folgenden Runden wurde es nicht langweilig, denn Piastri griff Hamilton auf Platz 5 an und geriet dabei neben die Bahn. Der Australier hatte Glück im Unglück und konnte gleich weiterfahren. Hamilton sah den Papaya-Renner des McLaren-Talents daraufhin schnell wieder im Rückspiegel grösser werden.

Pérez schnappte sich Position 2 von Norris in der 18. Runde und Bearman griff Hülkenberg an, musste sich vorerst aber geschlagen geben. In Runde 21 schaffte es der Debütant am Deutschen vorbei und war damit als Neunter unterwegs. Die Rennleitung meldete derweil eine weitere Untersuchung gegen Magnussen und Tsunoda, weil der Däne verdächtigt wurde, sich durch das Verlassen der Strecke einen Vorteil verschafft zu haben. Kurz darauf lag das Urteil vor und Magnussen durfte sich über eine weitere 10-sec-Strafe ärgern.

Lewis Hamilton unter Druck

Zur Halbzeit führte Verstappen das Rennen mit komfortablem Vorsprung auf seinen Teamkollegen Pérez an. Dahinter komplettierten Norris, Leclerc, Hamilton, Piastri, Alonso, Russell, Bearman und Hülkenberg die Top-10. Auf den weiteren Positionen folgten Zhou, Magnussen, Tsunoda, Ocon, Albon, Sargeant, Ricciardo und Bottas.

Magnussen gab alles, um die Fahrer hinter sich aufzuhalten, während Leclerc an Norris vorbeizog und damit wieder als Dritter unterwegs war. Piastri im zweiten McLaren biss sich am Heck von Hamilton die Zähne aus, liess sich aber nicht entmutigen. Weiter hinten griff Tsunoda Magnussen an und die beiden Streithähne duellierten sich, wobei Magnussen erfolgreich konterte und Tsunoda einen Platz an Ocon verlor. Der Japaner ärgerte sich am Funk über die Fahrweise des Haas-Piloten, der ihm beim Konter wenig Platz gelassen hatte.

Während Magnussen seinem Teamkollegen vorne Luft verschaffte, indem er seine Hintermänner weiter aufhielt, gab Albon nicht auf und kämpfte sich mit einem starken Manöver an Tsunoda vorbei auf die 14. Position. Hülkenberg bog kurz darauf an die Box ab und kam auf Position 11 wieder auf die Bahn. Damit war er auf gutem Weg, am Ende auf einem Punkteplatz zu landen.

Im Kampf um den 5 Platz griff Piastri Hamilton an und kam auch kurzfristig vorbei, musste die Position aber zurückgeben, weil er daraufhin die Strecke verliess. 15 Runden vor dem Fallen der Zielflagge lautete die Reihenfolge damit Verstappen, Pérez, Leclerc, Norris, Hamilton, Piastri, Alonso, Russell, Bearman, Zhou, Hülkenberg, Magnussen, Ocon, Albon, Tsunoda, Sargeant, Ricciardo und Bottas.

Hamilton befreite sich vom Druck des jungen McLaren-Stars, indem er in Runde 37 an die Box abbog, um sich frische weiche Reifen zu holen. Der Brite kam hinter dem Rookie im Ferrari auf Platz 9 zurück. Alonso, der auf Platz 6 unterwegs war, meldete einen Mauerkuss in Kurve 9, der aber ohne Folgen blieb. Eine Runde nach Hamilton absolvierte auch Norris seinen ersten Stopp und fiel damit auf Position 8 zurück. Damit war er zwischen seinen Landsleuten Bearman und Hamilton unterwegs.

Zhou war der Letzte, der die Box ansteuerte, der Chinese musste sich lange gedulden, bis er wieder weiterfahren durfte, deshalb fiel er hinter seinen Teamkollegen Bottas auf die 18. und damit letzte Position zurück. An der Spitze fuhr Verstappen ungefährdet seinem 56. GP-Sieg entgegen, während Bearman sich am Funk über seine Hintermänner informierte.

Vor Rennende kämpfte sich Albon an Ocon vorbei auf Position 12. An der Spitze änderte sich nichts mehr, Verstappen holte sich auch im zweiten Kräftemessen den Sieg vor seinem Teamkollegen Pérez. Es ist der 56. GP-Sieg seiner Karriere und der neunte Triumph in Folge. Der Niederländer durfte damit zum 100. Mal aufs Podest.

Leclerc, der am Ende die schnellste Runde drehte, komplettierte das Podest. Dahinter kamen Piastri, Alonso, Russell, Bearman, Norris, Hamilton und Hülkenberg auf den weiteren Top-10-Positionen über die Ziellinie. Albon, Magnussen, Ocon, Tsunoda, Sargeant, Ricciardo, Bottas und Zhou sahen die Zielflagge, gingen aber leer aus.

Saudi-Arabien-GP, Jeddah Corniche Circuit

01. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing, 1:20:43,273 h
02. Sergio Pérez (MEX), Red Bull Racing, +13,643 sec
03. Charles Leclerc (MC), Ferrari, +18,639
04. Oscar Piastri (AUS), McLaren, +32,007
05. Fernando Alonso (E), Aston Martin, +35,759
06. George Russell (GB), Mercedes, +39,936
07. Oliver Bearman (GB), Ferrari, +42,679
08. Lando Norris (GB), McLaren, +45,708 sec
09. Lewis Hamilton (GB), Mercedes, +47,391 sec
10. Nico Hülkenberg (D), Haas, +1:16,996
11. Alex Albon (T), Williams, +1:28,354
12. Kevin Magnussen (DK), Haas, +1:45,737
13. Esteban Ocon (F), Alpine, +1 Runde
14. Yuki Tsunoda (J), Racing Bulls, +1
15. Logan Sargeant (USA), Williams, +1
16. Daniel Ricciardo (AUS), Racing Bulls, +1
17. Valtteri Bottas (FIN), Sauber, +1
18. Guanyu Zhou (RCH), Sauber, +1
Out
Lance Stroll (CDN), Aston Martin, Unfall
Pierre Gasly (F), Alpine, Getriebe

WM-Stand (nach 2 von 24 Grands Prix)

Fahrer
01. Verstappen 51 Punkte
02. Pérez 36
03. Leclerc 28
04. Russell 18
05. Piastri 16
06. Sainz 15
07. Alonso 12
08. Norris 12
09. Hamilton 8
10. Bearman 6
11. Hülkenberg 1
12. Stroll 1
13. Albon 0
14. Zhou 0
15. Magnussen 0
16. Ricciardo 0
17. Ocon 0
18. Tsunoda 0
19. Sargeant 0
20. Bottas 0
21. Gasly 0

Konstrukteurspokal
01. Red Bull Racing 87 Punkte
02. Ferrari 49
03. McLaren 28
04. Mercedes 26
05. Aston Martin 13
06. Haas 1
07. Williams 0
08. Sauber 0
09. Racing Bulls 0
10. Alpine 0

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