MotoGP-Rookie Luca Marini: «Es war kein Schock»

Von Nora Lantschner
MotoGP
Luca Marini gab sich in Katar nach seinem ersten Testtag auf der MotoGP-Ducati gelassen, auch wenn er zu Beginn unter technischen Problemen litt und Corona-bedingt zwei seiner Mechaniker in der Avintia-Box fehlten.

Für Luca Marini ging beim Shakedown-Test in Doha das lange Warten zu Ende: Erstmals saß der Moto2-Vizeweltmeister des Vorjahres am Freitag auf seiner Desmosedici GP19 – und zum ersten Mal ging ein MotoGP-Bike im Sky-VR46-Branding auf die Rennstrecke.

Mit den Jungs aus der VR46 Riders Academy unterhielt sich der Rookie schon im Winter fleißig über die neue Klasse: «Vor allem mit Pecco habe ich viel geredet, weil er das Bike auch sehr gut kennt. Ich habe aber auch mit Franco gesprochen, jeder Tipp war gut in der langen Winterpause. Ich war wirklich bereit und fokussiert, als ich zum ersten Mal auf das Motorrad gestiegen bin», versicherte Marini.

Der 23-jährige Italiener, der sich auch heute wieder mit seinem Academy-Kumpel und früheren Moto2-Teamkollegen Pecco Bagnaia (Ducati Lenovo Team) austauschte, beendete seinen ersten Arbeitstag in der Königsklasse nach insgesamt 33 Runden mit einer persönlichen Bestzeit von 1:58,376 min. Damit war er 2,762 Sekunden langsamer als HRC-Testfahrer Stefan Bradl.

Allerdings gab es technische Probleme an beiden Desmosedici in seiner Box. «Zu Beginn funktionierte das Motorrad nicht. Ich hatte auch nicht 100 Prozent Power, das erste Mal war also kein Schock, weil es ein Problem gab. Als ich wieder an die Box kam, fragte mich dann jeder, wie es war. Das Feeling war aber normal, mit der Reaktion habe ich alle schockiert», erzählte Marini schmunzelnd. «Danach haben wir die Probleme aber gelöst, ich konnte gegen Ende ein paar gute Runden fahren und die volle Power fühlen.»

Ist die Ducati fordernd? «Ich hatte es mir viel schlimmer vorgestellt. Das Motorrad fährt sich gut, auch wenn ich es natürlich noch nicht ans Limit gebracht habe. Das Feeling war aber schön. Es war schade, dass ich nicht viele Runden drehen konnte. Denn die ersten 15 waren ja nur ‚in‘ und ‚out‘», seufzte der Klassen-Neuling. «Ich bin aber happy, dass wir es am Ende lösen konnten. Da muss ich auch Ducati danken, weil wir viel Unterstützung hatten. So viele Ducati-Leute in meiner Box zu haben, war schön zu sehen. Mit Gigi reden zu können und den Support zu spüren, war eine große Hilfe für mich.»

Für den Samstag ist alles in Ordnung? «Im Moment scheint es so, aber sie arbeiten noch am zweiten Motorrad. Ich weiß nicht, welche Probleme es sind, aber die Jungs sind sehr gut. Mir gefällt meine Mannschaft, sie haben heute unglaublich viel gearbeitet, fünf Stunden ohne Pause. Ein Motorrad sollte auf jeden Fall in Ordnung sein, denn am Ende lief alles gut, bis auf ein kleines Problem mit dem ‚ride height adjuster‘, der einmal funktioniert hat und einmal nicht. Aber das haben wir schon gelöst.»

