Pit Beirer (KTM): «Wollen alle MotoGP-Fahrer halten»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Pol Espargaró

Pol Espargaró

Pol Espargaró steht zwar auf der Repsol-Honda-Wunschliste. Aber KTM-Rennchef Pit Beirer verrät: «Wir wollen die Verträge mit allen vier MotoGP-Piloten verlängern.»

Red Bull-KTM setzt in diesem Jahr im Werksteam Pol Espargaró und Brad Binder ein, bei Red Bull Tech3-KTM sind Miguel Oliveira und Rookie Iker Lecuona unter Vertrag. Der KTM-Vorstandsvorsitzende Stefan Pierer hat im Winter erklärt, man werde für 2021 keinen Starpiloten ködern, sondern habe die klare Absicht, mit diesen vier MotoGP-Piloten weiterzufahren.

Aber Pol Espargaró, der 2020 seine vierte MotoGP-Saison bei KTM absolviert, wird mit Repsol-Honda in Verbindung gebracht, wo Moto2-Weltmeister Alex Márquez nur einen Ein-Jahres-Vertrag bekommen hat. Doch Stefan Pierer möchte den schnellen und kampfstarken Spanier bis zum Karriereende bei der Stange halten – und darüber hinaus als Marken-Botschafter.

«Wir möchten die Zeit bis zum MotoGP-Saisonauftakt im Juli eigentlich ganz gern nutzen, um die Verträge mit den vier aktuellen MotoGP-Fahrern zu verlängern. Das ist ganz klar unser Ziel, auch um etwas Ruhe reinzubringen, wenn in diesem Jahr nur zehn statt 20 Rennen gefahren werden können, zumal die Rennen im Frühjahr, die normal zur Entscheidungsfindung und Beobachtung dienen, alle ausgefallen sind», hält KTM-Motorsport-Direktor Pit Beirer fest. «Wir wollen mit diesem Fahrer-Quartett nach dem Corona-Jahr noch ein normales Jahr hinten anhängen. Unsere Absicht ist, dass wir mit den vorhandenen Fahrern in die neue Saison 2021 gehen und die Mannschaft so zusammenhalten, wie sie ist.»

«Normalerweise macht man sich genau um diese Jahreszeit im April, Mai oder Juni Gedanken über die Fahreraufgebote für die Zukunft. Du hast aber normalerweise zweimal im Monat Rennergebnisse, Rennverläufe und Entwicklungen, die du studieren kannst. Jetzt haben wir alle nichts», ergänzt der KTM-Rennchef. «Gleichzeitig haben die Fahrer keine Informationen über die Konkurrenzfähigkeit unseres neuen Motorrads. Und sie wissen nicht, wie gut die anderen Motorräder sind. Sie würden sich aber diese Informationen ihrerseits auch gern beschaffen. Sie wollen das beste Material und Team für sich. Wir als Werksteam wollen herausfinden, wie sich die Fahrer entwickeln. Fakt ist: Wir wissen alle nichts mit Ausnahme von dem, was wir im Februar bei den MotoGP-Testfahrten in Malaysia und Katar gesehen haben. Wir können aber mit der Planung für die nächste Saison nicht warten, bis endlich Rennergebnisse von 2020 vorliegen. Deshalb möchten wir mit allen Fahrern relativ schnell und zügig die Verträge so verlängern, wie sie jetzt sind.»

Aber Fahrer wie Pol Espargaró und Oliveira könnten durchaus auch bei Konkurrenzteams Interesse erwecken, auch wenn bei Yamaha, Ducati (auch dort will man die vorhandenen GP20-Piloten behalten, notfalls im Tausch mit Pramac) und Suzuki die lukrativen Werksteams bereits besetzt sind.

Der schnelle Oliveira war schon im Oktober nicht gerade begeistert, als Brad Binder an seiner Stelle den Platz von Johann Zarco im Factory-Team bekam.

«Wir haben sehr gute Fahrer, bei denen die Konkurrenzteams auch sehen, dass sie schlagkräftig sind», hält Beirer fest. «Und solange wir keine unterschriebenen Verträge haben, sind sie einmal für 2021 nicht sicher bei uns. Aber wir haben mit allen vier Fahrern freundschaftliche Verhältnisse, sie fahren teilweise seit mehr als fünf Jahren für uns. Ich sehe keine ganz große Gefahr, dass uns jetzt sofort einer abhanden kommt. Aber natürlich sind andere Teams auf dem Markt genauso in Bewegung und werden unsere Fahrer in Betracht ziehen und ihnen eventuell Angebote machen. Ich hoffe, dass unsere Fahrer gut genug sind, dass auch andere Teams ein Auge auf sie werfen. Wenn das nicht der Fall wäre, hätten wir ja keine optimale Fahrerwahl getroffen.»

Nachsatz des ehemaligen Motocross-Vizeweltmeisters: «Wir wollen aber keinen Fahrer zwingen, bei uns zu bleiben. Sie sollen freiwillig die neuen Verträge unterschreiben, die wir ihnen vorlegen. Darauf bereiten wir uns gerade vor.»

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