Stefan Bradl: «Márquez hätte um das Podest gekämpft»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Stefan Bradl in Brünn

Stefan Bradl in Brünn

«Marc Márquez hat oft genug bewiesen, dass er bei allen Verhältnissen unter die Top-3 fahren kann», stellte Stefan Bradl nach der Honda-Schlappe von Brünn fest.

Stefan Bradl bestreitet am Wochenende in Spielberg seinen insgesamt 184. Grand Prix, es ist der 97. in der MotoGP-Klasse. Immerhin 50 davon hat er in den Top-Ten beendet – auf der LCR-Honda, Forward-Yamaha, auf der Werks-Aprilia und auf der Repsol-Honda.

Beim Brünn-GP hatten alle Honda-Piloten Mühe mit dem geringen Griplevel und den vielen Bodenwellen, sie brachten die Motorleistung einfach nicht auf den Boden. Cal Crutchlow fuhr vom 12. Startplatz los und traf auf Platz 13 im Ziel ein. 2018 hat er den GP von Tschechien auf der LCR-Honda gewonnen.

Auf der Power-Strecke in Spielberg wird die Honda-Truppe vermutlich stärker sein, denn Marc Márquez hat dort 2019 den Sieg nur um Haaresbreite gegen Dovizioso verpasst.

Stefan Bradl erlebt in der MotoGP-Saison bisher eine verkehrte Welt. Denn die pausenlosen Bestzeiten von Honda gehören der Vergangenheit an. Yamaha, seit 2015 ohne Titelgewinn, hat zwei von drei Rennen gewonnen. Ducati, mit Andrea Dovizioso (Platz 11 in Brünn) zuletzt dreimal Vizeweltmeister, konnte bisher aus der Abwesenheit von Weltmeister Marc Márquez kein Kapital schlagen, Suzuki ebenfalls nicht. Dafür hat Red Bull-KTM drei Fahrer in den Top-12 der Tabelle, obwohl Brad Binder (er ist WM-Fünfter) bis zum Brünn-Sieg zweimal gepatzt hat, Pol Espargaró in Brünn einen Nuller schrieb und Oliveira in Jerez-2 von Binder abgeschossen wurde.

«Die MotoGP-Hersteller sind in letzter Zeit immer enger zusammengerückt, was die Rundenzeiten betrifft», ist sich Bradl bewusst. «Deshalb muss man immer wieder mal mit Überraschungen rechnen. Honda erlebt jetzt eine schwierige Phase, weil Marc als Nummer1-Fahrer fehlt. Das Motorrad war nie so konzipiert, dass es am leichtesten zu fahren ist. Das ist jetzt ein bisschen ein Nachteil.»

Hätte ein gesunder Marc Márquez als Vorjahressieger trotzdem in Brünn um das Podest kämpfen können? «Ich denke schon», meint der Bayer. «Denn es gibt kaum eine Rennstrecke und so gut wie keine Verhältnisse, bei denen Marc in den letzten sieben Jahre nicht um das Podium gekämpft hat. Er hat das in der Vergangenheit oft genug bewiesen. Aber die Antwort auf diese Frage werden wir nicht herausfinden.»

Brad Binder wurde vor dem Brünn-Sieg bei den Buchmachern als 50:1-Außenseiter gehandelt. Dovizioso hat in drei Rennen nur einen 3., einen 6. und einen 11. Platz erreicht. Es geht drunter und drüber in der Saison 2020.

«In Jerez war es eindeutig, dort hat Yamaha mit Quartararo zweimal die Nase vorn gehabt», rechnet Bradl vor. «Aber das Ergebnis in Brünn passt genau zur aktuellen Coronakrise und zur chaotischen Situation in diesem Jahr. KTM hat die Gunst der Stunde optimal ausgenutzt. Sie haben verdient gewonnen, denn es sind vorne keine Spitzenfahrer gestürzt oder ausgefallen. Auch bei Yamaha haben alle Motoren durchgehalten.»

Wie erlebte Bradl die Kollision von Pol Espargaró und Johann Zarco? «Schwierig zu beurteilen. Ich glaube, mit dem Long-Lap-Penalty für Zarco wurde diese Situation gut gelöst. man hätte ihn aber. nicht unbedingt gehen müssen. Meiner Meinung nach war es ein normaler ‚racing incident‘. Beide Kontrahenten haben natürlich voll reingehalte. Aber für mich war ein normaler Rennzwischenfall.»

Ergebnis Brünn-GP, MotoGP, 9. August:

1. Binder, KTM, 41:38,764 min
2. Morbidelli, Yamaha, + 5,266 sec
3. Zarco, Ducati, + 6,470
4. Rins, Suzuki, + 6,609
5. Rossi, Yamaha, + 7,517
6. Oliveira, KTM, + 7,969
7. Quartararo, Yamaha, + 11,827
8. Nakagami, Honda, + 12,862
9. Miller, Ducati, + 15,013
10. Aleix Espargaró, Aprilia, + 15,087
11. Dovizioso, Ducati, + 16,455
12. Petrucci, Ducati, + 18,506
13. Crutchlow, Honda, + 18,736
14. Viñales, Yamaha, + 19,720
15. Alex Márquez, Honda, + 24,597
16. Rabat, Ducati, + 29,004
17. Smith, Aprilia, + 32,290
18. Bradl, Honda, + 55,977

WM-Stand nach 3 von 14 Rennen:

1.Quartararo, 59 Punkte. 2. Viñales 42. 3. Morbidelli 31. 4. Dovizioso 31. 5. Binder 28. 6. Zarco 28. 7. Rossi 27. 8. Nakagami 27. 9. Miller 20. 10. Rins 19. 11. Pol Espargaró 19. 12. Oliveira 18. 13. Alex Márquez 13. 14. Mir 11. 15. Petrucci 11. 16. Bagnaia 9. 17. Rabat 7. 18. Aleix Espargaró 6. 19. Crutchlow 6. 20. Smith 5.

Konstrukteurs-WM nach 3 von 14 Rennen:

1. Yamaha 70. 2. KTM 44. 3. Ducati 42. 4. Honda 27. 5. Suzuki 24. 6. Aprilia.

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