Steve Jenkner (Öhlins): «Wären weg zum Kühe hüten»

Von Ivo Schützbach
Seit vielen Jahren arbeitet der ehemalige GP-Pilot Steve Jenkner in der Superbike-WM als Service-Techniker von Öhlins Suspension für das Honda-Werksteam. Weshalb ihm die Coronakrise weniger weh tut als anderen.

Der Auftakt der Superbike-WM 2020 ging am letzten Februar-Wochenende in Australien noch reibungslos über die Bühne, seither herrscht wegen der Covid-19-Seuche auch in dieser Meisterschaft Stillstand. Viele Mechaniker, die von ihren Teams pro Rennen bezahlt werden und keine andere Einkommensquelle haben, sind in finanzielle Not geschliddert.

«Wir haben Jahresverträge», schilderte Steve Jenkner, der für Federelemente-Hersteller Öhlins als Service-Techniker arbeitet und für das Honda-Werksteam mit Alvaro Bautista und Leon Haslam zuständig ist. «Natürlich könnte man uns ganz leicht nicht bezahlen», ist dem Sachsen bewusst. «Sie wissen aber auch, dass sie ihre Spezialisten wieder brauchen, sobald es grünes Licht gibt. Bei mir ist es relativ easy, weil ich einen Laden direkt am Sachsenring habe. Wir haben Zubehör und Rennsportteile und sind ein Service-Center für Öhlins. Ich mache auch Harleys und Africa Twins und könnte mich auch so ernähren. Aber bestimmt dreiviertel von den anderen haben nichts, die sind von diesem Job abhängig. Wenn du solche Leute nicht bezahlst, und die sind dann weg und gehen in Australien zum Mauern oder Kühe hüten, dann steht Öhlins und auch jede andere Firma auf dem Schlauch, wenn es weitergeht. Also versuchen sie uns zu halten.»

Jenkners Öhlins-Vertrag beschränkt sich auf die Superbike-WM, «MotoGP wäre mir zu viel», sagte der 43-Jährige gegenüber SPEEDWEEK.com. «Ich hatte meinen Laden eher als den Öhlins-Deal, ich kann deswegen nicht das ganze Jahr weg sein. Ich kümmere mich dieses Jahr ausschließlich um HRC, mein Boss hat mich Honda zugeteilt. Ich habe ja schon die letzten Jahre immer Ten Kate gemacht, die Chefetage von HRC hat die letzten zwei Jahre geschaut, wen sie behalten möchten. Leider blieben nicht viele Leute übrig, weil einige zu sehr an Ten Kate hingen, die konnte man aus politischen Gründen nicht übernehmen. Die Japaner sind so, dass wenn sie einen kennen und du einen guten Stand hast, dann bist du auch lange dabei.»

Honda hat nach über 15 Jahren mit Partner Ten Kate Ende 2018 einen Neubeginn in der Superbike-WM gewagt. Letztes Jahr wurde mit dem Moriwaki-Team gearbeitet, für dieses Jahr kam die neue Triple-R Fireblade und das Superbike-Team wurde dem Repsol-MotoGP-Team von Alberto Puig angegliedert.

«Honda hatte eine wahnsinnige Durststrecke, es ging alles schief, was schiefgehen konnte», meinte Jenkner zu den letzten Jahren. «Da war der Verlust von Nicky Hayden und auch einige Sachen, für die niemand etwas konnte. Jetzt hatten wir mal wieder einen ordentlichen Saisonstart. Man muss bei Honda halt immer sehen, dass nicht nur HRC involviert ist, sondern auch die Serienabteilung. Das ist schwierig, da tun sich die Japaner viel schwer als Ducati. Wenn die in der Superbike-WM gewinnen wollen, dann bauen sie ein Motorrad. Ob das auf der Straße funktioniert oder nicht, ist egal. Honda möchte versuchen ein paar so Motorräder zu verkaufen und vernünftig zu wirtschaften. Für ein reinrassiges Rennmotorrad ist das ein Klotz am Bein. Darin ist immer der Hund begraben. Du musst den Spagat schaffen zwischen etwas das du verkaufen kannst, und das auf der Rennstrecke trotzdem einigermaßen funktioniert. Honda kämpft diesbezüglich mehr, als wir alle wissen.»

Der große Vorteil von Ducati: Selbst wenn deren Motorrad beinahe doppelt so viel kostet wie eine Honda, findet es reißenden Absatz. Während Ducati mit seinen Maschinen bewusst jedes Limit ausreizt und als Ferrari auf zwei Rädern gilt, setzt Honda auch mit der aktuellen CBR1000RR-R auf eine gewisse Massentauglichkeit.

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