Die große Frage: Überlebt der Texas-GP 2020?

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Alle sind gespannt: Kann in Texas gefahren werden?

Alle sind gespannt: Kann in Texas gefahren werden?

Nach der Absage der MotoGP-Rennen in Losail und Buri Ram blicken die Teams jetzt nach Amerika. Können die Italiener dort einreisen? Oder geht die WM erst in Argentinien los?

Nach der Absage des MotoGP-Rennens in Katar und der Verschiebung des Thailand-GP in Buri Ram auf unbestimmte Zeit fragen sich die Fahrer, Teammitglieder, Hersteller, Sponsoren und Fans: Wie geht es mit den Grand Prix in Texas und Las Termas de Río Hondo weiter?

Zuerst einmal muss der Aragón-GP vom 4. Oktober wohl auf den 20. September verlegt werden, um Platz für BuriRam am 4. Oktober zu finden. Denn aus Thailand kann das Material nicht binnen zweier Tage nach Japan verfrachtet werden.

Gleichzeitig muss geklärt werden, ob der «Grand Prix of The Americas» in Austin/Texas am 5. April stattfinden kann.

Es bestehen ernsthafte Zweifel.

Denn innerhalb von zwei Monaten (der erste Fall wurde am 31.12. in Wuhai entdeckt) hat sich die Coronavirus-Epidemie ausgehend von China in mehr als 60 Länder verbreitet. Im Ursprungsland gehen die Neuinfektionen mittlerweile zurück, in viele Ländern Europas und in den USA steigt die Zahl der Betroffenen.

In den USA meiden die Kunden die Restaurants in den Chinatowns. Nach Bekanntwerden des ersten Toten durch das neuartige Coronavirus im Land haben die USA davon abgeraten, in die betroffenen Regionen in Italien und Südkorea zu reisen.

Die Reisewarnungen wurden auf die höchste Stufe 4 verschärft, wie US-Vizepräsident Mike Pence am Samstag im Weißen Haus in Washington sagte. In den USA waren bis Freitag nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC bei 15 Menschen Infektionen mit Sars-CoV-2 nachgewiesen worden. Weitere 47 Fälle gab es bei US-Staatsbürgern, die aus Japan oder China zurück in die Vereinigten Staaten gebracht wurden. Trump traf sich am gestrigen Montag im Weißen Haus mit Vertretern von Pharmafirmen.

Wegen der reduzierten Nachfrage hat die Fluglinie American Airlines bis 24. April alle Flüge von New York und Miami nach Mailand gestrichen. Delta Airlines setzte die Italien-Flüge sogar bis Ende April aus.

Seit 2. März 17 Uhr sind laut einer Präsidenten-Verfügung in den USA folgende Einschränkungen in Kraft: Jeder US-Bürger oder Bürger mit US-Aufenthaltserlaubnis, der in den letzten 14 Tagen im Iran war, darf nur über einen bestimmten Flughafen (es gibt elf davon) in die USA einreisen. Ausländer, die im Iran waren, dürfen nicht mehr in die Vereinigten Staaten reisen. Schon seit 31. Januar gelten Einreisebeschränkungen für Passagiere aus China, Hongkong und Macau sind davon nicht betroffen.

Spätestens in drei Wochen müssen die GP-Teams nach Texas fliegen. Ob auch die US-Behörden bis dahin alle eintreffenden Italiener sofort für 14 Tage in Quarantäne stecken wie Katar, ist schwer einzuschätzen.

Bekanntlich haben sechs von elf MotoGP-Teams ihr Hauptquartier in Italien (Monster Yamaha, Ducati Corse, Pramac Ducati, LCR-Honda, Suzuki Ecstar und Aprilia Gresini Racing). Groben Schätzungen zufolge sind mehr als 300 Italiener mit einem permanenten Paddock-Pass 2020 ausgestattet, denn auch in den Klassen Moto2 und Moto3 überwiegen die italienischen Teams. Und Italien beklagt bereits 1835 Covid-19-Infizierte. 52 Menschen sind gestorben. Die Zahl der genesenen Patienten liegt bei 149. Vor zehn Tagen trugen weniger als 200 Italiener den Virus in sich. Die Krankenhäuser sind überlastet, jetzt müssen auch private Kliniken Betten für Corona-Patienten bereitstellen.

