Beirer und Petrucci: «War Liebe auf den ersten Blick»

Von Günther Wiesinger
MotoGP

Viele Argumente sprachen bei KTM für Danilo Petrucci. Dass er bereits elf Offroad-Bikes aus Österreich gekauft hat, spricht für den guten Geschmack des WM-Sechsten und freute Pit Beirer, den Cross-WM-Zweiten von 1999.

Das Red Bull-KTM-MotoGP-Team wird sich 2021 in neuer personeller Aufstellung präsentieren. Im Factory Team werden die KTM-Eigengewächse Brad Binder und Miguel Oliveira aufmarschieren, denn der bisherige Teamlader Pol Espargaró hat für zwei Jahre bei Repsol-Honda unterschrieben. Im Red Bull-KTM-Tech3-Team übernimmt Danilo Petrucci (29) die Führungsrolle, an seiner Seite agiert Iker Lecuona (20.)

Pit Beirer, Motorsport-Direktor von KTM, hätte gerne alle vier MotoGP-Fahrer von 2020 behalten. Der Abgang des WM-Elften Espargaró löste für mehr als zwei Wochen bei Red Bull Factory Racing in Mattighofen hektische Betriebsamkeit aus.

Dabei hatte KTM nach dem Lockdown ohnedies alle Hände voll zu tun, um zuerst den Privattest in Spielberg mit Pedrosa und Pol Espargaró (27./28. Mai) abzuwickeln, den Misano-Test in dieser Woche zu planen und dazu den Brünn-Test von Pedrosa und Kallio im Juli. Und dazu noch die 13 Grand Prix in Europa innerhalb von vier Monaten von Jerez bis Valencia.

«In Amerika hat dann gleichzeitig schon die Supercross-WM mit zwei Events pro Woche stattgefunden», erinnert Beirer. «Es kehrt also wieder ein bisschen Normalität ein. Wir gehen alle wieder unserer Arbeit nach, darauf haben wir lange gewartet.»

«Unser Ziel war es, mit allen unseren MotoGP-Fahrern von 2020 auch in die Saison 2021 zu gehen», bestätigt Beirer. «Wir wollten besonders unseren zwei Rookies durch den späten Saisonstart eine Möglichkeit geben, sich zu bestätigen, immer mit der Gewissheit eines festen Vertrags für 2021. Wir wollten ihnen bereits vor dem Re-Start die Sicherheit geben, dass es bei uns mit ihnen stabil weitergeht.»

Für KTM kamen die Verhandlungen von Pol Espargarós Manager Homer Bosch mit Ducati und Repsol-Honda überraschend.

Firmenchef Stefan Pierer hatte im Herbst gegenüber SPEEDWEEK.com erklärt, er könne sich eine Zusammenarbeit mit Pol bis zum Ende des Dorna-Vertrags 2026 vorstellen.

Pit Beirer: «Dass sich ein ehrgeiziger Fahrer wie Pol um bestmögliches Material bemüht, ist klar. Aber wir mussten uns dann auch umhören und neu aufstellen. Nach den ersten Meetings waren wir uns einig, dass wir unsere Strategie umsetzen, die wir über Jahre hinweg verfolgen. Wir sind jetzt mit unserer MotoGP Academy so weit, dass wir im MotoGP-Factory Team ganz auf unsere Fahrer setzen können. Wir sind sehr stolz, dass wir beide aus unserer Rookies-Cup-Schule über das eigene Moto3- und Moto2 gemeinsam mit Teamchef Aki Ajo soweit gebracht haben, dass wir sie jetzt in der Königsklasse an vorderster Front präsentieren können. Wir richten unser MotoGP-Projekt mit zwei sehr jungen Fahrern auf die Zukunft aus. Aber die beiden haben zusammen 27 GP-Siege errungen; sie repräsentieren also ein sehr starkes Team.»
Pit Beirer: «Es gibt kein B-Team mehr»

«Gleichzeitig haben wir unser Tech3-KTM-Team mit Danilo Petrucci verstärkt, der 2021 neben dem heute 20-jährige Iker Lecuona fahren wird», betont der KTM-Rennchef. «Auch das ist für eine Wunsch-Konstellation. Und wir möchten damit klarstellen, dass Tech3 nicht unser Junior-Team ist, das gilt auch für die Moto3-Klasse. Wir haben uns schon für 2020 verpflichtet, in der MotoGP-Klasse alle vier Fahrer mit identischem Material auszustatten. Wie gesagt: Wir reden nicht mehr von A- und B-Team. Sondern wir wollen versuchen, mit unseren jungen Fahrer etwas für die Zukunft aufzubauen. Wir werden schon in diesem Jahr vier Werksfahrer auf der Strecke haben. Gleichzeitig sind wir extrem glücklich, mit Danilo den WM-Sechsten des Vorjahres neu unter Vertrag zu haben, einen MotoGP-Sieger, der mit 29 Jahren doch bereits Erfahrung hat. Ihm könnte die Rolle des ‚riding captains‘ zufallen. Jedenfalls werden wir auch in der Saison 2021 eine sehr spannende Mischung von Piloten haben. Ich vermute, dass es auch eine schnelle Mischung sein wird.»