Neben den technischen Anlaufschwierigkeiten musste Marini in seiner Box auch auf zwei Mechaniker verzichten, die aufgrund eines positiven Covid-19-Testergebnisses im Hotel bleiben mussten: «Sie haben schon im Vorjahr mit mir gearbeitet, ich habe sie aus der Moto2 mitgebracht. Ich kenne sie gut, weil sie in meiner Nähe wohnen. Ich vertraue ihnen und sie haben sehr gefehlt heute. Denn auch für sie wäre es ein spezieller Tag gewesen. Morgen machen sie einen weiteren Test, ich hoffe, das Ergebnis ist negativ. Es ist sehr merkwürdig, sie haben viele Vorsichtsmaßnahmen getroffen, ich vertraue ihnen... Ich glaube, es kann auch ein falsches positives Ergebnis sein. In den nächsten Tagen werden wir es wissen.»

Trotz der anfänglichen Probleme konnte sich Marini ein erstes Bild vom MotoGP-Bike machen: «Die Elektronik ist beeindruckend. Man muss das Vertrauen haben, das Gas etwas entschiedener aufzudrehen. Das fehlt den Rookies meiner Meinung nach ein bisschen, weil viel Leistung vorhanden ist. Das sind wir nicht gewohnt, wir kommen von der Moto2. Und ich glaube, dass Martin auch deshalb an einer merkwürdigen Stelle gestützt ist. Es ist schwierig, den Kurvenausgang zu kontrollieren, da muss man sich daran gewöhnen. Wenn man sich auf die Elektronik verlässt und Vollgas gibt, dann ist das Motorrad stabiler.»

Den größten Unterschied machte der Sky-VR46-Avintia-Fahrer aber in der Bremsphase aus: «Die Karbonbremse vermittelt einem wirklich ein spezielles Gefühl. Meine Bremsweise und mein Stil, wie ich die Vorderbremse verwende, ist nicht der richtige. Da muss ich versuchen mich anzupassen. Das sollte aber kein Problem sein.»

Der Plan für den Samstag steht auch schon: «Wir müssen ein bisschen an meiner Position auf dem Bike arbeiten. Ich fühle mich noch nicht so wohl – der Lenker, der Sitz, der Tank, an diesen Details müssen wir arbeiten, weil ich auf dem Motorrad noch keine natürliche Position einnehmen kann, vor allem in der Kurvenmitte. Darauf möchte ich mich morgen ein bisschen mehr konzentrieren», kündigte der 1,84 m große Italiener an. «Ich hätte gerne eine höhere Sitzbank, weil der Kniewinkel noch nicht ausreicht, ich habe nicht genug Platz. Ich möchte das Motorrad ein bisschen mehr zu meinem machen. Es ist nichts Großes, mehr ein Gefühl. Es geht beispielsweise darum, jeden Hebel so zu platzieren, wie ich es will. Ich möchte auch gerne einen anderen Sitz. Ich weiß nicht, ob es möglich ist, aber ich habe auch bei Ducati nachgefragt. Aber wenn es nicht geht, ist es auch kein Problem. Ich kann mich anpassen. Denn abgesehen von Jorge Lorenzo, der viel an diesem Aspekt gearbeitet hat, kamen alle anderen Fahrer mit dem zurecht, was Ducati gebracht hat.»

Am ersten offiziellen IRTA-Testtag wird Marini auch erstmals mit seinem Halbbruder Valentino Rossi in einer MotoGP-Session auf der Strecke sein. «Ja, das ist cool, mal sehen. Ich schlafe deswegen aber trotzdem heute Nacht, ich habe damit nie Probleme», betonte er am Freitagabend.

MotoGP-Shakedown-Test, Katar, 5. März

1. Stefan Bradl, Honda, 1:55,614 min
2. Cal Crutchlow, Yamaha, + 1,236 sec
3. Test 1, Yamaha, + 1,518
4. Enea Bastianini, Ducati, + 2,437
5. Michele Pirro, Ducati, + 2,442
6. Test 3. Yamaha, + 2,624
7. Lorenzo Savadori, Aprilia, + 2,659
8. Luca Marini, Ducati, + 2,762
9. Sylvain Guintoli, Suzuki, + 3,000
10. Jorge Martin, Ducati, + 3,261
11. Dani Pedrosa, KTM, + 3,441
12. Takuya Tsuda, Suzuki, + 5,776
keine Zeit: Aleix Espargaró

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