Gras- und Sandbahnrennen: Absagen sind keine Option

Von Rudi Hagen
Grasbahn
Viele Clubs stellen sich die Frage, welche Veranstaltungen sie für diese Saison planen sollen. Oder ob es nicht sinnvoller wäre, noch ein Jahr zu pausieren. Möglichkeiten ein Rennen zu organisieren gibt es aber.

Droht ein weiteres Corona-Jahr mit vielen Rennabsagen? Nach den Terminen für die FIM-Prädikate wurden jetzt auch die Meisterschaftsläufe im Bereich des DMSB veröffentlicht. Ob sie wirklich zur Durchführung kommen? Niemand weiß es.

Was ist aber mit den offenen Gras- und Sandbahnrennen? Jetzt ist die Zeit der Veranstalter-Tagungen für die NBM und die SBM. Man darf gespannt sein, ob die Clubs wie in «normalen Zeiten» ihre Rennen terminieren und wie viele Energien sie dann tatsächlich in die Umsetzung stecken. Oder ob sie schon im Vorhinein nicht planen für die Saison 2021, weil die Pandemie zu viele Unwägbarkeiten aufweist und sie auf bessere Zeiten in den kommenden Jahren hoffen?

Was bedeutet das für den Bahnsport und was ist zu tun?

Die Clubs müssen planen und Renntermine festlegen.

Ohne Rennen kommt es auf Dauer zum Erliegen das Vereinslebens, denn es werden, wenn nichts los ist im Club, immer mehr Mitgliederkündigungen zu verzeichnen sein und auch die Zahl der Helfer, die sonst immer zur Verfügung standen, wird nach und nach wegbrechen. Letztlich werden die Vereine auf Dauer ihre Kosten nicht decken können, schon gar nicht, wenn Rennen ohne Zuschauerbeteiligung stattfinden müssten. Das geht gar nicht, es sei denn, ein Club bekommt das Fernsehen an die Bahn oder man hat so potente Sponsoren, dass Publikum nicht nötig ist. Was wohl eher unwahrscheinlich ist. Und: Wenn keine Rennen gefahren werden, wird es nach und nach auch immer weniger Fahrer geben, die noch Lust haben auf Anschaffung oder Wartung und Pflege des teuren Materials. Und was ist mit dem Nachwuchs? Wer denkt an den?

Nein, Absage von Rennen sind keine nachhaltige Option.

Ein ausgefeiltes Hygienekonzept ist das Kernstück.

Wenn man die Behörden in den Landkreisen und kreisfreien Städten in Pandemie-Zeiten davon überzeugen will, dass sie ein Gras- oder Sandbahnrennen genehmigen sollen, müssen sehr große Anstrengungen unternommen werden. Viel Arbeit, Zeit, Tatkraft und Hingabe wird nötig sein, um die Voraussetzungen für solch eine Veranstaltung zu schaffen. Über allem muss aber die Gesundheit aller Beteiligten stehen.

Rat holen bei anderen Veranstaltern und Clubs.

Es ist immer ratsam über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen, das war vor Corona genau so wahr, wie es mit oder nach der Pandemie sein wird. Thomas Schiffner vom MSC Neuenhasslau ist so jemand, den man gerne fragen kann und der dazu auch einiges zu sagen hat. Anfang Oktober 2020 führte der Hesse mit seinem Team Deutschlands einziges Grasbahnrennen der Saison erfolgreich mit genehmigten 800 Zuschauern durch. «Das Hygienekonzept war das A und O», so Schiffner, «letztlich umfasste es 20 Seiten plus zehn Seiten Anhänge, nach mehreren Anläufen wurde es dann vom Landkreis Offenbach genehmigt.» Die Zuschauer wurden auf markierten Flächen untergebracht, Abstände mussten exakt eingehalten werden. Die Karten mussten im Vorfeld im Internet online erworben werden, wobei gleichzeitig eine Registrierung der Personen stattfand. Schiffner: «Aber ein sehr gutes Hygienekonzept muss dann auch entsprechend umgesetzt werden, das Ordnungsamt ist bei solchen Gelegenheiten vor Ort und beobachtet das Ganze.» Daher setzte der MSC Neuenhasslau auf eine professionelle Security, die zwar eine ganze Menge kostete, aber auch für rechtliche Sicherheit sorgte. «Wenn das nicht läuft, kann das Ordnungsamt die ganze Veranstaltung auch schon mal direkt vorher oder mittendrin absagen, dann kann der Club unter Umständen mit einer saftigen Strafe rechnen», mahnt Schiffner.

Platz auf den Rängen ist meistens genug vorhanden.

Auf den meisten Gras- und Sandbahnen ist genügend Platz für Zuschauer mit entsprechendem Abstand vorhanden. Bei vielen Rennen ist jedoch auf den Rängen viel Platz ungenutzt, sieht man mal von den «Vatertagskrachern» in Herxheim und Lüdinghausen ab. Denkt man aber beispielsweise an die Nahner Waldbahn in Osnabrück, den Niedersachsenring in Schwarme oder auch die Sandbahn in Pfarrkirchen, um nur einige zu nennen, blieben zumindest die Gegengeraden fast oder gänzlich menschenleer. Diese freien Flächen gilt es zur Erfüllung von Abstandsregeln im Sinne der Hygienemaßnahmen aufzuteilen, um dort Zuschauer unterzubringen.

Veranstalter können Helfer über die sozialen Medien suchen.

Warum sollen sich die Clubs nicht über das Internet um Hilfe bemühen? Thomas Schiffner: «Wir vom MSC Neuenhasslau haben vor dem Rennen über Facebook einen Hilferuf gesendet, denn nur ein Viertel der benötigten Helfer kam aus dem eigenen Verein. Und siehe da, aus ganz Deutschland haben sich gleich Leute gemeldet, die mithelfen wollten.»

Die Verbände müssen endlich ihre Gebühren senken.

In Zeiten der Not müssen alle Beteiligten zusammenhalten und auch einmal finanzielle Abstriche machen. Die Clubs sind die Gebeutelten, den Gürtel noch enger zu schnallen als bisher, ist fast nicht möglich. Sie tun es aber trotzdem tapfer, denn sie sind es, die den Sport hoch halten. Aber wie sieht es eigentlich mit den übergeordneten Verbänden aus? Die FIM und vor allem der DMSB sind hier eindeutig in der Pflicht. Die berechtigte Forderung der Clubs kann da eigentlich nur heißen: runter mit den Gebühren für Rennen und auch Fahrerlizenzen. Denn nur gemeinsam kann es weitergehen.

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