Andrea Iannone: Tagt der Sportgerichtshof im August?

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Das Aprilia-Team 2020: Iannone, Albesiano, Testfahrer Smith, Rivola und Aleix Espargaró

Das Aprilia-Team 2020: Iannone, Albesiano, Testfahrer Smith, Rivola und Aleix Espargaró

Aprilia-Rennchef Massimo Rivola hofft, dass die eineinhalbjährige Sperre von Andrea Iannone bereits im August verkürzt wird und der Italiener 2020 noch Rennen fahren darf.

Massimo Rivola nahm seine Tätigkeit als neuer Chief Operating Officer (CEO) bei Aprilia Racing am 7. Januar 2019 auf. An seinem ersten Arbeitstag machte er die Entdeckung, dass der renommierte Motoren-Entwickler Ing. Mario Manganelli seinen Job quittiert hatte. Er wechselte zu AMG-Mercedes in die Formel 1. «Er begrüßte mich und sagte gleichzeitig auf Wiedersehen», schilderte Rivola. Der Italiener, der in der Formel 1 bei der Scuderia Toro Rosso und bei der Scuderia Ferrari gearbeitet hat, fand in der MotoGP bei Aprilia ein umfangreiches Betätigungsfeld mit vielen neuen Herausforderungen vor. Nach einigen Monaten seufzte er: «Meine Aufgabe ist schwieriger als erwartet.»

Denn Aprilia stellt das kleinste Werksteam in der MotoGP-WM dar. Es fehlt ein zahlungskräftiger Hauptsponsor, und unter dem heutigen Technical Director Romano Albesiano sind viele wichtige Techniker davon gelaufen. Doch Piaggio-Eigentümer Roberto Colaninno will es trotzdem mit den großen Werken aufnehmen, vor allem mit dem italienischen Erzrivalen Ducati.

Rivola (48) rekrutierte für 2020 teilweise neues technisches Personal, soweit es sein finanzieller Spielraum erlaubte. Mit der Aprilia RS-GP20 wurde nach vier Jahren endlich ein komplett neues Rennmotorrad entwickelt, der Zylinderwinkel des 1000-ccm-V4-Triebwerks wuchs wie bei Honda, Ducati und KTM auf 90 Grad an, bis dahin lag er bei 72 Grad.

Doch dann kam er nächste Rückschlag: Andrea Iannone wurde wegen der Einnahme von anabolen Steroiden eineinhalb Jahre gesperrt. Bis 17. Juni 2021. Nach dem Malaysia-GP 2019 wurde in seinem Blut eine zu hohe Dosis von Drostanolon nachgewiesen.

Jetzt muss Aprilia Racing abwarten. Gegen die 18-monatige Sperre wurde Beschwerde beim Tribunal Arbitral du Sport (TAS) in Lausanne eingebracht. Iannone hat seit Dezember mehr mit Sportgerichten und Rechtsanwälten zu tun als mit Tätigkeiten auf der Rennstrecke. Denn Aprilia hat ihn seit der Soerre auch bei testfahrten nicht eingesetzt.

«Wir befinden uns in der Warteschleife», bedauert Aprilia-Rennchef Rivola im Interview mit SPEEDWEEK.com. «Wir hoffen, dass wir beim TAS im Sommer einen Termin genommen, wir hoffen auf August. Denn es geht darum, dass Andrea so wenige Rennen wir möglich verliert. Natürlich ist die Situation ziemlich kritisch. Für uns spricht, dass das erste Statement der Behörden widersprüchlich war. Im Grunde wurde uns gesagt, Andrea sei nicht schuldig.»

Denn Iannone beteuert, die anabolen Steroide seien über die Nahrungskette in seinen Körper und seinen Urin gelangt. Mit dieser Verteidigungsstrategie ist schon der ehemalige Tour de France-Sieger Alberto Contador gescheitert. Er hatte öffentlich vermutet, ein Steak von einem mit Steroiden behandelten Rind verspeist zu haben.

Aprilia hoffte ursprünglich, Iannone würde mit einer Sperre von drei oder sechs Monaten davon kommen. Die Anti-Doping-Behörde WADA forderte aber sogar vier Jahre Sperre.

«Eine einhalbjährige Sperre hält einen Profi-Rennfahrer sehr lange von seinem Berufsübung fern», bedauert Rivola. «Wir haben mit ein paar Monaten Suspendierung gerechnet. Inzwischen haben wir viel Zeit mit Einsprachen verloren, im Grunde ist das vergeudete Zeit. In vielen anderen Dopingfällen hat die Föderation der Athleten die Einsprachen in recht kurzer Zeit behandelt und entschieden. Wir sind Mitte Dezember 2019 informiert worden und haben jetzt im Juni noch kein finales Ergebnis. Wenn ich mich über etwas beschweren möchte, dann über das Timing der zuständigen Behörden. Hoffentlich wird das Verfahren jetzt durch den Internationalen Sportgerichtshof TAS beschleunigt. Der TAS hat bereits eine Pressemitteilung zu diesem Fall veröffentlicht. Wir warten also ab, um die erste Strafe noch herabgesetzt werden kann.»

Wann kann Iannone 2020 im besten Fall in die MotoGP-WM eingreifen? «Das ist wirklich schwer zu beurteilen», ist sich Rivola bewusst. «Aber ich bin zuversichtlich, obwohl das Timing nicht gerade ideal für uns ist, weil die Einsprache erst im Sommer behandelt wird.»

Auch wenn bei Iannone die Konzentration der verbotenen Substanz mit 1,150 Nanogramm pro Milliliter gering war: Vorschriften sind Vorschriften. Niki Lauda verlor 1982 bei McLaren in der Formel-1-Sieg den dritten Platz in Zolder, weil sein Fahrzeug 0,5 kg unter dem Mindestgewicht lag. Und Fabio Quartararo wurde in Motegi 2018 sein Moto2-Sieg aberkannt, weil der Luftdruck im Hinterreifen um 0,05 bar zu gering war.

Rivola: «Die Prüfmethoden sind sehr unterschiedlich. Beim Test der WADA kommen alle Substanzen der letzten vier Monate zum Vorschein. Wenn du dort negativ getestet wirst, bis du negativ. In Kriminalfällen wird dieser Test verwendet, wenn er sehr zuverlässig ist. Im Sport werden Urintests verwendet, weil es schneller geht und weil sie unkomplizierter und preiswerter, sind außerdem sind sie logistisch einfacher zu handhaben. Im Fall von Andrea konnte er vor Gericht nachweisen, dass er unschuldig ist. Das Gericht sprach ebenfalls von seiner Unschuld. Deshalb sind wir zuversichtlich, dass es uns gelingen wird, den Ruf des Fahrers zu bewahren.»

Die Forderung nach einer vierjährigen Sperre der WADA stellt für Rivola keine Beunruhigung dar. «So läuft das Spiel. Es ist die Aufgabe der Anti-Doping-Behörde, möglichst gravierende Strafen für positive getestete Athleten zu verhängen.»

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