Pol Espargaró (KTM): «Arme und Beine nicht gespürt»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Pol Espargaró: Platz 3 auf der KTM im Regen von Valencia

Pol Espargaró: Platz 3 auf der KTM im Regen von Valencia

Red Bull KTM-Werkspilot Pol Espargaró erlebte eine sturzreiche Saison mit drei schweren Verletzungen. Erstmals spricht er offen über den heftigen Brünn-Crash. «Ich spürte 20 Sekunden lang Arme und Beine nicht mehr.»

Pol Espargaró entschädigte das Red Bull KTM Factory Team beim Valencia-GP mit dem dritten Platz für einige mühselige Wochen, die auch damit zu tun hatten, dass sich nach Mika Kallio (Knie im FP2 in Sachsen demoliert) während der Saison auch der spanische Draufgänger zweimal verletzte: Im Warm-up in Brünn und danach im FP3 in Aragón. Dazu hatte der Moto2-Weltmeister von 2013 schon im Januar beim Sepang-Test (nach Platz 4 zu Mittag des zweiten Tages) einen heftigen Crash fabriziert, weshalb er sogar auf den Buriram-Test verzichten musste und beim Katar-Test im März noch nicht wirklich fit war.

Durch den Rennsturz auf dem Sachsenring riss außerdem eine beachtliche Serie: Pol Espargaró hatte von Assen 2017 bis Assen 2018 bei 15 Grand Prix immerhin 15 Mal gepunktet; er war jeweils auf den Rängen 7 bis 13 gelandet. Und während Espargaró 2017 für KTM schon zwei neunte Plätze eroberte, schaffte er 2018 keinen Top-Ten-Platz – bis zum großartigen 3. Platz in Valencia.

Im Exklusiv-Interview mit SPEEDWEEK.com blickt der KTM-Werkspilot auf eine kräfteraubende zweite Saison mit den Team Orange aus Munderfing zurück.

Pol, du hast deine Erwartungen für 2018 gehörig zurückschrauben müssen. Im November 2017 hast du angekündigt, du möchtest 2018 unter die Top-6 fahren. Im vergangenen März war dein Plan, die Top-6 zu erreichen. Was ist alles schief gelaufen?

(Er lacht herzlich). Ja, die Top-5 oder Top-6, das war das Ziel. Ich musste während der Saison manchmal daran denken.

Teammanager Mike Leitner sagte vor der Saison: «Zuerst müssen wir einmal die zwei neunten Plätze von Pol von 2017 verbessern.» Es ging dann in Sepang großartig los. Hast du dir dann manchmal zu viel Druck gemacht? Es ging ja auch um einen neuen Vertrag. Außerdem war Bradley Smith oft zu langsam, du hast die KTM-Hoffnungen meist allein getragen.

Zu viel Druck, nein… Wir haben das Motorrad stark verbessert. Das Problem war, dass alle anderen auch schneller geworden sind. Und bei vielen Rennen war unser Rückstand auf den Sieger größer als erwartet.

Bei manchen Grand Prix haben wir den Rückstand in diesem Jahr um mehr als 15 Sekunden verbessert. Das ist enorm. Aber es hat nicht ausgereicht.

Wir dachten im Winter, unsere Verbesserungen würden uns weiter nach vorne bringen, von den Ergebnissen her. Aber das Aufholen war schwieriger als erwartet.

Wir müssen uns weiter steigern. Unsere Entwicklungsarbeit ist noch nicht vorbei.

Wir können es immer noch schaffen.

KTM-Motorsport-Direktor Pit Beirer hat im September nach deinem schweren Sturz im FP3 in Aragón gesagt: «Bei Pol sind die Konzentrationsphasen zu kurz. Seine Trainingsstürze passieren immer nach langsamen Runden.»

Hm. Pit hat darüber nie mit mir gesprochen.

Die erwähnten Stürze sind sicher nicht passiert, weil die Reifentemperatur nicht hoch genug war. In Brünn war es in der letzten Runde im Warm-up, ich habe wirklich gepusht, auch in der Runde vorher bin ich eine schnelle Zeit gefahren. Ich erinnere mich, dass ich in Kurve 3 gepusht habe, die Reifen waren also warm genug, außerdem hatten wir sie am Samstag schon gebraucht.

Ich war hinter Iannone, und ich bin schnell unterwegs gewesen. Und manchmal stürzt du, wenn du am Limit unterwegs bist.
Ich habe auch beim Crash in Aragón gepusht. Das ist in Turn 4 passiert, die Reifen waren sicher warm genug. Daran lag es nicht.

Pol, dein Sturz in Brünn hat fürchterlich ausgesehen. Randy Mamola fühlte sich an den Misano-Crash 1993 von Wayne Rainey erinnert. Es sah schlimm aus. Was ging durch deinen Kopf, als du zuerst Arme und Beine nicht mehr bewegen konntest?

Ja, das war schlimm. Es hat schätzungsweise 30 Sekunden gedauert, bis ich zuerst etwas an den Füßen gespürt habe. Und noch weitere 15 Sekunden, bis ich die Arme und Hände wieder bewegen konnte. Das war eine sehr schwierige Situation.

Dein Kopf hat sich tief und mit voller Wucht in den Kies reingebohrt.

Genau, genau. Mein Kopf war tief vergraben… Und ich glaube, es hat meinen Körper verdreht, während mein Kopf im Kiesbett steckte.

Ich spürte lange Zeit Nachwirkungen von diesem Sturz. Auch im Herbst noch.

Im Kopf?

Nein, im Rücken. Es wird einige Zeit dauern, bis diese Probleme endgültig verschwinden. Der Arzt sagte mir, ich hätte Riesenglück gehabt.

Er ließ auch durchblicken, dass mir mein junges Alter und die sehr starke Muskulatur sehr geholfen haben. Wenn ich zehn Jahre älter gewesen wäre, ich weiß nicht, was passiert wäre…

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