Pecco Bagnaia: «So stürzt man in der Moto2 im Nassen»

Von Nora Lantschner
Bei Ducati-Werksfahrer Pecco Bagnaia stehen in den vergangenen fünf MotoGP-Rennen zwei Siege drei Ausfällen gegenüber. Für den Sturz auf dem Sachsenring hatte der Vizeweltmeister keine Erklärung.

Francesco «Pecco» Bagnaia war als Pole-Setter mit großen Hoffnungen in den Deutschland-GP gegangen, stürzte dann aber schon zu Beginn der vierten Runde im Ausgang von Kurve 1, als ihm das Hinterrad wegrutschte. Pecco saß zunächst ungläubig auf dem Asphalt und stapfte dann frustriert zurück an die Box.

Bevor der Italiener in seiner Presserunde über seinen nächsten Ausfall sprach, stärkte er sich im Pressezentrum des Sachsenrings noch mit zwei Wiener Würstchen. «Ich habe heute ja auch viele Kalorien verbrannt», bewies er Galgenhumor. Die anfänglich deutlich sichtbare Wut schien ein wenig verflogen. «Es sind ja auch ein paar Stunden vergangen», gab der 25-Jährige zu bedenken.

Was also war passiert? «Fangen wir mit dem Grundlegenden an: Ich sitze auf dem Motorrad, wenn ich stürze, dann weil ich einen Fehler gemacht habe», schickte Bagnaia voraus. «Aber die Dynamik war mit Sicherheit sehr merkwürdig. Es kommt in der heutigen MotoGP selten vor, dass man Fahrer sieht, die sich bei der Beschleunigung drehen. Ich bin an diesem Wochenende jeden Tag rund 70 Runden gefahren und nie ist etwas Ähnliches passiert. Ich hatte es gar nicht erwartet und war daher auch ziemlich aufgebracht. Auch jetzt bin ich noch sehr wütend – vor allem, weil ich keine Erklärung für den Sturz habe.»

«In dem Moment, in dem ich anfing das Gas aufzudrehen, habe ich mich gedreht. So stürzt man mit dem Moto2-Bike im Nassen», war der Moto2-Weltmeister von 2018 ratlos. «Ich bin ein Fahrer, der selbstkritisch ist, wenn er einen Fehler gemacht hat, und die eigenen Fehler akzeptiert. Heute fällt es mir aber sehr schwer. Ich gehe den Moment im Kopf immer und immer wieder durch, um eine Erklärung zu finden. Leider sehe ich aber nichts, von dem ich sagen könnte: Das war’s.»

«Wenn man sich die Bilder oder die Daten anschaut, dann bin ich in der Runde sogar etwas sanfter ans Gas gegangen. Trotzdem bin ich gestürzt. Entweder waren die Bedingungen wirklich sehr schwierig… Wenn ich mir anschaue, wie ich in den ersten Runden gefahren bin, hat mir das aber keine Sorgen gemacht», grübelte der zweifache Saisonsieger.

«Ich glaube nicht, dass es eine Möglichkeit gibt, um diesen Sturz zu verstehen. Ich habe etwas härter gebremst, aber noch im Rahmen. Ich habe das Motorrad gut gestoppt, ich bin ja auch nicht über die Front gestürzt. Als ich die Bremse gelöst habe und angefangen habe, das Gas aufzudrehen, habe ich mich auch schon gedreht. Die Traktionskontrolle hatte da schon eingegriffen. Man kann also auch nicht sagen, dass die Elektronik nicht funktioniert hat. Offensichtlich war der Grip-Level heute niedriger, aber normalerweise bekommst du eine Vorwarnung, bevor du so stürzt. Ich habe mich einfach gedreht.»

«Es ist sehr schade, weil wir eine weitere Chance weggeworfen haben», ärgerte sich der Ducati-Star. «Bis zum Rennen war es ein perfektes Wochenende. Wir waren einmal mehr bei den Stärksten oder vielleicht sogar die Stärksten. Fabio zeigt aber immer mehr, dass er der kompletteste ist.»

Nach der vierten Nullnummer der Saison wuchs Bagnaias Rückstand auf WM-Leader Fabio Quartararo auf 91 Punkte an. «Es war ja schon vorher schwierig, mit 66 Punkten Rückstand. Jetzt ist es mit Sicherheit noch viel schwieriger», weiß der Vizeweltmeister. «Wir haben aber noch zehn Rennen und versuchen, das Maximum herauszuholen und so weit wie möglich vorne zu landen.»

MotoGP-Ergebnis, Sachsenring (19. Juni):

1. Quartararo, Yamaha, 30 Rdn. in 41:12,816 min
2. Zarco, Ducati, + 4,939 sec
3. Miller, Ducati, + 8,372
4. Aleix Espargaró, Aprilia, + 9,113
5. Marini, Ducati, + 11,679
6. Martin, Ducati, + 13,164
7. Brad Binder, KTM, + 15,405
8. Di Giannantonio, Ducati, + 15,851
9. Oliveira, KTM, + 19,740
10. Bastianini, Ducati, + 21,611
11. Bezzecchi, Ducati, + 23,175
12. Fernandez, KTM, + 26,548
13. Morbidelli, Yamaha, + 29,014
14. Dovizioso, Yamaha, + 30,680
15. Gardner, KTM, + 30,812
16. Bradl, Honda, + 52,040

MotoGP-Fahrer-WM nach 10 von 20 Grand Prix:
1. Quartararo 172 Punkte. 2. Aleix Espargaró 138. 3. Zarco 111. 4. Bastianini 100. 5. Brad Binder 82. 6. Bagnaia 81. 7. Miller 81. 8. Rins 69. 9. Mir 69. 10. Oliveira 64. 11. Martin 61. 12. Marc Márquez 60. 13. Marini 52. 14. Vinales 46. 15. Pol Espargaró 40. 16. Nakagami 38. 17. Bezzecchi 35. 18. Alex Márquez 26. 19. Morbidelli 25. 20. Di Giannantonio 16. 21. Darryn Binder 10. 22. Dovizioso 10. 23. Gardner 9. 24. Raúl Fernández 5.

Konstrukteurs-WM:
1. Ducati 221 Punkte. 2. Yamaha 172. 3. Aprilia 139. 4. KTM 110. 5. Suzuki 93. 6. Honda 81.

Team-WM:
1. Monster Energy Yamaha 197 Punkte. 2. Aprilia Racing 184. 3. Prima Pramac Racing 172. 4. Ducati Lenovo Team 162. 5. Red Bull KTM Factory 146. 6. Suzuki Ecstar 138. 7. Gresini Racing 116. 8. Repsol Honda 100. 9. Mooney VR46 Racing 87. 10. LCR Honda 64. 11. WithU Yamaha RNF 20. 12. Tech3 KTM Factory 14.

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Happy Birthday, Marc Márquez!

Werner Jessner
Mit 31 Jahren startet der achtfache Weltmeister in den Herbst seiner Karriere. Möge er uns noch lange erhalten bleiben. Die MotoGP wäre sehr viel ärmer ohne ihn.
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