Philipp Öttls Ducati-Debüt: «Brachialer vorgestellt»

Von Ivo Schützbach
Drei Tage lang trainierte Philipp Öttl auf der WM-Strecke in Jerez mit dem Ducati-Superbike V4S. An die zirka 70 PS mehr gegenüber seiner Supersport-Maschine hat er sich schnell gewöhnt.

Nach zwei Jahren in der Supersport-Klasse und den WM-Rängen 3 und 5 (elf Podestplätze) steigt Philipp Öttl diese Saison in die Superbike-WM auf und hat einen Zwei-Jahres-Vertrag mit dem Team Go Eleven unterschrieben, einem der erfolgreichsten Privatteams der vergangenen Jahre.

Seinen ersten Test mit dem Team absolviert der in Salzburg wohnhafte Bayer voraussichtlich am 8./9. Februar in Portimao. Bis dahin will er mit dem Superbike privat so viele Runden wie möglich drehen. Von Ducati erhielt Philipp das frühere Trainingsmotorrad von Scott Redding, eine V4S mit 1100 ccm und 215 PS.

Von 7. bis 9. Januar trainierte Öttl gemeinsam mit Speer Racing in Jerez, kommenden Freitag bis Sonntag ist er auf gleicher Strecke mit der Firma Bike Promotion unterwegs.

Für seine Superbike-Premiere hatte Philipp in Andalusien perfekte Bedingungen und knapp 20 Grad Celsius, in den drei Tagen legte er fast 500 Kilometer zurück. «Bei Speer Racing war relativ wenig los, ich konnte gut und frei meine Runden drehen», erzählte der 25-Jährige SPEEDWEEK.com. «Klar, den ein oder anderen Amateur hast du immer, aber ich habe keine 20.000 Euro, um mir Jerez exklusiv zu mieten. Aber das hat einwandfrei gepasst, die letzten zwei Jahre waren die Hobbytrainings in Spanien nicht so gut besucht.»

Aktuell hat die Firma Promo Racing den Circuito de Jerez gemietet, mit ihr trainieren Öttls diesjährige Konkurrenten Michael Rinaldi (Aruba.it Ducati) und Lucas Mahias (Puccetti Kawasaki). «Das habe ich leider nicht gewusst, sonst wäre ich bei denen auch mitgefahren und hätte vielleicht ein bisschen was lernen können», meinte Öttl. «Vielleicht sind ja am kommenden Wochenende ein paar schnellere Leute dabei, das Klientel von Bike Promotion geht mehr Richtung Racing. Mein Training mit Speer Racing war eines der besseren, weil wenig los war. Wir waren zirka 20 Leute in der Gruppe, manchmal sind es auch 40 – und dann hast du ein Problem.»

Was die Abstimmung der Ducati betrifft, kann Öttl bei seinen Privattrainings nicht viel lernen – zu unterschiedlich sind die V4R in WM-Konfiguration und das Serienmodell V4S. «Die Bikes kann man echt nicht vergleichen», betonte der Sieger des Moto3-GP in Jerez 2018. «Meine Trainingsmaschine hat die Gabel der R drin, hinten aber ein elektronisches Federbein. Ich habe nur das offizielle Ducati-Zubehör am Bike, dazu eine Carbonverkleidung von Ilmberger, damit wir die Lichter nicht dran haben. Wenn die kaputt gehen, wird es sauteuer. Auf der Rennstrecke braucht man fast eine Rennverkleidung. Aber ich habe die Standardbremsen, es sind so viele Dinge, die am WM-Superbike anders sind. Mir ging es vor allem darum, dass ich mich an die Leistung gewöhne.»

Weshalb trainieren die Ducati-Piloten lieber mit der V4S mit 1100 ccm statt mit der 1000er V4R? «Das liegt daran, dass der WM-Motor von der Charakteristik eher der V4S ähnlich ist, weil sie im unteren Drehzahlbereich mehr Druck hat, weil sie eine 1100er ist. Die 1000er ist von der Charakteristik einfacher zu fahren, der WM-Motor hat aber mehr Leistung. Die Ducati hat sowieso eher zu viel als zu wenig Leistung, ich hatte es mir aber sogar noch ein bisschen brachialer vorgestellt. Es ist cool zu fahren, das hat eine ganz eigene Dynamik. Auf der Geraden kann man nicht richtig geradeaus fahren, weil man dauernd Wheelies hat. Und ich muss jetzt teilweise dort bremsen, wo ich zuvor nur vom Gas gegangen bin.»

Team- und Fahrerliste Superbike-WM 2022:

Aruba.it Ducati: Michael Rinaldi (I), Alvaro Bautista (E)

Barni Spark Ducati: Luca Bernardi (I)

Motocorsa Ducati: Axel Bassani (I)

Go Eleven Ducati: Philipp Öttl (D)

Honda Racing Corporation: Iker Lecuona (E), Xavier Vierge (E)

MIE Honda: Tati Mercado (RA), Hafizh Syahrin (MAL)

BMW Motorrad: Michael van der Mark (NL), Scott Redding (GB)

Bonovo action BMW: Eugene Laverty (IRL), Loris Baz (F)

Kawasaki Racing Team: Jonathan Rea (GB), Alex Lowes (GB)

Puccetti Kawasaki: Lucas Mahias (F)

Orelac VerdNatura Kawasaki: Sykes? Vinales?

Outdo Pedercini Kawasaki:
Loris Cresson (B)

Pata Yamaha: Toprak Razgatlioglu (TR), Andrea Locatelli (I)

GRT Yamaha: Kohta Nozane (J), Garrett Gerloff (USA)

Gil Motor Sport Yamaha: Christophe Ponsson (F)

FETT = bestätigt


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