Ferrari: Marco Mattiacci schweigt, klug oder töricht?

Von Mathias Brunner
Formel 1
Pressekonferenz in Spanien: Montezemolo (rechts) redet, Mattiacci schweigt

Pressekonferenz in Spanien: Montezemolo (rechts) redet, Mattiacci schweigt

Seit gut einem Monat ist Marco Mattiacci Rennchef von Ferrari, als Nachfolger von Stefano Domenicali. Als besonders mitteilsam würden wir ihn nicht bezeichnen.

Die Pressekonferenz von Ferrari-Chef Luca Montezemolo in Spanien war skurril. Einmal abgesehen von den üblichen Durchhalteparolen des 66jährigen Bolognesers: neben ihm sass Marco Mattiacci – und schwieg.

So wie er das meistens tut. Abgesehen von der Pressekonferenz in China, nachdem der frühere Chef von Ferrari-Nordamerika als neuer Rennleiter seine Arbeit aufgenommen hatte, abgesehen von einer kurzen Wortmeldung auf der Ferrari-Homepage – Schweigen.

Es ist bezeichnend für die Situation von Ferrari, dass in China vorrangig zu reden gab, wieso der Neue seine Sonnenbrille kaum absetzen wollte.

Damals kündigte der Römer an, er wolle sich die Situation im Rennstall in Ruhe angucken und dann entsprechend die Weichen stellen. Nicht nur spanische Medienvertreter fragten sich am Barcelona-GP-Wochenende: Wie lange will Mattiacci eigentlich noch untätig wirken?

Leo Turrini ist jener italienischen Journalist, der bei Ferrari das Gras wachsen hört. Er war es auch, der schon wusste, das Domenicali gehen muss, als der grösste Teil der Ferrari-Belegschaft davon keinen Schimmer hatte.

Zum Schweigen von Marco Mattiacci sagt Leo Turrini: «Natürlich mag es korrekt sein, dass bei Ferrari Taten statt Worte gefragt sind. Aber es entspricht einer langen Tradition, dass am Abend nach dem Rennen der Rennleiter die Stimme erhebt und etwas übers Tagesgeschehen sagt. Das war beim kleinen Cäsar Fiorio so, das tat Jean Todt, das machte auch Stefano Domenicali. Nur Mattiacci, er schweigt.»

«Es gibt nun mehrere Hypothesen: Als intelligenter Mann hat sich Mattiacci dazu entschlossen, eine Materie zu verinnerlichen, die ihm neu und fremd ist. Schweigen ist in einer solchen Situation keine Option, sondern eine Notwendigkeit. Oder er schweigt, weil er beim Reden zwangsläufig unangenehme Wahrheiten ansprechen müsste. Oder er zielt auf den Effekt, dass seine Worte, wenn er das Schweigen denn mal brechen sollte, wie Donner wirken werden.»

«Wie dem auch immer sei – ein wenig Offenheit könnte in der heutigen Situation gewiss nicht schaden. Ganz besonders dann nicht, wenn am Sonntagabend die Renntaktik viel zu reden gibt, etwa mit der seltsamen Entscheidung, den besser platzierten Piloten nicht als Erster zum Boxenstopp hereinzuholen.»

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