Marc Márquez: Wird er 2020 überhaupt noch fahren?

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Marc Márquez

Marc Márquez

Offenbar war der zweite Oberarmbruch von Marc Márquez gravierender als das Team und die Ärzte das einräumten. Deshalb bleibt auch das Comeback im November fraglich.

Zum Yamaha-Werksteam sind schon Anfang August Gerüchte vorgedrungen. Weltmeister Marc Márquez werde 2020 nicht mehr auf die Repsol-Honda zurückkehren. Ehrlich gesagt, ich dachte mir damals: Da ist wohl bei Yamaha der Wunsch Vater des Gedankens.

Bald danach beendete HRC alle Spekulationen über ein Comeback beim Steiermark-GP oder in Misano mit der Meldung, Márquez werde nach der zweiten Oberarm-Operation vom 3. August «für zwei bis drei Monate ausfallen». Trotzdem hielt sich im Paddock die Vermutung, der achtfache Weltmeister werde sich wohl beim Catalunya-GP (27. September) wieder in den Sattel schwingen. Denn Stefan Bradl wurde von HRC immer nur von Rennen zu Rennen neu als Ersatzfahrer aufgeboten.

Inzwischen steht fest: Marc Márquez wird auch im Oktober nicht fahren, er wird auch beim zweiten Aragón-GP am 25. Oktober fehlen.

Danach stehen noch zwei Valencia-Rennen (8. und 15. November) sowie das Finale in Portimão auf dem Programm.  Mittlerweile dürften sich die HRC-Manager im Klaren sein, dass sie das Comeback von Marc vier Tage nach der ersten OP unbedingt verhindern hätten müssen. Das Verhältnis mit Emilio Alzamora, Manager von Marc und Alex Márquez, ist seither zerrüttet. Der Glauben an die medizinischen Künste von Dr. Xavier Mir und seiner Mannschaft ebenfalls. Sie hätten den Weltmeister dringend von einer Teilnahme am Andalusien-GP (14. bis 26. Juli) abraten und ihn stoppen müssen.

Aber Márquez hatte fünf Stunden nach der ersten Operation bereits Liegestütze exerziert, wohl um seinen Gegnern Angst und Schrecken einzujagen. Aus einem später ausgestrahlten Skype-Interview ließ sich entnehmen, dass ihm Dr. Mir nach der ersten Operation sogar wieder ein Motorradtraining erlaubt hatte, also vor dem Blitzcomeback nach vier Tagen in Jerez.

Doch nach der «out lap» in Q1 am Samstag packte Márquez wieder zusammen. Die Schmerzen waren unerträglich, er konnte die 290 PS starke Werks-Honda beim Bremsen und Beschleunigen nicht beherrschen

Viele Schutzengel in der Vergangenheit

Die Verantwortlichen bei Repsol-Honda und HRC hatten den achtfachen Weltmeister bis dahin offenbar für unzerstörbar gehalten. Kein Wunder, denn jahrelang war er bei ca. 30 Stürzen pro Saison fast immer mit dem Schrecken davon gekommen. Er hatte alle Crashs und Saves glimpflich überstanden, nur zwei Schulter-Operation nach den Saisons 2018 und 2019 wurden notwendig. Auch von ihnen erholte sich Marc rechtzeitig, auch wenn ihm dabei 2020 die Coronakrise zugute kam.

Sogar beim 338-km/h-Crash auf der Zielgeraden in Mugello 2013 war Marc kein Haar gekrümmt worden. Er hatte immer genug Schutzengel.

Selbst die Schulterluxation im Silverstone-Warm-up 2013 hinderte ihn nicht, Lorenzo wenige Stunden später den Sieg streitig zu machen und dann mit 0,081 sec Rückstand auf Platz 2 zu fahren. Den HRC-Managern schien wohl, Marc könne übers Wasser gehen und Wasser zu Wein machen. Er hatte Dovizioso in der WM 2019 um 151 Punkte distanziert, den zweitbesten Honda-Fahrer Cal Crutchlow um 297 Punkte, Nakagami und Lorenzo um 346 und 392 Punkte.

Zur Erinnerung: Marc kassierte 2019 bei 19 Grand Prix 12 Siege und 6 zweite Plätze ein. Nur in Texas schied er im Rennen durch Sturz aus.

