Flavio Briatore: «Max Verstappen? Ein Segen für uns»

Von Mathias Brunner
Formel 1
Flavio Briatore in Monza

Flavio Briatore in Monza

​Flavio Briatore, Weltmeistermacher von Michael Schumacher bei Benetton und von Fernando Alonso bei Renault, macht sich Sorgen über die Formel 1. «Zum Glück gibt es Max Verstappen.»

1994 und 1995 bei Benetton sowie 2005 und 2006 bei Renault hat Flavio Briatore die Ausnahmekönner Michael Schumacher und Fernando Alonso zu WM-Titeln geführt. Seit der heute 66-Jährige nach dem Skandal-GP von Singapur 2008 den Posten des Renault-Teamchefs räumen musste, ist er nur noch selten in der Formel 1 zu sehen. Meist in Monte Carlo oder Monza.

Den Kontakt zum Sport hat Briatore nie verloren. Er beobachtet genau, was vor sich geht und kommentiert regelmässig und scharfzüngig, was ihm missfällt. Und das ist so einiges.

«Wo bewegt sich die Formel 1 eigentlich hin? Ich habe es noch nicht begriffen», sagt er in einer Journalistenrunde in Monza, darunter unser Kollege Franco Nugnes von motorsport.com. «Ich finde, der Sport macht sich selber das Leben schwer. Wir müssen zurück zum Kern, wir müssen die Rennen betonen. Es gibt viel zu viele Regeln, zu viele Umfahrungen, wenn ihr so wollt. Die Fans sind verwirrt. Schaut euch doch an, wie viele Fans hier ausserhalb des Fahrerlagers auf die Fahrer warten. Früher waren es Tausende. Nun sind es Hunderte. Und dann kommen 2017 wieder neue Regeln auf uns zu. Das sind mir einfach zu viele Veränderungen.»

«Was ich mir wünschen würde: Fahrer, die sich in den Rennen auf weniger Technik verlassen müssen. Wir brauchen nicht mehr Technik, wir brauchen eine bessere Show.»

Dazu kann Max Verstappen beitragen, für Flavio Briatore ein Glücksfall: «Max Verstappen ist ein Segen für die Formel 1, er hat alle Anlagen zu einem Star. Ich habe jahrelang keine solche Persönlichkeit mehr erlebt. Ein junger Fahrer, der sich seinen Platz schafft.»

Wo steht Flavio bei der Überholdiskussion? «Ganz einfach – wer hinten ist, der muss halt Mittel und Wege am Vordermann vorbei finden. Und jener Pilot, der vorn liegt, muss alles versuchen, nicht überholt zu werden. Den ganzen Rest brauchen wir nicht: Wer eine weisse Linie überfährt, wird bestraft. Wer mehr Motorteile erhält, wird bestraft. Wieso zieht man nicht dem betreffenden Hersteller WM-Punkte ab? Wieso muss Hamilton darunter leiden, wenn er einen neuen Motor erhält?»

«Wenn schon ihr Journalisten die ganzen Strafversetzungen um Gott weiss wie viele Plätze nicht versteht, wie sollen es dann die Fans begreifen? Die ganzen Regeln und Strafen, das ist für mich Bürokratie, nicht Rennsport.»

«Heute jagen sich die Sitzungen, aber bei den ganzen Besprechungen, so scheint mir, wird nur entschieden, wann die nächste Sitzung stattfindet. Bei diesen Sitzungen werden sich die Beteiligten ja nicht mal über die Mineralwassermarke einig, die auf dem Tisch stehen sollte, geschweige denn über eine gescheite Richtung für den Sport. Was haben denn die Strategiegruppe und die Formel-1-Kommission wirklich hervorgebracht? Vor allem Verwirrung. Wundern sollte das keinen – du kannst eben nicht zwanzig Leute gleichzeitig glücklich machen. Wir brauchen klare Regeln, die schwarz und weiss sind, nicht grau. Und das ist auch der Grund, wieso ich keine Rolle mehr in der Formel 1 anstrebe – früher hat der Sport Spass gemacht. Heute unterhält er mich nicht mehr.»

«Formel 1, das sollte für mich sein: Die besten Piloten der Welt balgen sich in möglichst gleichwertigen Autos. Alles andere ist den Fans egal. Unlängst habe ich mich mit dem Direktor des Hotels Principe di Savoia von Mailand unterhalten. Er sprach von einer Auslastung von 60 Prozent zum Grand Prix hin. Früher hatte er eine Warteliste, so viele wollten bei ihm wohnen.»

«Formel 1, das war zu meiner Zeit Glamour. Schaut euch doch jetzt und hier mal um. Was seht ihr denn? Zu 90 Prozent Herren über sechzig. Soll das vielleicht Glamour sein? Jedes Jahr werden alle nur älter und blöder. Heute als Aussenstehender fällt mir das viel stärker auf. Aber keiner unternimmt etwas.»

Zu seinem früheren Renault-Rennstall aus Enstone, hier in Monza mit einem Auto in der letzten Startreihe, meint Briatore: «Im Sport hat jeder die Ergebnisse, die er verdient. Wer Renault kritisiert, vergisst aber auch, dass sie noch vor wenigen Jahren Serien-Weltmeister waren. Das Werks-Team steht nur deshalb so weit hinten, weil die Rückkehr schlecht geplant wurde. Die Motorenleute machen keine üble Arbeit, schaut euch doch die Ergebnisse von Red Bull Racing an.»

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