Fabio Quartararo (Yamaha/2.): «Habe alles gegeben»

Von Günther Wiesinger
WM-Leader Fabio Quartararo liegt nach Platz 2 in Misano immer noch 48 Punkte vor Sieger Bagnaia (Ducati). «Ich habe schon am Anfang gefightet wie sonst in der letzten Runde», seufzte der Yamaha-Star.

Fabio Quartararo zeigte schon 2019 in seiner ersten MotoGP-Saison weltmeisterliche Leistungen, es war nur eine Frage der Zeit, wann er sich erstmals WM-Leader, WM-Favorit und Weltmeister etablieren würde. 2020 gewann er die ersten beiden Rennen der Saison in Jerez, dann kam er etwas außer Tritt, auch der Ventilskandal von Yamaha spielte dabei eine Rolle, dazu der Druck, in Abwesenheit von Marc Márquez die große Chance zu nutzen.

Aber am Saisonende 2021 stand «El Diablo» nur als WM-Achter da.
In diesem Jahr zeigt sich der Yamaha-Starr wie verwandelt. Er startete in Misano beim 14. Grand Prix zum 13. Mal aus der ersten Reihe, er hat schon fünf Rennen gewonnen, er stand neunmal in diesem Jahr auf dem Podest und überstrahlt alle Yamaha-Kollegen, seinen entnervten Teamkollegen Maverick Viñales vertrieb er schon bei WM-Halbzeit zu Aprilia.

Der deutsche Ex-Weltmeister Dieter Braun bracht die Vorzüge von Quartararo im Frühjahr auf den Punkt. «Fabio ist so schnell wie Marc Márquez, aber er stürzt viel weniger.»

Dazu präsentiert sich der 22-jährige Franzose absolut skandalfrei, er leistet ich keine Mätzchen, er ist nervenstark und hat mit Diego Gubellini einen glänzenden Crew-Chief in der Box, der 19 Jahre bei Gresini Racing tätig war, davon eineinhalb Jahre mit Aprilia für Stefan Bradl, dann ging er zu Marc VDS Honda mit Franco Morbidelli und wechselte nach 2018 zu Petronas-Yamaha, von dort  nach 2020 ins Monster-Yamaha-Werksteam, weil Marc VDS das MotoGP-Team zusperrte.

Fabio betrieb vor 25.000 Zuschauern mit Platz 2 in Misano großartige Schadensbegrenzung, er liegt immer noch 48 Punkte vor Bagnaia. Und auf Strecken wie Portimão und Valencia sollte er mit der Yamaha wieder ausgezeichnete Siegchancen vorfinden.

«Ich denke, das war heute mein bestes Rennen in dieser Saison. Natürlich schmeckt ein Sieg immer süßer, aber ich war noch nie über einen zweiten Platz so glücklich. Nicht wegen der WM-Situation, sondern weil ich alles gegeben habe. Schon in der Anfangsphase beim Kampf gegen Jack und Martin. Ich habe gegen sie gefightet, als wären wir in der letzten Runde. Ich habe Jack an einer Stelle überholt, von der ich nie gedacht hätte, dann man dort jemanden überholen kann. Ich war am Schluss etwas zu weit weg von Pecco, denn er war in den Kurven 4 und 5 deutlich schneller als ich und Jack. Ich wollte ihn in Turn 6 attackieren. Aber ich war zu weit weg. Ich hatte zu viel Wheelspin. Im dritten Sektor ist Pecco in der letzten Rennrunde gefahren wie bei einer ‚time attack‘ um Qualifying. Seine Schräglage in Turn 12 war beängstigend. Da dachte ich: ‚Jetzt ist der Augenblick, wo du Ruhe bewahren und die 20 Punkte heimbringen musst.‘ das war wirklich ein schönes Rennen. Ich habe bisher keinen WM-Lauf mehr genossen als diesen.»

Jorge Lorenzo sagte kürzlich, es sei sehr schwierig, einen klaren Punktevorsprung in der WM vernünftig zu managen. «Ja, ich stimme ihm zu. Ich hatte heute drei, vier Momente, wo ich nahe vor einem Sturz war. und als Jack einmal rausgetragen wurde, bin ich auch weit gegangen, ich habe total das Vorderrad aus der Kontrolle verloren. Pecco hat das ausgenutzt und seinen Vorsprung stark vergrößert. Aber wenn ich Pecco in den Kurve 2, 3 und 13 verfolgen wollte, war ich komplett am Limit.»

«Als ich dann zu Pecco aufgeholt habe, hat mich das Team ausgezeichnet informiert: Es ging von 0,7 sec auf 0,6 sec und auf auf 0,3 sec Rückstand. Das hat mich motiviert! Aber Pecco einzuholen, war eine Sache. Ihn nachher zu überholen, wäre eine andere Geschichte gewesen. Er fährt seine Linien mit höchster Präzision. Ich konnte gegen ihn nichts ausrichten.»

MotoGP-Ergebnis, Misano (19. September)

1. Bagnaia, Ducati, 27 Runden in 41:48,305 min
2. Quartararo, Yamaha, + 0,364 sec
3. Bastianini, Ducati, + 4,789
4. Marc Márquez, Honda, + 10,245
5. Miller, Ducati, + 10,469
6. Mir*, Suzuki, + 10,325
7. Pol Espargaró, Honda, + 13,234
8. Aleix Espargaró, Aprilia, + 15,698
9. Binder, KTM, + 16,129
10. Nakagami, Honda, + 18,519
11. Pirro, Ducati, + 20,373
12. Zarco, Ducati, + 21,066
13. Viñales, Aprilia, + 21,258
14. Bradl, Honda, + 28,142
15. Alex Márquez, Honda, + 30,686
16. Petrucci, KTM, + 32,654
17. Rossi, Yamaha, + 33,853
18. Morbidelli, Yamaha, + 36,272
19. Marini, Ducati, + 36,839
20. Oliveira, KTM, + 37,202
21. Dovizioso, Yamaha, + 42,587

*ein Platz nach hinten («track limits» in der letzten Runde)

Stand Fahrer-WM nach 14 von 18 Rennen:

1. Quartararo 234 Punkte. 2. Bagnaia 186. 3. Mir 167. 4. Zarco 141. 5. Miller 140. 6. Binder 124. 7. Aleix Espargaró 104. 8. Viñales 98. 9. Marc Márquez 92. 10. Oliveira 87. 11. Martin 71. 12. Nakagami 70. 13. Rins 68. 14. Pol Espargaró 64. 15. Bastianini 61. 16. Alex Márquez 50. 17. Morbidelli 40. 18. Lecuona 38. 19. Petrucci 37. 20. Marini 28. 21. Rossi 28. 22. Bradl 13. 23. Pirro 8. 24. Pedrosa 6. 25. Savadori 4. 26. Rabat 1.

Konstrukteurs-WM:

1. Ducati 275 Punkte 2. Yamaha 262. 3. Suzuki 184. 4. KTM 178. 5. Honda 148. 6. Aprilia 105.

Team-WM:

1. Monster Energy Yamaha 329 Punkte. 2. Ducati Lenovo 326. 3. Suzuki Ecstar 235. 4. Pramac Racing 216. 5. Red Bull KTM Factory Racing 211. 6. Repsol Honda 163. 7. LCR Honda 120. 8. Aprilia Racing Team Gresini 111. 9. Esponsorama Racing Ducati 89. 10. Tech3 KTM Factory Racing 75. 11. Petronas Yamaha SRT 68.


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