Regelverletzung: Pirelli-Rennchef glättet die Wogen

Von Ivo Schützbach
Pirelli-Rennchef Giorgio Barbier

Pirelli-Rennchef Giorgio Barbier

Im Reglement der Superbike- und Supersport-WM ist festgehalten, welche Leistungen Reifenausrüster Pirelli zu erbringen hat. Rennchef Giorgio Barbier erklärt, weshalb gewisse Dinge für Phillip Island keinen Sinn machen.

Nach den Tests am Montag und Dienstag auf dem Phillip Island Grand Prix Circuit wurde zwischen Promoter Dorna, dem Weltverband FIM, Pirelli sowie den Rennstreckenverantwortlichen zur «Gewährleistung der Sicherheit aller Teilnehmer» beschlossen, dass wegen des neuen Asphalts die Hinterreifen nicht länger als elf Runden in der Superbike- und zehn in der Supersport-WM verwendet werden dürfen.

Das führt dazu, dass wir in allen Rennen bis auf das Superbike-Superpole-Race einen vorgeschriebenen Boxenstopp sehen werden, bei dem die Fahrer ein anderes Hinterrad mit frischem Reifen montieren lassen müssen. Außerdem werden die beiden Superbike-Hauptrennen von 22 auf 20 Runden verkürzt.

Nicht nur mit diesen Entscheidungen wird in Australien vom normalen Prozedere abgewichen.

Im Reglement ist unter Paragraf 2.5.7 Absatz d) zu finden, dass Pirelli mindestens zwei Optionen à sechs Reifen für den Vorder- und Hinterreifen anbieten muss. Auf Phillip Island entfällt diese Wahlmöglichkeit, es gibt für die Trainings und Rennen für alle Fahrer nur einen Typ Hinterreifen. Das ruft bei manchem Teamchef Unmut hervor und sie weisen darauf hin, dass das nicht dem Reglement entspricht und damit das ganze Wochenende unter illegalen Voraussetzungen gefahren würde.

Pirelli-Rennchef Giorgio Barbier versuchte im Gespräch mit SPEEDWEEK.com die Wogen zu glätten. «Wir fahren in Phillip Island seit drei Jahren mit der gleichen Spezifikation», holte der Italiener aus. «Immer wieder haben wir andere Lösungen probiert, die haben aber nie funktioniert. Weshalb hätten wir mit den Erkenntnissen des letztjährigen Asphalts darüber nachdenken sollen eine neue Spezifikation zu bringen, die auf dem neuen Asphalt sowieso nicht funktioniert? Also sagten wir uns, dass wir unseren Standardreifen für hier verwenden und schauen, wie dieser funktioniert. Darauf aufbauend können wir für die Zukunft reagieren.»

«Phillip Island ist immer schwierig», weiß Barbier. «Als hier zum letzten Mal frisch asphaltiert wurde, konnten sie in der MotoGP-WM auch nur zehn Runden fahren und es gab einen Boxenstopp. Wie kann ich davon ausgehen, dass ich einen besseren Reifen als sie designen kann? Wir haben den SC2 oder SC3 nicht gebracht, weil er hier noch nie funktioniert hat.»

Es bleibt die Tatsache, dass diese Vorgehensweise nicht dem Reglement entspricht. «Diese Regel gibt es, um den Fahrern eine Wahlmöglichkeit zwischen zwei Optionen zu geben, die funktionieren», hielt der Pirelli-Rennchef fest. «Wenn ich weiß, dass ich keine zweite Spezifikation habe, die funktioniert, dann bringe ich lieber eine größere Stückzahl jener Reifen, die funktionieren. Ich könnte mich auch darüber beschweren, dass die Rennstrecke kurz vor dem Event frisch asphaltiert wurde. In Mandalika war das auch so und in Argentinien vor ein paar Jahren auch. Wir wussten nicht, was uns hier erwartet. Warum hätten wir Hunderte Reifen bringen sollen, die nicht funktionieren?»

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