BMW-Rennchef fürchtet: «Unter 100.000 € geht nichts»

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM
In den kommenden Wochen wird das Reglement für die Superbike-WM ab 2018 fixiert. «Es muss mehr Komponenten mit Kostendeckel geben», verlangt BMW-Rennchef Marc Bongers.

Über die Jahre unterbreitete Superbike-WM-Promoter Dorna der MSMA zahlreiche Vorschläge zur Kostenreduktion und mehr Seriennähe, doch in dem Zusammenschluss der Hersteller ist kaum Einigkeit zu erzielen. Deshalb sprach Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta Mitte Juni ein Machtwort und gab damit die zukünftige technische Richtung der Superbike-WM vor.

Es wird keine Superstock-Meisterschaft geben, also keine Klasse mit minimal modifizierten Serienmaschinen. Änderungen am Chassis und der Schwinge werden auch zukünftig erlaubt sein, zum Beispiel der Tank darf ebenfalls verändert werden.

Für Bremsen, Federelemente und die Elektronik gibt es ohnehin seit Jahren spezielle Homologationen und einen Kostendeckel, auch dürfen in der Superbike-WM eingesetzte Motorräder in der Serienversion maximal 40.000 Euro kosten.

«Wenn wir nach Superstock-Reglement fahren, dann wird es in der Regel so sein, dass der Hersteller, der grade ein neues Motorrad herausgebracht hat, vorne ist», meint BMW-Rennchef Marc Bongers. «Deshalb muss man eine gewisse Freiheit lassen, wo man sein Serienmotorrad anpassen kann. Einer unserer Vorschläge ist, eine gewisse Drehzahl über der der Serienmaschine festzusetzen. In Sachen Motor und Chassis glaube ich, dass es in die richtige Richtung geht. Die Anzahl der Möglichkeiten muss eingeschränkt werden, es müssen für mehr Komponenten Kostendeckel kommen. Und auch die Kits, die von den Topteams oder Herstellern verwendet werden, müssen für alle verfügbar sein, und das mit einem Kostendeckel. Es darf keine 20 Kits im Jahr geben, sondern einen oder zwei.»

«Die Einheitselektronik ist für uns ein Riesenthema, offiziell gibt es dazu von der Dorna aber noch nichts», so Bongers im Exklusiv-Interview mit SPEEDWEEK.com. BMW setzt wie Aprilia und Honda in der Superbike-WM auf eine hauseigene Elektronik.

Marc, wenn ihr für zwei Rennfahrer in der Superbike-WM eure Motoren auf eine Einheits-Elektronik von Magneti Marelli adaptieren müsst, macht ihr das? Oder schließt ihr das generell aus?

Das müssen wir intern diskutieren, das kann ich so nicht sagen. Das Eine ist, machen wir da mit? Das Andere ist, wo verlagern wir unser Entwicklungsfeld hin?

In der Britischen Superbike-Meisterschaft musstet ihr eure Motoren an die Einheits-Elektronik von Motec anpassen. Wie groß ist dieser Aufwand?

Wenn wir nur die Abstimmung machen auf unsere Motoren, dann bist du schnell bei 100 oder 150.000 Euro. Darunter geht nichts. Man muss sich einarbeiten auf die Systeme, und die Systeme auf den Prüfständen in Betrieb nehmen. Dann muss man die Software verstehen, was kann man da alles einstellen. Und welche Softwareänderungen brauche ich, damit dieses System auf meinen Motor passt. Wenn das alles passt, und der Motor zum laufen gebracht werden kann, dann fängt die Abstimmung an.

Die erste Phase würde so aussehen, dass ihr mit Spezialisten von Magneti Marelli zusammensitzt und euren Motor damit zum Laufen bringt? Und im zweiten Schritt schickt nicht mehr BMW seine Elektronik-Experten zu seinen Teams, sondern Marelli?

Ja. Das hängt natürlich davon ab, ob wir dann in dieser Meisterschaft vertreten sein werden oder sein wollen. Wenn wir sagen, dass wir Werksunterstützung machen, dann ist die Frage, ob wir die Elektronik beim Team lassen. Das ist ein neues Thema. Wenn die Einheits-Elektronik kommt, dann müssen wir intern diskutieren, wie wir das abfangen möchten.

Fakt ist natürlich, dass für uns daran kein Interesse besteht. Wieso sollte ich einen Mann das ganze Jahr lang um die Welt schicken, damit er uns etwas appliziert, was uns nichts bringt?

Zur Gefahr BMW zu verlieren meinen die Dorna-Manager, dass ihr bereits 2013 ausgestiegen seid.

Althea ist kein Werksteam, sondern ein werksunterstütztes Team. So wie wir ein Team im Rahmen des Kundensportprogramms unterstützen können.

Motor und Elektronik kommen bei BMW direkt vom Werk. Euer Werkseinsatz ist damit größer als der von Honda oder MV Agusta.

Das kommt zwar 100-prozentig vom Werk, das Material ist aber nicht nur für dieses Team, es kann von jedem gekauft und bedient werden.

Wenn das die Sicht der Dorna ist, dann ist das bitter – oder enttäuschend. Sicherlich sehen die gerne alle Werke in der Superbike-WM vertreten. Fakt ist aber, dass wir kein Werksteam haben und das auch nicht geplant ist.

Althea hat seit Wochen einen BMW-Vertrag vorliegen und noch nicht unterschrieben. Wenn die Regeländerungen entsprechend ausfallen könnte es sein, dass er Vertrag hinfällig wird?

Wenn es soweit ist, müssen wir diskutieren, wie wir vorgehen. Erst mal braucht es eine Bestätigung von der Dorna, was umgesetzt wird. Dann fragen wir uns, ob wir das mitmachen wollen und ob wir das unseren Teams anbieten können.

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