Massimo Rivola: «MotoGP soll kein Markenpokal sein»

Von Günther Wiesinger
Aprilia-Renndirektor Massimo Rivola stört es, dass Kontrahent Ducati vier Team ausrüstet, Yamaha aber nur eines. «Es sollte eine maximale Anzahl von Teams pro Hersteller festgelegt werden», fordert Rivola.

Die italienischen Aprilia-Erzrivalen in Borgo Panigale haben jedoch gegenwärtig die erfolgreichsten Motorräder und wollen deshalb mit aller Macht verhindern, dass in das bis Ende 2026 festgeschriebene Technik-Reglement eingriffen wird. Und sie wollen natürlich weiter so viele Teams wie möglich mit den begehrten Desmodsedici-Motorrädern beliefern.

«Aber wenn du allein fährst, hast du keine Show», lautet die knappe Entgegnung von Massimo Rivola. «Die MotoGP soll ja kein Markenpokal werden. Es sind bereits jetzt fast die Hälfte der Startplätze von einem Fabrikat besetzt…»

Der Aprilia-Rennchef meint, Ducati sei bereits zu übermächtig geworden, auch was die Anzahl der Teams (vier) betrifft. Rivola: «Wir sollten einen Kompromiss suchen.»

Es besteht ein Ungleichgewicht, denn Yamaha hat nur noch zwei Bikes im Feld, Ducati fährt seit 2022 (wie zuletzt 2018) wieder mit vier Teams.

«Ich stimme zu, dass eine maximale Anzahl von Teams pro Hersteller festgelegt werden soll», sagt Rivola, der aus der Formel 1 kommt und dort bei der Scuderia Toro Rosso und Ferrari tätig war.

«In der Formel 1 ist vorgeschrieben, dass jeder Hersteller zwei weitere Teams mit Antriebseinheiten und Getrieben beliefern darf. Wenn du ein weiteres Team ausrüsten willst, müssen alle anderen Konstrukteure zustimmen», weiß Rivola. «Das ist eine recht simple Vorschrift, und sie funktioniert.»

So rüstet Mercedes zum Beispiel noch McLaren, Williams und Aston Martin mit Antriebseinheiten aus. Die Scuderia Ferrari beliefert die Kundenteams Alfa Romeo und Haas; Honda treibt Red Bull Racing und Alpha Tauri an. Und Renault beliefert nur das hauseigene Alpine-Team.

Klar, Mercedes-Antriebseinheiten sind in der Formel 1 nach den Seriensiegen gefragt, außerdem existieren nur vier Motorenhersteller, aber in der MotoGP-WM sind sechs Marken beteiligt (Suzuki wird durch GASGAS) ersetzt, das Ungleichgewicht ist also größer.

Schon beim Sepang-Test wurde offenkundig, dass Ducati bis zu acht Fahrer mit Testaufgaben betrauen konnte, was wegen des vielen Regens besonders wertvoll war. Aprilia hingegen erprobte das neue Material nur mit den Werkspiloten Aleix Espargaró und Viñales, da das CryptoDATA-RNF-Kundenteam mit Bikes des Jahrgangs 2022 fährt. Yamaha hat sein RNF-Kundenteam nach 2022 verloren. Bei GASGAS wurde Rookie Augusto Fernández noch mit Bikes aus dem Vorjahr beliefert, und bei Honda mussten sich die Neuzugänge Mir (Repsol) und Rins (LCR) zuerst einmal mit den neuen Fahrzeugen anfreunden.

So wird die Konkurrenz den technischen Vorsprung von Ducati nie wettmachen können.

«Wenn ich bei Ducati wäre, würde ich alle Tests verbieten lassen», schmunzelte Massimo Rivola. «Denn sie haben bei den Rennen so viele Motorräder auf der Strecke.»

Rivola bedauert insgeheim, dass er Yamaha das RNF-Kundenteam abgeluchst hat, das 2023 mit Miguel Oliveira und Raúl Fernández antritt.

«Denn es ist nicht schön, Yamaha nur mit zwei Motorrädern auf der Piste zu sehen», räumt der Italiener ein. «Deshalb plädiere ich für eine Kontrolle und eine Vorschrift, wie viele Bikes pro Hersteller erlaubt werden.»


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