Katar hat keinen Schumi

Kolumne von Ivo Schützbach
Superbike-WM
Sonnenaufgang in Katar

Sonnenaufgang in Katar

Arabien ist anders als Europa. Katar ist bezaubernd, überraschend, modern und altmodisch zugleich. Was einem so auffällt, wenn man ein Superbike-Rennen besucht.

Die Fahrkultur der Katari steht der der Italiener kaum nach. Nur, dass viele Italiener Auto fahren können, in Katar diese Art der Fortbewegung aber erst die letzten Jahre zur Regel wurde. Es hat schon einen Grund, dass Italien Ascari hat, wir Schumi und die Katari – niemanden.

Doch als weltoffener Schwabe ist man ja anpassungsfähig. Schliesslich hat man schon mehr gesehen von der Welt, als nur das Ländle. Also raubt man Vorfahrten, blinkt und hupt, wie es einem in den Sinn kommt und sieht alles ein bisschen lockerer, als man das zuhause tut. Nur sollte man nicht gerade dem regierenden Scheich die Vorfahrt nehmen. Oder einem seiner 21 Neffen. Oder einem vom Staatsschutz. Aber so viele Katari gibt es in Katar ja nicht. Die Ausländer sind bei weitem in der Überzahl. Da falle auch ich nicht weiter auf.

Im Auto fällt einem auf: Schaltgetriebe sind in Arabien out. Warum auch arbeiten, wenn es auch so geht. Ist wie in den USA. Wobei, an Bequemlichkeit gewöhnt man sich ja schnell. Also: Radio an. Spätestens jetzt kommt das grosse Erwachen. Es gibt nur einen internationalen Sendern, der rauscht leider dauernd. Weit entfernt hört man Britney Spears quieken. Doch im Gegensatz zu dem arabischen Katzenjammer, der sonst auf allen Sendern läuft, ist die Skandalnudel geradezu ein Ohrenschmaus. Okay, bei Musik kann man über Geschmack streiten. Aber sorry, die Katari haben keinen.

Sehr beeindruckend in Katar ist der Mix aus Moderne und Traditionalismus. Die Katari bauen zwar auch wie die Weltmeister, sind aber lange nicht so abgehoben wie die Herrscher in Dubai oder Abu Dhabi. In Katar geht es bodenständiger zu. Hier wird auch nicht Formel 1, sondern Superbike-WM und MotoGP gefahren. In der Wüste. Mitten in der Wüste. Im Umkreis von 20 km gibt es ausser ein paar Ölpumpen – und viel Sand - nichts. Man ist stolz auf die Rennstrecke, schliesslich gab es früher keine Motorsport-Kultur im Land. Langsam erwacht diese aber zum Leben – und wird von höchster Regierungsstelle unterstützt. Das normale Volk interessiert sich – bis auf die neunundsechzig Zuschauer an der Strecke – zwar nicht für die Rennen, die Tageszeitungen sind aber gut gefüllt, die Berichterstatter werden jährlich mehr.

Die Fahrer geniessen die Anonymität in Katar. Bei keinem anderen Rennen im Jahr geht es im Fahrerlager so ruhig und relaxt zu. Es ist wie bei Testfahrten, nur dass es auch WM-Punkte gibt. Nützt man die so gewonnene Freiheit, um das Land wenigstens ein bisschen zu erkunden, gibt es einiges zu entdecken.

Da wäre der Himmel - den man leider nie richtig sieht. Hat man in Südafrika oder in der Karibik einen Blick aufs Weltendach, als könne man die Milchstrasse mit den Händen greifen, sieht man in Arabien nur Sand. Die Sonne, oder alternativ der Mond, sind ständig verschleiert. Kein Wunder, bei dem vielen Sand, den es im Wüstenstaat gibt.

Die Wüste selbst ist beeindruckend. Die unendliche Weite und Leere. Nutzen sie manche zum Meditieren, und um das innere Selbst zu finden, kommen mir bei so viel Sand eher Motocross-Motorräder in den Sinn. Oder Sandbahnrennen. Was könnte man hier für prächtige Sandbahnrennen fahren! Das müsste man den Herren bei der FIM vielleicht mal sagen. In Arabien spielt die Musik! Es sollte nur nicht deren eigene sein.

Wenn man bei Nacht schon keine Sterne sieht, dann doch zumindest die märchenhaften Bauten. Zinnen und Türme werden von Strahlern erleuchtet. Man fühlt sich wie in 1000 und 1 Nacht. Sindbad segelt im Geiste an einem vorbei. Ornamente zieren die Häuser, aufdringliche Farben sind tabu. Zwischen Wohngegenden und Natur herrscht ein fliessender Übergang, alles ist aus einem Guss.

Wie man auf die Idee kommt, an einem stressigen Rennwochenende und noch zu füllenden acht Seiten Superbike-WM im Print-Magazin von SPEEDWEEK all diese Eindrücke aufzuschreiben? Tja, da wären wir wieder beim Verkehr. Wenn man für ein paar Kilometer von der Rennstrecke bis zum Hotel eine gefühlte Ewigkeit braucht, dann geht einem vieles durch den Kopf. Und nicht nur Blödsinn. In diesem Sinne: Inschallah!

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