Julian Bielmeier: Starke Vorstellung in Marienbad

Von Rudi Hagen
Sandbahn
Julian Bielmeier aus Pfaffenhofen

Julian Bielmeier aus Pfaffenhofen

Julian Bielmeier wurde am Wochenende in Marienbad Sechster der tschechischen Langbahnmeisterschaft. Der 18-jährige B-Lizenzler behauptete sich in einem starken internationalen Fahrerfeld.

2019 belegte Julian Bielmeier Platz 5 beim Bahnpokal in Werlte. Beim Grasbahnrennen in Rastede auf der ultraschnellen 1000m-Grasbahn gewann der junge Mann aus Pfaffenhofen die Konkurrenz in der B-Lizenz in überragender Manier. Das beeindruckte auch Egon Müller, der als Moderator das Publikum im Rasteder Schlosspark unterhielt: «Der Junge hat viel Potential, das muss man schon sagen, er könnte eine große Zukunft haben.»

Im Jahr 2020 wirbeln die Auswirkungen der Corona-Pandemie das Leben der Menschen auf dieser Welt durcheinander, auch an einen geregelten Bahnsport war bisher nicht zu denken. Ein erstes Langbahnrennen gab es jetzt in Marienbad. Gesucht wurde der tschechische Meister auf der dortigen 1000 Meter langen Sandbahn. Julian Bielmeier war in einem starken Feld als einziger B-Lizenzler dabei, erreichte das Finale und wurde am Ende Sechster. SPEEDWEEK.com sprach mit dem Bayern, der auf der Langbahn für den «Bund Bayerischer Motorsportler» unterwegs ist.

Julian, wie kam es dazu, dass du in Marienbad starten konntest?

Karel Kadlec hat mich vor einiger Zeit auf Facebook angeschrieben, ob ich Interesse hätte, da habe ich direkt zugesagt. Zwei Wochen vorher konnte ich schon auf der Bahn in Marienbad trainieren.

Gab es da irgendwelche Einschränkungen wegen Corona?

Nein, es gab keine Einschränkungen. So viel ich weiß, gibt es ab 23 Uhr nachts eine Sperre für die Geschäfte. Für das Rennen waren bis zu 5000 Zuschauer zugelassen.

Welche Erwartungen hattest du an das Rennen?

So gut wie keine, ich wollte aber meine Chancen nutzen, so gut es geht, das habe ich dann auch gemacht. Wir wollten das Rennen als Maßstab sehen. Wo stehen wir im Vergleich zu den großen Jungs? Da war ja ein internationales Feld mit GP-Fahrern am Start.

Im ersten Lauf bist du gleich Zweiter hinter Jörg Tebbe geworden.

Ja, das kam unerwartet. Beim Speedway hatte ich vorher viel an meinen Starts trainiert, das kam mir an dem Tag zugute. Aber in Lauf 1 bin in nur als Vierter in die erste Kurve eingebogen, konnte mich dann auf der Gegengeraden noch auf Platz 2 vorarbeiten.

Auf so einer Bahn braucht man einen starken Motor, nicht wahr?

Ja, den hat mir für dieses Rennen Manfred Knappe ausgeliehen. Da muss ich mich bei meinem Mentor und Sponsor Robert Grichtmaier bedanken, über den das gelaufen ist.

Im Semifinale wurdest du Zweiter.

Da hatte ich etwas Glück. Mein Startplatz war rot, das war gut, denn wenn du von Außen starten musst, hast du immer das Problem mit dem Strahl. Das hat auch der Petr Chuplac zu spüren bekommen, als er an die Bande geraten und gestürzt ist. Ich habe das genau mitbekommen, denn er war nur fünf Meter neben mir. Und dann ist später noch der Theo Pijper ausgefallen.

Was hast du vor dem Finale gedacht?

