Enea Bastianini: Warum er Aprilia-Werk einen Korb gab

Von Günther Wiesinger
Enea Bastianini zählt zu den begabtesten jungen Fahrern in der MotoGP-WM. Obwohl ihn Aprilia Racing mit einer Traumgage lockte, fährt er 2022 beim Gresini Ducati-Team.

Enea Bastianini gehörte vor einem Jahr zu jenen Piloten der jungen Generation, die von Ducati Corse im Zuge der MotoGP-Verjüngungskur unter Vetrag genommen und ins Avintia Esponsorama Team von Raúl Romero gesteckt wurde. Als Nachfolger vom Johann Zarco, der ins Pramac-Team aufrücken durfte. «La Bestia» gehörte 2021 zu jenen fünf Fahrern, die direkt beim Ducati-Werk unter Vertrag standen – wie Bagnaia, Miller, Zarco und Martin. Nur Luca Marini hatte und hat keinen Ducati- Werksvertrag.

Die Verpflichtung der jungen Löwen wie Jorge Martin und Enea Bastianini entpuppte sich für Ducati als Volltreffer, denn das Duo landete in der WM 2021 auf den Plätzen 9 und 11. Während Jorge Martin sogar in Spielberg einen GP-Sieg feierte, ließ Bastianini immerhin mit zwei starken dritten Plätzen in Misano-1 und Misano-2 aufhorchen.

Der Moto2-Weltmeister von 2020 weckte sogar Begehrlichkeiten bei Aprilia Racing. Im Frühjahr 2021 wurde offenkundig, dass das Werk aus Noale den inzwischen 24 Jahre alten Italiener gerne für 2022 als Teamkollegen von Aleix Espargaró verpflichten wollte, denn nach den Reinfällen mit Sam Lowes, Scott Redding, Andrea Iannone, Bradley Smith und Lorenzo Savadori sollte endlich ein schlagkräftiger Teamkollege für Aleix engagiert werden.

Obwohl Bastianini bei Ducati einem Zwei-Jahres-Vertrag bis Ende 2022 hat, ließ Aprilia-Renndirektor Massimo Rivola (er hatte inzwischen auch Andrea Dovizioso als Testfahrer verpflichtet) nicht locker.

Inzwischen hat SPEEDWEEK.com herausgefunden: Aprilia Racing war sogar bereit, für Bastianini an Ducati den vertraglich festgelegten Penalty von 700.000 Euro zu bezahlen und dem Talent zudem dessen auf 750.000 Euro hochgeschraubte Fahrergage von 750.000 überweisen. Aber der MotoGP-Rookie lehnte trotzdem ab – und blieb für eine geringere Gage bei Ducati, wegen der besseren Erfolgsaussichten. Aprilia tröstete sich danach mit Maverick Viñales.

KTM: Martin ging, Acosta und Fernández blieben

Inzwischen ist es keine Seltenheit mehr, dass Fahrer aus gültigen Verträgen heraus gekauft werden. Als Jorge Martin für 2021 trotz KTM-Vertrags zu Ducati wollte, gab ihn KTM für 70.000 Euro frei.

Denn er hatte im Vertrag eine Klausel, wonach er gehen darf, wenn KTM zu einem gewissen Zeitpunkt (Ende Juni) in der MotoGP-WM nicht in den Top-Ten liegt. Die WM begann damals wegen Corona erst am 19. Juli in Jerez, also nahm Martin Reißaus…

Das Sky VR46-Team wollte den späteren Moto3-Weltmeister Pedro Acosta im Sommer 2021 von Red Bull KTM-Ajo in Rossis Moto2-Team lotsen, aber gab KTM nicht klein bei. Die Innviertler lösten die Option ein und transferierten den 17-jährigen spanischen Überflieger für 2022 ins Red Bull KTM-Moto2-Team von Aki Ajo.

Rául Fernández wurde nicht an Petronas-Yamaha freigegeben, obwohl Yamaha für die Freigabe 500.000 Euro bezahlen und dazu noch eine Fahrergage von 500.000 für die Saison 2022 bei dem hoch talentierten Fernández abliefern wollte, der im Vorjahr als Moto2-Rookie acht GP-Siege gefeiert hat, einen mehr als Marc Márquez in seiner Moto2-Debütsaison 2011.

La Bestia will hoch hinaus

Enea Bastianini muss jetzt beim Team Gresini Racing MotoGP 2022 hohe Erwartungen erfüllen. Gigi Dall’Igna und Teamchefin Nadia Padovani wollen Podestplätze sehen. «La Bestia» selbst hat sich einen Gesamtrang unter den Top-5 als Ziel gesetzt.

Der Ducati-Hoffnungsträger weiß aber, wo er sich verbessern muss – in den Qualifyings. Er hat nämlich im BMW Best Qualifyer Award nur Rang nur Rang 19 erreicht, während er die Fahrer-WM als Elfter abgeschlossen hat.

Nur bei neun von 18 Rennen ist Enea im Vorjahr von einem Platz in den Top-15 gestartet, nur einmal drang er im Quali unter die Top-10 vor – als Neunter in Aragón.

Doch in Misano marschierte Bastianini in beiden Grands Prix trotz der Startplätze 12 und 16 noch unter die Top-3.

Danach begehrte er bei Gresini und Ducati eine Werks-Desmosedici des neuesten 2022-Jahrgangs. Aber das Team hatte sich mit Ducati längst auf ein GP21-Modell geeinigt.

Inzwischen wurden dem schnellen Italiener ein paar Evolutions-Teile für seine MotoGP-Ducati zugesagt. Denn Ducati will den hoffnungsvollen Nachwuchsfahrer nach 2022 nicht an die Konkurrenz verlieren. Er könnte dann zu Pramac Ducati befördert werden, wo Zarco mit bald 30 Jahren vom Alter her die Ansprüche eines MotoGP-Juniors nicht erfüllt.

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