Brad Binder (KTM): Keine Gedanken über die Gegner

Von Günther Wiesinger
Brad Binder: 2022 dreimal Zweiter, aber ohne Sieg, dafür WM-Sechster wie 2021

Brad Binder: 2022 dreimal Zweiter, aber ohne Sieg, dafür WM-Sechster wie 2021

Red Bull-KTM-Werkspilot Brad Binder verrät, warum er die MotoGP-Rivalen nicht beobachtet oder bewundert. Und er erzählt, warum Jack Miller für KTM wertvolle Dienste leisten kann.

Brad Binder zählt zu den besten MotoGP-Fahrern der Gegenwart. Stefan Pierer, Vorstandsvorsitzender der Pierer Mobility AG, und Vorstandsmitglied Hubert Trunkenpolz rechnen ihn sogar zu den Top-3-Piloten. Kein Wunder: Der 27-jährige Südafrikaner hat für KTM über alle drei Klassen hinweg bereits 17 GP-Siege errungen, er war 2016 Moto3-Weltmeister und 2019 Moto2-Vizeweltmeister. Dazu hat der unerschrockene Draufgänger 2020 in Brünn (bei seinem erst dritten Einsatz auf der RC16) für den ersten MotoGP-Triumph von KTM gesorgt. Und 2021 hat er mit dem überaus beherzten MotoGP-Sieg im verregneten Österreich-GP in Spielberg zwei bis dahin unerfreuliche Wochenende in der Steiermark für KTM gerettet. Auch die beiden sechsten MotoGP-Gesamtränge 2021 und 2022 können sich sehen lassen. 

Brad Binder ist bei Aki Ajo in den zwei kleinen Klassen durch eine harte Schule gegangen. Er hat gelernt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Im Herbst hat «Brad Attack» für leichte Verwunderung gesorgt, als er die Frage, ob er irgendeinen MotoGP-Fahrer bewundere oder ein Vorbild habe, strikt und ohne langes Nachdenken rigoros verneinte.

Hat Brad auch vor Fahrern wie Fabio Quartararo und Marc Márquez, die ihre Markenkollegen meist deutlich blamieren, keinen Respekt?

«Um ehrlich zu sein, ich kümmere mich in erster Linie um mich selbst», erklärte Brad Binder im Interview mit SPEEDWEEK.com. «Ich bemühe mich, vorrangig mein eigenes Tun auf der Piste zu beobachten. Ich mache mir über die anderen keine Gedanken. Wenn du dir über deine Konkurrenten Sorgen machst, schaust du schon auf das falsche Gebiet. Ich fokussiere mich ganz auf das, was ich kontrollieren kann. Also auf mich selbst an meiner Seite der Box und auf meine Technik-Crew. Das ist die Art und Weise, wie ich an ein Rennwochenende und an mein Racing generell herangehen möchte.»

Binder befasste sich deshalb auch nicht sehr mit der Performance seines Teamkollegen Miguel Oliveira, dessen Platz jetzt Jack Miller übernimmt, der mit vier MotoGP-Siegen ein Rennen in der «premier class» weniger gewonnen hat als der Portugiese.

«Natürlich teilst du dir mit Teamkollegen an einem GP-Tag immer die Arbeit», schilderte Binder. «Wenn es unterschiedliche Dinge zu testen gibt, landen einige neue Komponenten an meiner Seite der Box, andere in der gegenüber liegenden. Es ist immer wichtig, dass zusammengearbeitet wird, um den gesamten Prozess der Abstimmung und Entwicklung zu beschleunigen. Ich hatte ein wirklich, wirklich gutes Verhältnis mit Miguel. Wir waren schon in den zwei kleinen Klassen bei Aki Ajo über so viele Jahre Teamkollegen. Ich wünsche ihm das Beste für den nächsten Schritt. Ja, und Jack ist auch ein wirklich guter Freund von mir. Er bringt einen Berg an Wissen über das Motorrad mit, das man im Moment besiegen muss. Ich glaube, das Gute ist, dass Jack die KTM mit seinem bisherigen Fabrikat vergleichen kann. Ich habe bisher nur die KTM gefahren, was keine schlechte Sache ist. Ich hatte einfach noch keine Gelegenheit zu probieren, wie sich andere Bikes anfühlen.»

Übrigens: Das Verhältnis litt nur 2019 im Oktober einmal kurz, als Brad Binder als Klassenneuling gleich den zweiten Platz neben Pol Espargaró im Red Bull-Factory-Team bekam, während der Portugiese nach der Trennung von Zarco 2020 ein zweites Jahr bei Tech3-KTM absolvieren musste. Er gewann dann dort 2020 die zwei MotoGP-Rennen in Spielberg und Portimão.

Denn im Herbst 2019 hatte Oliveira zuerst vermutet, Testfahrer Mika Kallio werde den Platz von Zarco übernehmen. Doch als beim KTM-Management überraschend die Entscheidung zugunsten von Moto2-Vizeweltmeister Brad Binder fiel, tat Miguel seine Enttäuschung deutlich kund.

Und als Oliveira im Mai 2022 mitgeteilt wurde, er müsse ins Tech3-Team zurückkehren und bei Red Bull Factory Racing für Jack Miller Platz machen, wertete der Portugiese diesen Vorgang als Misstrauensantrag – und entschied sich für RNF-Aprilia.

Dabei bot ihm KTM im August noch einen MotoGP-Werksvertrag für drei Jahre an – mit der doppelten Gage von Aprilia, wie zu hören ist. Zu spät. Miguel hatte bei Aprilia bereits zugesagt.

«Aber der Ärger von Miguel richtete sich damals nicht gegen mich», hält Binder fest. «Ich war ja nicht Derjenige, der die Entscheidungen getroffen hat. Aber ich verschweige nicht, dass ich über diese Entscheidung glücklich war. Sie hat sich für mich bezahlt gemacht. Aber am Ende des Tages bin ich nur ein Fahrer.»


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