Heute wird sich die HRC-Truppe fragen, ob es schlau war, Marc Márquez beim Spanien-GP am 19. Juli nach seinem 160-km/h-Ausritt ins Kiesbett frenetisch anzufeuern und ihn zum Sieg treiben zu wollen. Der dritte Platz hinter Quartararo und Viñales wäre unter diesem Umständen ein prächtiges Resultat gewesen.

Und der nachfolgende Highsider ruinierte die ganze Saison für Honda, Repsol und Marc Márquez.

Zu hohe Belastung?

Die Gegner haben inzwischen viel Selbstbewusstsein getankt. Die Honda RC213V ist momentan kein Sieger-Motorrad, auch das wissen sie.

Marc Márquez hat 2019 für Honda nicht nur die Fahrer-WM im Alleingang gewonnen, sondern auch die Team-WM und die Marken-WM. alle drei Meisterschaften sind längst verloren. In der Marken-WM liegt Honda an fünfter Stelle, in der Team WM an neunter.
Deshalb wäre es nicht verwunderlich, wenn HRC auch im November auf die Dienste von Marc Márquez verzichtet und in der Zwischenzeit das Motorrad für 2021 schrittweise verbessert.

Und wenn man sich mit Fachärzten unterhält und sich erkundigt, warum ein mit einer Platte und Schrauben fixierter Oberarmbruch beim Öffnen einen Schiebetüre wieder aus dem Leim gehen kann, dann vermuten sie alle: «Da muss vorher schon eine Beschädigung vorhanden gewesen sein. Vielleicht wurden durch die frühe starke Belastung bereits Schrauben rausgerissen. So könnte dann ein komplizierter Bruch entstanden sein.»

Diese Nachricht scheint sich im August gleich einmal zu Yamaha durchgesprochen zu haben. Aber damals konnte sich noch niemand eine so lange Abwesenheit des Champions vorstellen.

Eine starke Entzündung im Bereich der Bruchstelle hatte Honda nach der Aufgabe von Marc Márquez bei Jerez-2 auf jeden Fall eingeräumt.

Rennergebnis MotoGP Le Mans/F:

1. Danilo Petrucci, Ducati, 26 Runden in 45:54,736 min
2. Alex Márquez, Honda, +1,273 sec
3. Pol Espargaró, KTM, +1,711
4. Andrea Dovizioso, Ducati, +3,911
5. Johann Zarco, Ducati, +4,310
6. Miguel Oliveira, KTM, +4,466
7. Takaaki Nakagami, Honda, +5,921
8. Stefan Bradl, Honda, +15,597
9. Fabio Quartararo, Yamaha, +16,687
10. Maverick Viñales, Yamaha, +16,895
11. Joan Mir, Suzuki, +16,980
12. Brad Binder, KTM, +27,321
13. Pecco Bagnaia, Ducati, +33,351
14. Aleix Espargaró, Aprilia, +39,176
15.
Iker Lecuona, KTM, +51,087

Fahrer-WM-Stand nach 9 von 14 Rennen:

1. Quartararo, 115 Punkte. 2. Mir 105. 3. Dovizioso 97. 4. Viñales 96. 5. Nakagami 81. 6. Morbidelli 77. 7. Miller 75. 8. Pol Espargaró 73. 9. Oliveira 69. 10. Petrucci 64. 11. Binder 62. 12. Rins 60. 13. Rossi 58. 14. Alex Márquez 47. 15. Zarco 47. 16. Bagnaia 42. 17. Aleix Espargaró 24. 18. Lecuona 18. 19. Crutchlow 13. 20. Smith 11. 21. Bradl 8. 22. Rabat 8. 23. Pirro 4.

Konstrukteurs-WM:

1. Yamaha, 170 Punkte. 2. Ducati 151. 3. KTM 125. 4. Suzuki 118. 5. Honda 92. 6. Aprilia 32.

Team-WM:

1. Petronas Yamaha SRT, 192 Punkte. 2. Team Suzuki Ecstar 165. 3. Ducati Team 161. 4. Monster Energy Yamaha MotoGP 154. 5. Red Bull KTM Factory Racing 135. 6. Pramac Racing 121. 7. LCR Honda 94. 8. Red Bull KTM Tech3 87. 9. Repsol Honda Team 55. 10. Esponsorama Racing 55. 11. Aprilia Racing Team Gresini 35.

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