Bei KTM hätte man zwar auch gern Dani Pedrosa in der Rolle des Stammfahrers gesehen. Auch an Andrea Dovizioso bestand vorübergehend Interesse. Aber langfristig gesehen machte der Deal mit Petrucci mehr Sinn – auch vom Alter her.

«Die Suche nach einem Nachfolger von Pol Espargaró war schwierig», räumt Pit Beirer ein. «Normalerweise ziehst du bei solchen Fahrerengagements Informationen wie die jüngsten GP-Resultate heran. Aber nachdem sich auf der Rennstrecke seit Monaten nichts abspielt und wir dort nichts Neues erfahren haben, mussten wir auf unser Bauchgefühl hören und uns an die Leistungen von 2019 zurückerinnern. bei den Gesprächen mit Danilo haben wir gemerkt, er ist ein extrem netter Kerl. Was uns natürlich besonders gefallen hat: Er hat sich in den letzten Jahren nicht weniger als elf Offroad-Bikes von KTM und Husqvarna gekauft. Der wichtigere Aspekt war: Er ist ein routinierter MotoGP-Pilot mit einem GP-Sieg. Und man gewinnt kein MotoGP-Rennen aus Zufall. Somit ist er einer der wenigen Fahrer, die auf dem obersten Niveau MotoGP-Rennen betreiben können. Und da wir einerseits drei recht junge Fahrer in der Mannschaft habe, war es auch sehr wichtig, einen erfahrenen Mitspieler zu haben.»

So fügte sich das Fahrer-Puzzle bei KTM innerhalb weniger Tage zusammen. «Danilo hat von seinem Team sehr früh erfahren, dass er in der MotoGP keinen Platz mehr hat. Gleichzeitig haben wir einen neuen Topfahrer. So gesehen war es Liebe auf den ersten Blick.»

Nach dem Scheitern mit Johann Zarco nahm sich Beirer 2019 vor, er werde für KTM nie wieder einen MotoGP-Fahrer von Yamaha engagieren.

Bei «Petrux #9» hat Beirer keine Bedenken. Denn der Römer sollte nach sechs Jahren auf der V4-Ducati auch die KTM RC16 bändigen können. «Es ist mittlerweile bewiesen, dass sich die leistungsstarken V4-Geräte anders fahren lassen als die Reihen-Vierzylinder», betont Beirer. «Wir haben uns bei KTM ganz bewusst, für dieses leistungsstärkere Konzept entschieden. Man braucht für so ein brutales Motorrad einen sehr entschlossenen Fahrer. Aber Danilo kommt von einem Motorrad, hinter dem das gleiche Konzept steckt. Deshalb rechnen wir bei ihm nicht mit einen Aha-Erlebnis wie bei anderen Fahrern, die mit den unterschiedlichen Konzepten nicht zurechtkamen.»

So sehen die MotoGP-Teams 2020 aus

Repsol-Honda
Marc Márquez, Alex Márquez

Ducati Team
Andrea Dovizioso, Danilo Petrucci

Monster Energy Yamaha
Maverick Viñales, Valentino Rossi

Suzuki Ecstar
Alex Rins, Joan Mir

Red Bull KTM Factory Racing
Pol Espargaró, Brad Binder

Aprilia Racing Team Gresini
Aleix Espargaró, Bradley Smith

Pramac Racing
Jack Miller, Francesco Bagnaia

Reale Avintia Racing
Tito Rabat, Johann Zarco

Petronas Yamaha SRT
Fabio Quartararo, Franco Morbidelli

LCR Honda
Cal Crutchlow, Takaaki Nakagami

Red Bull KTM Tech3
Miguel Oliveira, Iker Lecuona

So sehen die MotoGP-Teams 2021 aus

Repsol-Honda
Marc Márquez, Pol Espargaró

Ducati Team
Andrea Dovizioso? Jorge Lorenzo? Jack Miller

Monster Energy Yamaha
Maverick Viñales, Fabio Quartararo

Suzuki Ecstar
Alex Rins, Joan Mir

Red Bull KTM Factory Racing
Brad Binder, Miguel Oliveira

Aprilia Racing Team Gresini
Aleix Espargaró, Bradley Smith? Andrea Iannone?

Pramac Racing
Jorge Martin, Jorge Lorenzo? Pecco Bagnaia? Johann Zarco?

Reale Avintia Racing
Tito Rabat, Johann Zarco?

Petronas Yamaha SRT
Valentino Rossi, Franco Morbidelli

LCR Honda
Alex Márquez, Cal Crutchlow? Takaaki Nakagami?

Red Bull KTM Tech3
Danilo Petrucci, Iker Lecuona

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