Ducati-Restriktion: Öttl leidet mehr als Bautista

Von Ivo Schützbach
Vor dem SBK-Event in Imola am kommenden Wochenende wurde zum zweiten Mal in diesem Jahr die Maximaldrehzahl der Ducati um 250/min reduziert. Privatier Philipp Öttl glaubt nicht, dass das Alvaro Bautista bremst.

Aufgabe des komplizierten Algorithmus des Motorrad-Weltverbands FIM und von Promoter Dorna zur Auswertung der Leistungsfähigkeit der Superbikes ist, den Faktor Fahrer außen vor zu halten. Wenn also die Maximaldrehzahl der Ducati zum zweiten Mal in dieser Saison um 250/min reduziert wird, dann soll das nicht geschehen, weil Weltmeister Alvaro Bautista 16 der bislang 18 Rennen gewonnen hat. Oder weil es mit Michael Rinaldi, Danilo Petrucci und Axel Bassani zuletzt drei weitere Ducati-Piloten gab, die regelmäßig in die Top-5 fuhren.

Vorausgesetzt der Algorithmus errechnet, worauf die Schöpfer des Reglements abzielen, dann hat er nach dem dritten Event in Assen und dem sechsten in Donington Park aufgezeigt, dass Ducati gegenüber den anderen Herstellern einen Vorteil hat.

Das Reglement der Superbike-WM ist eindeutig: Ist das der Fall, wird besagter Hersteller bestraft. Ist hingegen eine Motorradmarke im Hintertreffen, darf sie aufrüsten. So sollen die preislich und entsprechend technisch unterschiedlichen Maschinen von BMW, Ducati, Honda, Kawasaki und Yamaha auf einen annähernd gleichen Level gebracht werden.

Klar ist auch: Wird ein Hersteller bestraft, ist aus dieser Ecke nichts Positives über das Reglement zu hören.

Ducati startete mit 16.100/min in die Saison, inzwischen sind nur noch 15.600/min erlaubt. Der Motor des Serienbikes dreht übrigens 16.500/min.

Philipp Öttl aus dem Privatteam Go Eleven Ducati ist überzeugt, dass diese Änderungen ihn stärker treffen als Werksfahrer Bautista.

«Wenn ich hinter Rinaldi auf der Geraden fahre, dann komme ich vielleicht am Bremspunkt neben ihn», schilderte der Bayer beim Treffen mit SPEEDWEEK.com in Imola. «In Australien hatte ich den besten Vergleich, da fuhr ich vorne mit und hatte die Chance, einen Toprak und einen Jonathan Rea auf der Geraden zu überholen. Mein Motorrad geht gut, es steht dem Werksbike nicht nach. Ich kann Rinaldi überholen und er überholt mich ähnlich. Aber wenn man sieht, wie Bautista selbst auf kurzen Geraden ausschert und dann zack, zack – was soll man da sagen? Das ist für mich nicht möglich. Er überholt andere Ducati genau gleich. Und das Bike von Rinaldi geht gleich gut wie das von Bautista.»

Also liegt es am Fahrer? «Davon gehe ich aus», sagte Philipp. «Bautista fährt das Motorrad brutal gut und genauso, wie es das braucht. Er hat keinen höheren Topspeed, sein niedriges Gewicht hilft ihm aber in der Beschleunigung. Es steht außer Frage, dass er dieses Motorrad besser als alle anderen fährt – er ist im Moment der beste Fahrer. Man hat ja auch gesehen, dass sich für ihn nichts geändert hat, als man die Drehzahl zum ersten Mal um 250/min reduziert hat. Und es wird sich auch jetzt nichts ändern. Das hat nur Auswirkungen auf die anderen Ducati-Fahrer, weil die schwerer sind. Bautista wiegt in voller Montur so viel wie ich nackt. Und ich bin nicht extrem groß oder schwer. Er hat zehn Kilogramm weniger als ich. Zehn Kilo, das muss man sich mal vorstellen.»

Bei Ducati haben alle Fahrer auf sämtliche Daten Zugriff, Öttl kann sich also genau anschauen, wie Bautista auf seine Rundenzeiten kommt. «Ich kann ein bisschen was ableiten, aber das ist schwierig umzusetzen und dauert ein bisschen», räumte der Dritte der Supersport-WM 2020 ein. «Ein paar Schritte habe ich gemacht, das sieht man auch in den Daten. Und ich verstehe das Motorrad immer besser. Der Rest ist Gewicht, das sind zehn Kilogramm, die weniger beschleunigt werden müssen. Wenn ich eine halbe Sekunde Rückstand auf Bautista habe, dann verliere ich drei Zehntelsekunden so und zwei auf der Geraden – die sind einfach weg. Da kann ich aus der Kurve rausfahren, wie ich will, die hole ich nicht. Das Problem hat Rinaldi auch, seine Beschleunigungskurve ist wie meine. Es geht nicht um Topspeed, sondern wie man dorthin kommt.»

«Ich gönne ihm alles, weil es bei ihm passt», hielt Öttl fest. «Ich frage mich aber, ob das Balance-System funktioniert. Ihr werdet es am Wochenende sehen: Imola ist vielleicht nicht Bautistas Strecke, aber die 250/min weniger machen ihm nichts aus. Ducati gewinnt jetzt ja sogar in Donington.»


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