Da in anderen europäischen Ländern die Anzahl der Infizierten ansteigt, könnten auch andere Länder Ende März in den Fokus der US-Behörden rücken – zum Beispiel Deutschland.

Niemand kann momentan abschätzen, wie es mit der Ausbreitung von Covid-19 in den nächsten Tagen und Wochen weitergeht.

Da die USA eine Reisewarnung der Stufe 4 für die Lombardei und Venetien ausgegeben haben und Stufe 3 für das restliche Italien, muss mit weiteren Verschärfungen – auch bei der Einreise aus Italien – gerechnet werden. Aber die Anzahl der Infizierten geht in Italien inzwischen zurück.

«Wir haben die aktuelle Risikobewertung von hoch auf sehr hoch angehoben», sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus Ende letzter Woche in Genf. Es bestehe aber immer noch die Chance, die Ausbreitung des neuartigen Virus SARS-CoV-2 einzudämmen.

Für eine Einschätzung, ob der Coronavirus möglicherweise künftig ein saisonales Phänomen werden könnte wie die Grippe, sei es noch zu früh, meinen die Experten. Laut Peter Hotez vom Baylor College of Medicine in Texas wisse man von anderen Viren aus der Corona-Familie, dass sie «in den Wintermonaten auf der Nordhalbkugel auftreten und dann wieder abflauen».

Möglicherweise träfe das auch auf SARS-CoV-2 zu, so Hotez in «The Lancet».

Eigentlich sollte Argentinien von 17. bis 19. April den zweiten Grand Prix des Jahres durchführen. Es könnte aber auch der Saisonauftakt dort stattfinden, wenn die Amerikaner die Einreisebestimmungen verschärfen. Schon jetzt hat Vizepräsident Mike Pence angekündigt, dass 100 Prozent der Passagiere auf Direktflügen aus Italien und Südkorea bei der Ankunft in den USA auf Coronavirus getestet werden. Bisher melden die USA 88 Infizierte. In Argentinien wurde bisher keine Corona-Erkrankung registriert. Die Veranstalter des Las-Termas-GP haben in einem Statement versichert, es gäbe keine Hürden für die Austragung des Grand Prix auf dem Autodromo de Río Hondo.

Die Teams schauen jetzt gespannt auf die täglichen Entwicklungen. Denn irgendwann nächste Woche muss entschieden werden, wohin das Material für den nächsten Grand Prix verfrachtet wird – nach Austin, Las Termas oder Jerez.

Übrigens: Schon am 22. März 1981 hat der GP-Saisonauftakt in Argentinien stattgefunden, und zwar in Buenos Aires, damals wurden nur die Klassen 250 und 350 ccm ausgetragen. 1982 traten beim Saisonstart in Südamerika die Klassen 125, 250 und 500 ccm an.

Die Teams beschäftigen momentan viele Fragen. Die MotoGP-Rennställe haben separates Hospitality-Material (Kücheneinrichtung, Tische, Sessel, Kaffeemaschinen, Kühlschränke) längst per Schiff nach Katar, Thailand, Texas und Las Teams verfrachtet, weil das bei einem Gewicht von bis zu 6 Tonnen billiger ist als eine einzelne Einrichtung per Luftfracht mit den Motorrad-Containern zu schicken. Und alle Teams haben Flüge für die Übersee-GP im März und April gebucht, dazu Leihautos und Hotels.

Deshalb sagte Teamteilhaber Peter Öttl stellvertretend für seine Kollegen: «Meine To-do-Liste wird immer länger».

Der Motorrad-GP-Kalender 2020

08. März: Doha/Q (MotoGP-Rennen abgesagt)
22. März: Buriram/TH (alle 3 Rennen verschoben)
05. April: Austin/USA
19. Las Termas/RA
03. Mai Jerez/E
17. Mai. Le Mans/F
31. Mai: Mugello/I
07. Juni: Barcelona/E
21. Juni: Sachsenring/D
28. Juni Assen/NL
12. Juli: KymiRing/SF
09. August: Brünn/CZ
16. August: Red Bull Ring/A
30. August: Silverstone/GB
13. September: Misano/I
04. Oktober: Aragón/E
18. Oktober: Motegi/J
25. Oktober: Phillip Island/AUS
01. November: Sepang/MAL
15. November: Valencia/E

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