Joe Roberts zu Italtrans – American Racing mit Sorgen

Von Günther Wiesinger
Moto2

In der Moto2-Kategorie wird fast jeden Tag ein Teamwechel bekannt. Das Team American Racing von Eitan Butpul scheint Geldsorgen zu haben und verliert den WM-Zehnten Joe Roberts.

Der Amerikaner Eitan Butpul hat vor zwei Jahren das mit ca. 2,5 Millionen Euro verschuldete CGBM-Moto2-Team des Schweizers Fred Corminboeuf übernommen, einen Teil der Schulden beglichen und es auf American Racing umgetauft. Ein Ziel sollte sein, amerikanische Talente in den GP-Sport zu bringen. Am liebsten wäre Butpul gleich ein Jahr später mit seinem Rennstall in die MotoGP-Klasse aufgestiegen – es blieb ein amerikanischer Traum. Immerhin warb Butpul seiner Rennfirma «APEX» schon 2018 bescheiden auf der LCR-Honda von Takaaki Nakagami.

Der 23-jährige Kalifornier Joe Roberts mauserte sich zwar im American Team zu einem Moto2-Spitzenfahrer. Er sorgte gestern in Le Mans mit seiner dritten Pole-Position für Aufsehen, aber gleichzeitig wurde sein Wechsel zum italienischen Italtrans-Team bekannt, das Ersatz für Enea Bastianini sucht, der 2021 bei Avintia Ducati in der MotoGP fährt.

Wie der undurchsichtige Teambesitzer Butpul seinen Moto2-Rennstall finanziert, ist rätselhaft. Beim Katar-GP im März warb er mit dem N-Logo des österreichischen Glücksspielkonzerns Novomatic (Jahresumsatz 2,5 Milliarden Euro) auf dem Motorrad. Aber aus dem erwarteten Hauptsponsor-Deal wurde offenbar nichts. Heute ist von Novomatic nichts mehr zu sehen.

Das Unternehmen ist in Österreich in einen politischen Skandal («Ibiza-Affäre») verwickelt, der im Mai 2019 zum Sturz der ÖVP-FPÖ-Regierung führte. Dem Novomatic-Management wird vorgeworfen, mit Zuschüssen an parteinahe Organisationen auf Änderungen der rot-weiß-roten Glückspielgesetze Einfluss genommen zu haben. Die Einzelheiten werden gerade in einem Untersuchungsausschuss geklärt.

American Racing und APEX haben sich die Förderung amerikanischer Talente auf die Fahnen geschrieben. Jetzt läuft ausgerechnet der einzige US-GP-Fahrer zur Konkurrenz über, obwohl Butpul die Karriere von Roberts von Anfang an unterstützt hat.

Doch es blieb oft verbrannte Erde zurück. Beim niederländischen RW Racing Team musste mutmasslich am Ende die Familie Roberts einen Teil der von Butpul versprochenen Mitgift bezahlen, ist aus den Niederlanden zu hören.

Von Novomatic ist auf den Bikes nichts mehr zu sehen. Dafür wirbt das US-Team für Hertz, aber dessen US-Ableger ist durch die Covid-19-Seuche in finanzielle Bedrängnis geraten.

Unter dem umfangreichen Schriftzug «American Racing» findet sich auf der Kalex von Joe Roberts noch das Logo von «Tennor». Das ist die Firma des schillernden deutschen Unternehmers Lars Windhorst, der schon als Teenager Firmen gründete und als Wunderkind und «deutscher Bill Gates» bezeichnet wurde. Im Jahr 2000 gründete er mit 24 Jahren die «Windhorst New Technologies AG», die den Fokus auf Investments der Sektoren der «New Technology» legte. 2002 kam das Unternehmen an die Frankfurter Börse, aber 2003 musste es wegen der Dot.com-Blase Bankrott anmelden.

Windhorst agierte dann als Mitbegründer der Sapinda Group, aus der 2009 die Sapinda Holding BV entstand. 2009 machte Windhorst kurz vor Weihnachten in Kasachstan mit einem Flugzeugabsturz Schlagzeilen, als die private Bombardier Challenger 604 unmittelbar nach mit dem Start in eine Mauer krachte und explodierte.

Der inzwischen steinreiche Windhorst erklärte später in einem SPIEGEL-Interview, sein Unternehmen Sapinda habe allein zwischen 2009 und 2012 rund 3,5 Milliarden an Investments getätigt, darunter befanden sich Firmen wie Air Berlin und Infineon. Auch mit Öl und anderen Rohstoffen werden Geschäfte gemacht, dazu wurde 2018 die Nobelwäschemarke La Perla gekauft. Die Sapinda wurde im Mai 2019 auf Tennor (Tennor Holding B.V.) umbenannt.

Aber Tennor tritt beim US-Team nicht sehr prominent in Erscheinung. Doch ein Moto2-Rennstall mit zwei Piloten kostet zwischen 2,5 bis 3 Millionen Euro im Jahr. Offenbar existieren beim American Team weiter Budgetprobleme. Denn in Frankreich ist zu hören, man werde einen der beiden Moto2-Plätze (neben Roberts fährt noch Marcos Ramirez) für 2021 an Esponsorama Avintia abtreten.

Esponsorama-Teambesitzer Raúl Romero war 2015 mit seinem Blusens-Team aus der Moto2-Klasse ausgestiegen, um sich ganz auf die MotoGP-Klasse zu konzentrieren. Aber da er seine beiden MotoGP-Plätze voraussichtlich spätestens nach der Saison 2021 abgeben wird, zum Beispiel an Rossis VR46-Team oder an Leopard Racing, ist die Rückkehr in die Mittelgewichtsklasse geplant. In der Moto3-WM setzt Avintia 2020 den Spanier Carlos Tatay ein.

Le Mans, Moto2, Qualifying

1. Joe Roberts, Kalex, 1:36,256 min
2. Sam Lowes, Kalex, + 0,087 sec
3. Remy Gardner, Kalex, + 0,193
4. Jorge Martin, Kalex, + 0,266
5. Marco Bezzecchi, Kalex, + 0,321
6. Luca Marini, Kalex, + 0,412
7. Xavi Vierge, Kalex, + ,481
8. Jake Dixon, Kalex, + 0,570
9. Enea Bastianini, Kalex, + 0584
10. Stefano Manzi, MV Agusta, + 0,621
11. Fabio Di Giannantonio, Speed Up, + 0,623
12. Aron Canet, Speed Up, + 0,625
13. Simone Corsi, MV Agusta, + 0,674
14. Thomas Lüthi, Kalex, + 0,691
15. Augusto Fernandez, Kalex, + 0,758
16. Hector Garzo, Kalex, + 1,021
17. Marcos Ramirez, Kalex, + 1,079
18. Jorge Navarro, Speed Up, + 1,300
19. Marcel Schrötter, Kalex

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