Honda steckt in der Klemme: Warten auf neue CBR600RR

Von Ivo Schützbach
Supersport-WM
«So lange Honda kein Update für das Motorrad bringt, ziehen uns die besten Fahrer nicht in Betracht», weiß PTR-Teamchef Simon Buckmaster. Für die Supersport-WM 2021 ist Besserung in Sicht.

Das derzeitige Honda-Modell CBR600RR erfüllt weder die Lärm- noch Abgasvorschriften, die mit der Norm Euro 4 seit dem 1. Januar 2017 verbindlich sind. Während das Motorrad im Rest der Welt weiterhin für den Straßengebrauch verkauft wird, bekommen es in Europa nur noch Kunden, die es auf der Rennstrecke einsetzen wollen.

Für 2020 brachte Honda die CBR1000RR-R Fireblade für die Superbike-WM. Und 2021 soll endlich ein neues Homologationsmodell für die Supersport-WM kommen. Das jetzige Bike ist seit Januar 2013 im Einsatz.

Den größten Unterschied an der neuen CBR600RR wird die Elektronik ausmachen: Nach Yamaha, Kawasaki und MV Agusta rüstet auch Honda seine Supersport-Maschine endlich mit Ride-by-wire aus, womit sich die Traktions- und Wheelie-Kontrolle viel feiner einstellen lassen.

Seit 2019 ist in der Supersport-WM die Einheitselektronik von MecTronik vorgeschrieben, welche für Motoren mit Ride-by-wire ausgelegt ist. Die aktuelle Honda hat kein solches System und muss deswegen diverse Nachteile in Kauf nehmen.

Die neue CBR600RR wird voraussichtlich nur für den asiatischen Markt gebaut und muss deshalb nicht zwingend die in Europa vorgeschriebenen Abgasnormen erfüllen – die Vorschriften in Japan und den USA sind weniger streng. Für Europa soll mittelfristig eine RR in der Größenordnung von 650 ccm kommen.

«Mit einigen kleinen Änderungen würde bereits die aktuelle CBR600RR die Euro-4-Norm erreichen», sagte Ronald ten Kate, Prinzipal des erfolgreichsten Supersport-WM-Teams, bereits vor drei Jahren.

Um Rennsport betreiben zu können, muss ein Motorrad nicht in Europa homologiert sein, eine Homologation in Japan oder den USA ist ebenso ausreichend. Und Abgasnormen sind für den Rennsport nicht relevant.

In Europa liegt der Markt für 600er-Supersport-Bikes seit Jahren darnieder, in Südostasien kaufen die Menschen hingegen immer hubraumstärkere Maschinen. Nach und nach steigen sie von ihren 150-ccm-Mopeds und -Rollern auf die heutigen kleinen Bikes mit 250 bis 400 ccm um, der nächste Schritt sind die 600er.

Yamaha hat seit 2017 die aktuelle R6, Kawasaki brachte 2013 die 636. Sollte der Markt in Asien in diesem Segment wie erwartet wachsen, will Honda natürlich mitmischen.

In der 1999 etablierten Supersport-WM ist Honda mit neun Fahrer-Titeln am erfolgreichsten, gefolgt von Yamaha (7), Kawasaki (4) und Suzuki (1).

Für sämtliche Honda-Titel sorgte das Team Ten Kate, zuletzt mit Michael van der Mark 2014. Die letzten drei WM-Titel gewannen Randy Krummenacher, Sandro Cortese und Lucas Mahias auf Yamaha, davor siegte zweimal Kenan Sofuoglu auf Kawasaki.

Der letzte Supersport-Sieg von Honda datiert auf den 30. Oktober 2016, als der Brite Kyle Smith in Katar für das PTR-Team von Simon Buckmaster gewann. Der 59-Jährige ist der letzte Teamchef, der Honda in dieser Weltmeisterschaft die Treue hält: Er stellt 2020 mit Hikari Okubo und Patrick Hobelsberger die einzigen Honda im Feld.

Beim Saisonauftakt in Australien brachte Hobelsberger die beste Honda auf Platz 13 ins Ziel. Buckmaster ist überzeugt, dass mit der in die Jahre gekommenen CBR600RR trotz all ihrer Nachteile deutlich mehr möglich wäre.

«Doch seit 2017, als Jules Cluzel für uns WM-Dritter wurde, hatten wir keinen Piloten, der über genügend Erfahrung verfügte, um den WM-Titel zu kämpfen», sagte Buckmaster gegenüber SPEEDWEEK.com. «Für mich stellt sich die Frage, ob Okubo den letzten Schritt nach vorne machen kann, nachdem er letztes Jahr WM-Fünfter wurde – auf einer Kawasaki und mit einem vierten Platz als bestes Ergebnis.»

Seit 2017 nahm Buckmaster Kyle Smith, Peter Sebestyen, Jules Danilo, Okubo und Hobelsberger unter Vertrag. Keiner von ihnen erbrachte bislang den Beweis, dass er gut genug für die Top-3 in der Weltmeisterschaft ist.

«Mahias und Cluzel standen nicht zur Verfügung, Krummenacher ging zu MV Agusta und Caricasulo wechselte in die Superbike-WM», verteidigte der Honda-Teamchef seine Fahrerwahl. «Das sind die Top-4 des letzten Jahres, ich habe mit Okubo den Nächstbesten verpflichtet. Ich hätte mich auch für einen Moto2-Piloten entscheiden können. Ich war in der Vergangenheit der Erste, der diesen Schritt mit Cluzel wagte und es ging auf. Im Fall von Mulhauser oder Danilo lief es nicht so gut, bei einigen anderen auch nicht. Mal sehen, wie gut sich Odendaal dieses Jahr schlägt. Locatelli wird stark sein, aber auch er stand für mich nicht zur Verfügung.»

«So lange Honda kein Update für das Motorrad bringt, ziehen uns die besten Fahrer nicht in Betracht», weiß Buckmaster. «Die Schnellsten sitzen auf einer Yamaha. Mahias hat letztes Jahr auf der Kawasaki gezeigt, dass es auch anders geht. Zu Saisonbeginn war er im Nirgendwo, am Schluss hat er um Siege gekämpft – am Motorrad hat sich aber nichts geändert. Er hat sich angepasst und das Beste herausgeholt.»

Provisorischer Supersport-Kalender 2020, Stand 14. Juni:

31.7.–2.8. Jerez/Spanien
7.–9.8. Portimao/Portugal
28.–30.8. Aragon/Spanien
18.–20.9. Barcelona/Spanien
2.–4.10. Magny-Cours/Frankreich
9.–11.10. San Juan/Argentinien
6.–8.11. Misano/Italien

Supersport-WM 2020, Stand nach Phillip Island
Pos Fahrer, Motorrad Punkte
1 Andrea Locatelli, Yamaha 25
2 Raffaele De Rosa, MV Agusta 20
3 Jules Cluzel, Yamaha 16
4 Corentin Perolari, Yamaha 13
5 Lucas Mahias, Kawasaki  11
6 Hannes Soomer, Yamaha 10
7 Steven Odendaal, Yamaha 9
8 Manuel Gonzalez, Kawasaki  8
9 Federico Fuligni, MV Agusta 7
10 Isaac Viñales, Yamaha 6
11 Can Öncü, Kawasaki 5
12 Danny Webb, Yamaha 4
13 Patrick Hobelsberger, Honda 3
14 Peter Sebestyen, Yamaha 2
15 Andy Verdoïa, Yamaha 1

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