Andrea Dovizioso (Ducati): «Nicht nur Marc und ich»

Von Nora Lantschner
MotoGP
Beim Österreich-GP hatte Andrea Dovizioso gegen Marc Márquez knapp die Nase vorne, in der MotoGP-WM sah es anders aus

Beim Österreich-GP hatte Andrea Dovizioso gegen Marc Márquez knapp die Nase vorne, in der MotoGP-WM sah es anders aus

«Marc Márquez ist der, den es zu schlagen gilt», weiß auch Ducati-Hoffnungsträger Andrea Dovizioso. Vor der MotoGP-Saison 2020 mahnt er aber auch: «Fünf oder sechs Fahrer können die WM gewinnen.»

2019 musste sich Andrea Dovizioso zum dritten Mal in Folge mit dem ungeliebten Titel des Vizeweltmeisters zufriedengeben – gegen einen Marc Márquez (Honda) in Bestform halfen dem 33-jährigen Italiener auch der dicke «Mission Winnow»-Schriftzug und eine persönliche Bestmarke von 269 WM-Punkten nicht. Nach 19 Grand Prix betrug der Rückstand auf den Weltmeister stattliche 151 Punkte. 2020 nimmt «Dovi» in seinem achten Ducati-Jahr einen neuen Anlauf.

«Wenn wir die Situation objektiv betrachten, haben wir einen Marc, der mit 151 Punkten Vorsprung gewonnen hat. Wir müssen also alle ihn schlagen. Meiner Meinung nach ist es aber nicht exakt so. Oder besser: Marc ist der Mann, den es zu schlagen gilt, aber jede Saison hat eine andere Geschichte», fasste der Ducati-Hoffnungsträger zusammen. «Die Reifen sind anders, alle versuchen zu entwickeln, ich glaube auch, dass die Verkleidung – vielleicht bei allen – anders sein wird. Es gibt Veränderungen, die sich auf den Speed auswirken werden und darauf, wie man an das Wochenende und das Rennen herangeht. Es gibt viele Fragezeichen für alle. Keiner kann in diesem Moment die unterschiedlichen Dynamiken kennen.»

«Auch im Test kann man auf eine bestimmte Art arbeiten, aber wie sich der Reifen dann in Katar im Rennen verhält, kann man nicht wissen. Damit will ich sagen: Wir müssen uns darauf konzentrieren, das richtige Material auszuwählen, Schritt für Schritt an den Details arbeiten, um so gut aufgestellt, wie wir es eben können, zum ersten Rennen zu kommen. Den ganzen Rest – wie wir versuchen können, die WM zu gewinnen anstatt Zweiter zu werden, das werden wir – hoffentlich – während der Saison herausfinden. Wir sind aber noch sehr weit davon weg, daran zu denken», betonte der 23-fache GP-Sieger. Davon feierte er übrigens 14 Erfolge in der Königsklasse und 13 auf der Desmosedici – aber nur deren zwei in der Saison 2019.

«Im Vorjahr hatten wir nicht den Speed, um mit Marc zu kämpfen. Marc war in fast allen Rennen schneller als alle anderen. Wenn du in einer solchen Situation bist, dann ist die Frage nicht, was macht man. In so einer Situation ist er zu weit weg», weiß der 33-jährige Italiener, der im Hinblick auf die Saison 2020 auch vor anderen Gegnern mahnt. «Die Basis ist, dass wir besser sein müssen. Dann geht es darum, die ganzen Dynamiken besser zu managen. Dazu kommt, dass ich andere Gegner erwarte, die stärker als im Vorjahr sein werden. Ab der Saisonmitte 2019 waren die Yamaha-Piloten unglaublich stark. Oder besser: Maverick [Viñales] und Quartararo waren wirklich stark. Ich erwarte deshalb, dass sie auch schon vom Kopf her anders in die Saison starten. Sie sind überzeugter, vielleicht haben sie sich auch verbessert. Es geht also nicht nur um mich und Marc. Es gibt auch andere, was sich stark auf den Verlauf der Weltmeisterschaft auswirken wird. Jetzt daran zu denken, wie man Marc schlagen kann, wäre aus meiner Sicht falsch.»

«Es ist in diesem Moment unmöglich zu wissen, wie sich die Weltmeisterschaft entwickeln wird. Aber sicher ist Marc der, den es zu schlagen gilt. Im Vorjahr hat er etwas Unglaubliches gemacht, er hat mit einem großen Vorsprung gewonnen», erinnerte Dovizioso, der im WM-Kampf aber nicht nur den Titelverteidiger und die Yamaha-Asse auf der Rechnung hat: «Auf dem Papier sind aber mindestens fünf oder sechs Fahrer dazu in der Lage, die WM und nicht nur Rennen zu gewinnen.»

Der Italiener macht sich aber auch selbst Mut: «Auf dem Papier ist Marc Marc – und er hat viele Titel gewonnen. Das ist die Wahrheit. Aber ich glaube, dass keiner unschlagbar ist. Wir müssen mit dieser Einstellung in die Saison gehen und es versuchen. Ich glaube, aus Sicht der Ingenieure und des Fahrers haben wir das Maximum gegeben. Wir werden sehen, was während der Saison passiert.»

Drei Vize-Titel in Folge sollen den 33-Jährigen dabei nicht zusätzlichen unter Druck setzen. «Ich bin entspannter als im Vorjahr, ich bin ruhiger», betonte er. «Ich versuche so ziemlich im Tag zu leben, weil es mir meiner Meinung nach helfen kann, das beste Ergebnis zu holen und in der Folge die beste Saison zu zeigen – ohne an die Verträge und alle diese Dinge zu denken. Jetzt ist nicht der richtige Moment, um daran zu denken. Das Ergebnis macht immer den Unterschied aus.»

«Wir kennen uns gut und wir müssen versuchen, das Maximum herauszuholen», betonte Dovizioso vor seiner achten Ducati-Saison. «Die Ingenieure haben meiner Meinung nach besonders viel gearbeitet, um zu versuchen, gewisse Aspekte zu verbessern. Ich habe mit meiner Mannschaft zu Hause einen klaren Plan für den Winter von Mitte Dezember an gemacht, an den ich mich halte. Wir legen Wert darauf, so entspannt wie möglich zum ersten Rennen zu kommen, was meiner Meinung nach den Unterschied macht.»

Dass dabei die notwenige Aggressivität auf der Strecke bleibt, will Dovi so nicht stehen lassen: «Es gibt immer Raum, um sich zu verbessern. Aber wenn wir 2019 analysieren, war Marc schneller als alle anderen. Es liegt dann nicht an der Strategie. Denn wenn du mit einem Fahrer kämpfen musst, der schneller ist, dann kannst du zwar versuchen, eine Strategie zu finden, aber es ist schwierig, ihn über 19 Rennen zu schlagen. Das ist das, was im Vorjahr passiert ist.»

«Dass die Herangehensweise im Vorjahr falsch war, damit bin ich nicht einverstanden», hielt der MotoGP-Vizeweltmeister fest. «Du musst ein bisschen schneller sein, um gegen Marc zu kämpfen. Jeder muss ein bisschen schneller sein, um gegen Marc zu kämpfen. Denn wenn man am Ende der Saison einen derartigen Rückstand hat, dann ist das nur die Bestätigung dafür, dass der Speed ein anderer war. Zuerst müssen wir also ein bisschen schneller sein, darauf müssen wir uns konzentrieren: Wir müssen mit dem Bike besser sein und ich muss in den Punkten besser sein, wo ich besser sein kann», so Dovizioso.

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