Don Nichols (Shadow): Ein Leben wie ein Krimi

Von Mathias Brunner
Don Nichols hat eine der charismatischsten Formel-1-Marken erzeugt – Shadow. Entsprechend dem Namen Schatten verlief das Leben des US-Amerikaners geheimnisumwölkt und spannend wie ein Krimi.

Vor knapp vier Jahren verlor die Motorsportgemeinde einen Mann voller Geheimnisse und Widersprüche: Don Nichols schloss am 21. August 2017 im Alter von 92 Jahren für immer die Augen. Der Kriegs-Veteren und umstrittene Unternehmer aus dem mittleren Westen der USA gründete eine der beliebtesten Formel-1-Marken – Shadow.

Don Nichols’ Leben war wie ein Kriminalroman: Vor seiner Laufbahn im Motorsport war Nichols Geheimdienstoffizier in der US Army, diente im zweiten Weltkrieg und im Korea-Krieg. Nachdem er sich in Japan niedergelassen hatte, handelte er dort mit Goodyear- und Firestone-Reifen. Daneben war er in den Bau des Fuji Speedway involviert. Er knüpfte Kontakte, die ihm später sehr nützlich sein würden.

1968 kehrte Nichols in die USA zurück, drei Jahre später gründete er die Firma «Advanced Vehicle Systems» und das Team «Shadow Racing Cars». Sein erstes Auto war ein Can-Am-Rennwagen, mit dem Logo des Mannes im Mantel, auch dank dieses unvergleichlichen Symbols bleibt Nichols vielen Motorsport-Fans in Erinnerung.

1973 feierte das Team sein Debüt in der Formel 1, mit einem bildschönen, von Tony Southgate konstruierten Boliden, dem Shadow DN1. Jackie Oliver und George Follmer fuhren für Nichols. Der einzige Formel-1-Sieg gelang Shadow 1977 beim GP in Österreich, durch Alan Jones. Was aber weitaus nachhaltiger in der Geschichte der Königsklasse hängen bleibt, sind zwei Todesfälle. 1974 starb Peter Revson bei Testfahrten im südafrikanischen Kyalami mit einem Shadow DN3, 1977 verlor Tom Pryce sein Leben auf der gleichen Rennstrecke – der Waliser galt als kommender GP-Sieger.

In der Folgezeit verliessen einige Schlüsselfiguren wie Southgate oder Jackie Oliver das Team und gründeten Arrows. Shadow geriet in den freien Fall, die Sponsorensuche gestaltete sich zunehmend schwierig. 1980 übernahm schließlich Theodore Racing den strauchelnden Rennstall, Nichols zog sich aus dem Motorsport zurück und verschwand scheinbar von der Bildfläche.

Der US-amerikanische Journalist und Buch-Autor Pete Lyons konnte Nichols davon überzeugen, seine spannende Geschichte zu erzählen. Im Herbst seines Lebens war Nichols endlich dazu bereit, viele Geheimnisse zu lüften, wenn auch nicht alle.

Lyons hat aus zahlreichen Interviews mit Don Nichols und Wegbegleitern wie Oliver, Follmer und den Rennwagen-Designern Trevor Harris und Tony Southgate ein atemberaubendes Buch geschrieben, das mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden ist.

Das Buch widmet sich drei Schwerpunkten: Dem unfassbaren Leben eines Mannes, der sich gerne mit Rätseln umgab; dem Engagement in der CanAm-Serie, mit einem der aufregendsten Rennwagen aller Zeiten, dem ultraflachen Mk 1; der dritte Teil schliesslich widmet sich der Formel 1.

Don Nichols hat Lyons Zugang zu seinem Lagerhaus gestattet, in welchem die ganzen Schätze der Shadow-Legende liegen. Mit zahllosen Fakten und Anekdoten kristallisiert sich das Bild eines höchst widersprüchlichen Charakters heraus, der polarisierte – die einen Wegbegleiter liebten ihn und waren ihm unverrückbar loyal verbunden, Andere waren froh, wenn Nichols seiner Wege ging.

In meiner Rennsport-Bibliothek stehen rund 2000 Werke. «Shadow – The magnificent machines of a man of mystery» von Pete Lyons ist rundweg eines der besten Motorsportbücher, das ich je gelesen habe, packend geschrieben und üppig bebildert. Ich kann es in jeder Hinsicht empfehlen.

Das Wichtigste in Kürze

Pete Lyons: Shadow – The magnificent machines of a man of mystery
Von EVRO Publishing
ISBN: 978-1-910505-49-6
464 Seiten, 600 Fotos
Format 28 x 23,5 cm
Text in englischer Sprache
Für rund 90 Euro im Fachhandel oder direkt bei Evro Publishing


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