Na, ich wusste, dass da für mich nicht mehr zu holen war, denn alle anderen außer mir hatten ja Erfahrungen im Grand Prix. Ich musste natürlich von ganz außen starten, kam auch nicht so gut weg und habe dann kurz das Gas zugemacht, um nach innen reinzukommen. Ich habe dann versucht, einigermaßen Anschluss zu halten, aber da war nicht viel mehr drin für mich.

Aber Platz 6 in der tschechischen Meisterschaft bei diesem starken Fahrerfeld ist doch ein toller Erfolg. Was dachtest du nach dem Finallauf?

Ich muss ehrlich sagen, als das Rennen vorbei war, habe ich es zuerst gar nicht so aufgenommen, wie es gelaufen ist. Hätte mir jemand vor dem Rennen gesagt, dass ich ins Finale komme und den Tag mit Platz 6 abschließe, dann hätte ich das nicht geglaubt. Ich war dann natürlich glücklich. Das war eine Bestätigung, dass das ganze Training und der ganze Aufwand nicht umsonst war.

Hattest du denn im Vorfeld Trainingsmöglichkeiten?

Ja, ich hatte vorher viel Training. Ich war vor der Corona-Pandemie schon in Goričan in Kroatien, danach hatte ich das Glück, dass ich mit Ronny Weis aus Meißen in engem Kontakt war. Die haben so ziemlich als erste angefangen mit den Trainings und sich darum gekümmert, dass es weitergeht. Wir sind dann da das allererste Training gefahren und später auch das Geisterrennen. Ich war eigentlich gut vorbereitet.

Welche Erwartungen hast du noch an diese Saison?

In Meißen ist demnächst noch ein Rennen, wo bis zu 1000 Zuschauer erlaubt sind, und ich hoffe, dass ich in Tschechien noch ein paar Einsätze bekomme. Dieses Jahr ist im Grunde ein Trainingsjahr. Solange wir keinen Impfstoff in Deutschland haben, ist es schwierig mit den großen Veranstaltungen. Speziell bei uns in Bayern sind die Verhältnisse noch mal schwieriger, denn bei uns geht ja gar nichts mit Zuschauern.

Wie sind deine Ambitionen in Bezug auf Speedway?

Die letzten Jahre war das bei mir in dieser Beziehung nicht so gut, in diesem Jahr habe ich in den Trainings gemerkt, dass es aufwärts geht. Von der Technik her bin ich besser geworden, ich wurde auch schneller. Ich habe viel trainiert, das Rennen in Meißen ist auch gut gelaufen, ich habe da sogar einen Laufsieg gefahren, in der ganz großen Gruppe mit Ronny Weis, Jörg Tebbe und Richard Geyer. Ich konnte auch ein paar Mal in Landshut trainieren. Ich will da vorankommen und sehen, was es im nächsten Jahr für Möglichkeiten gibt.

Denkst du, dass in diesem Jahr noch ein Langbahnrennen stattfinden wird?

Nein, in Deutschland zumindest glaube ich nicht. Es gibt auch fast keine Trainingsmöglichkeiten, nur in Parchim oder Wagenfeld. Warum die anderen Clubs das nicht anbieten, weiß ich nicht, die Möglichkeiten gäbe es doch.

Wird die Europameisterschaft und ein oder zwei Grands Prix tatsächlich gefahren?

Ich weiß nicht, wie das ablaufen soll. Das ist schwierig für die Veranstalter, wenn ohne Zuschauer gefahren werden muss.

Wann nimmst du dir eine A-Lizenz?

Man hat in Marienbad gesehen, dass ich mitfahren könnte, aber ich glaube, es wäre jetzt noch zu früh und überstürzt, direkt in die A-Lizenz zu gehen. Ich will erstmal in der B-Lizenz das erreichen, was möglich ist. Ich will mir noch Zeit lassen. Es gab schon viele Fahrer, die auf einen Schlag schnell und gut waren, aber dann übermütig geworden sind. Nach einiger Zeit war da gar nichts mehr. So will ich das nicht machen.

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