VR46-MotoGP-Team: Bahnt sich ein Yamaha-Deal an?

Von Günther Wiesinger
Wollte Yamaha den Vertrag mit dem RNF-Kundenteam nur ein Jahr verlängern, weil mit Valentino Rossi für 2024 ein Kundenteam geplant wird? In der Moto2 existiert bereits eine Zusammenarbeit mit dem VR46-Team.

Das Yamaha MotoGP-Werksteam hat bei den letzten zehn Rennen 2022 nur noch einen Podestplatz erreicht, dank Platz 3 durch Fabio Quartararo in Sepang. Und die Fahrer-Weltmeisterschaft ging trotz haushoher Führung im Juni beim Finale in Valencia noch klar an Pecco Bagnaia und Ducati verloren.

Außerdem wird Yamaha 2023 erstmals in der MotoGP-Ära ohne Satellitenteam auftreten, denn das RNF-Team ist für die nächsten zwei Jahre zu Aprilia Racing übergelaufen. «Wir werden nächstes Jahr definitiv nur zwei Bikes auf dem Grid haben», sagt Lin Jarvis, der Managing Director von Yamaha Motor Racing. «Das ist nicht die beste Option… Aber es ist auch nicht ganz so schlimm, denn wir müssen uns darauf konzentrieren, das Werksmotorrad für Fabio und Franco zu verbessern. Aber es wäre trotzdem von unbezahlbarem Wert, wenn wir bald wieder Daten von zusätzlichen MotoGP-Fahrern bekommen könnten...»

Das RNF-Team von Razlan Razali bekam für 2022 von Yamaha nur einen Ein-Jahres-Vertrag. Und da sich Sponsor WithU bereits im vergangenen April in finanzieller Schieflage befand, bot Yamaha auch für die Zukunft keinen langfristigen Vertrag an. Jarvis: «Die finanzielle Situation bei RNF war sehr, sehr delikat. Trotzdem haben wir angeboten, auf der Basis von Ein-Jahres-Verträgen weiterzuarbeiten. Doch Razlan wollte mehr und bekam das auch. Er hat eine gute Zusage von Aprilia bekommen. Ich denke, der Deal geht über zwei Jahre mit Option auf zwei weitere. das ist kein schlechtes Angebot. Ich verstehe, warum er diese Entscheidung getroffen hat. Ich verstehe auch, warum sich Aprilia diese Gelegenheit nicht entgehen ließ. Aber Yamaha wollte die Zusammenarbeit nur für ein Jahr verlängern.»

Durch die langjährige Verbindung von Valentino Rossi und Yamaha wird natürlich heftig spekuliert, ob das Mooney VR46-Team (Marini, Bezzecchi) des neunfachen Weltmeisters, der 16 Jahre lang für Yamaha in der Königsklasse antrat, nicht so bald wie möglich von Ducati auf Yamaha umsteigen könnte. Am besten 2024, obwohl der Drei-Jahres-Vertrag mit Ducati bis Ende 2024 läuft.
Lin Jarvis lässt sich nicht in die Karten blicken, wie weit die Gespräche gediehen sind. Er räumt aber im Gespräch mit SPEEDWEEK.com ein:

«Es ist zu früh, um über Details zu sprechen. Aber Yamaha möchte zum frühestmöglichen Zeitpunkt wieder ein Satellitenteam in der MotoGP-WM ausrüsten. Das kann ich bestätigen. Wir möchten so bald als möglich wieder mit vier Bikes auf dem Startplatz zurück sein.»

Aus Dorna-Kreisen ist zu hören, dass jedes Werk, das ein Satellitenteam in die WM schickt, zusätzlich drei Millionen Euro bekommt. Dieses nette Sümmchen geht Yamaha 2023 verloren, und dazu die Leasingraten, die bei ca. 2,2 Millionen Euro liegen, wobei die Gebraucht-Motorräder wie in diesem Jahr das 2021-M1-Bike von Darryn Binder preiswerter vermietet werden.
«Ich kann diesen Betrag nicht bestätigen. Aber das Geld ist nicht die Motivation, die uns antreibt, wenn wir wieder ein Kundenteam haben möchten», erklärte Lin Jarvis.

Yamaha Motor Racing und die VR46 Riders Academy arbeiten schon beim Moto2-Masters-Team zusammen, das von der Rossi-Truppe gegen Bezahlung betrieben wird.

Vielleicht wollte Yamaha auch deshalb nur ein weiteres Jahr mit Razali und der RNF-Mannschaft zusammenarbeiten, weil hinter den Kulissen für 2024 längst Pläne mit Valentino Rossi geschmiedet werden.

Die Bilanz von Rossi in der Königsklasse

2000: WM-2. auf Honda 500, 209 Punkte, zwei GP-Sege
2001: WM-1. auf Honda 500, 325 Punkte, elf Siege
2002: WM-1. auf Honda 990, 355 Punkte, elf Siege
2003: WM-1. auf Honda 990, 357 Punkte, neun Siege
2004: WM-1. auf Yamaha 990, 304 Punkte, neun Siege
2005: WM-1. auf Yamaha 990, 367 Punkte, elf Siege
2006: WM-2. auf Yamaha 990, 247 Punkte, fünf Siege
2007: WM-3. auf Yamaha 800, 271 Punkte, vier Siege
2008: WM-1. auf Yamaha 800, 373 Punkte, neun Siege
2009: WM-1. auf Yamaha 800, 306 Punkte, sechs Siege
2010: WM-3. auf Yamaha 800, 233 Punkte, zwei Siege
2011: WM-7. auf Ducati 800, 139 Punkte, kein Sieg
2012: WM-8. auf Ducati 1000, 163 Punkte, kein Sieg
2013: WM-4. auf Yamaha 1000, 237 Punkte, ein Sieg
2014: WM-2. auf Yamaha 1000, 295 Punkte, zwei Siege
2015: WM-2. auf Yamaha 1000, 325 Punkte, vier Siege
2016: WM-2. auf Yamaha 1000, 249 Punkte, zwei Siege
2017: WM-5. auf Yamaha 1000, 208 Punkte, ein Sieg
2018: WM-3. auf Yamaha 1000, 198 Punkte, kein Sieg
2019: WM-7. auf Yamaha 1000, 174 Punkte, kein Sieg
2020: WM-15. auf Yamaha 1000, 66 Punkte, kein Sieg
2021: WM-19. auf Yamaha 1000, 4 Punkte, kein Sieg

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