Heinz Kinigadner: «Hoffentlich macht Honda weiter»

Von Günther Wiesinger
Dakar Moto
Ricky Brabec als Dakar-Sieger

Ricky Brabec als Dakar-Sieger

«Honda hat verdient gewonnen, sie haben sich diesen Erfolg schwer arbeitet, das gehört honoriert», sagt KTM-Berater Heinz Kinigadner. Er wünscht sich Honda weiter als starken Gegner bei der Dakar.

KTM-Firmenchef Stefan Pierer bezeichnet Honda seit Jahren als «Lieblingsgegner», denn das aufstrebende Werk aus Mattighofen kämpft an vielen Fronten gegen den Giganten aus Japan – von der Moto3 bis zur MotoGP, von der Cross- über die Supercross-WM bis zu zur Dakar-Rallye. Dort hätte Honda schon 2017 gewinnen können – aber dann bekamen alle HRC-Werksfahrer wegen illegaler Tankstopps eine 60-Minuten-Strafe. KTM siegte vor drei Jahren mit Sam Sunderland.

Der Japaner Shuhei Nakamoto, ehemaliger Vice-President der Honda Racing Corporation, betonte immer: «Die Dakar ist nach MotoGP das zweitwichtigste Engagement von HRC.»

Nakamoto erklärte bei einer Pressekonferenz zur Präsentation der Dakar-Pläne beim Mugello-GP 2012, HRC werde sich drei Jahre lang werksseitig an der Dakar engagieren, dann werde man KTM besiegt haben und könne sich zurückziehen. Aber der Gesamtsieg klappte erst beim achten Versuch.

Bei der Siegerehrung wimmelte es gestern vor Prominenz. Der Veranstalter scheute weder Kosten noch Mühen. Ein Disc-Jockey legte für einen Gage von 2 Millionen Euro auf. David Coulthard war da, dazu Nico Hülkenberg, Romain Grosjean, sowie sein Formel-1-Kollege Alex Wurz, der beim Bau der «The Qiddiyah»-Rennstrecke mitwirkt. Auch Dorna-Berater Loris Capirossi war eingeladen und zugegen. Es soll dort auch ein Vergnügungs- und Sportzentrum entstehen, das Las Vegas in den Schatten stellt.

Dieses Riesenprojekt wird von Abdulaziz bin Salman bin Abdulaziz Al Saud vorangetrieben. Der 59-jährige Kronprinz ist Motorsport-begeistert. Er hat sogar schon die Kinigadner Fullgas-Tage im Zillertal besucht. Er ist der vierte Sohn von König Salam bin Abdulaziz, gilt inzwischen als Nummer 3 in Saudi-Arabien und amtiert seit 8. September 2019 als einflussreicher Energie-Minister. Erstmals hat dieses Amt ein Mitglied der Königsfamilie inne.

Die Saudis wollen 2023 erstmals einen Formel-1-GP durchführen – wie die Nachbarn im Mittleren Osten – in Abu Dhabi und Bahrain.

Kinigadner: «Es war eine spannende Dakar»

Droht jetzt nach dem Brabec-Triumph ein Rückzug von HRC? «Wir hoffen, dass sie dabei bleiben. Aber wir sind früher ohne Honda gefahren und würden auch bei einem Rückzug von Honda weiter fahren», sagt KTM-Berater Heinz Kinigadner, selbst 7-facher Rallye-Dakar-Teilnehmer, zuletzt fuhr er im Jahr 2000 mit. «Es wäre schade, wenn Honda jetzt aufhören würde. Denn jetzt haben sie das Team so beisammen, wie man es beisammen haben muss. Die Honda-Truppe hat jede Menge Erfahrung, sie haben einen erstklassigen Mitarbeiterstab. Ruben Faria ist bei ihnen, Hélder Rodrigues, sie haben ein gutes Teammanagement. Wir von KTM und Husqvarna sind am Freitag alle unten am Podium stehen geblieben und haben den Honda-Teammitgliedern persönlich gratuliert. Sie haben sich diesen Sieg schwer und mühsam erarbeitet. Sie haben einen ähnlichen Weg wie KTM hinter sich. Wir haben 2000 im siebten Jahr zum ersten Mal gewonnen, Honda im achten Jahr nach der Rückkehr. So eine Leistung gehört honoriert. Es wäre wirklich schade, wenn sich HRC zurückziehen würde. Denn jetzt haben sie eine wirklich schlagkräftige Truppe beieinander. Das Team ist sehr konkurrenzfähig. Was wünschen wir uns sehnlicher als einen so harten Kampf? Wir waren ja nie so weit auseinander. Zehn oder 20 Minuten lassen sich bei der Dakar bald einmal aufholen. Es war eine echt spannende Dakar.»

Das KTM-Team investiert 2,5 bis 3 Millionen Euro im Jahr in das Rallye-Raid-WM-Projekt samt Dakar. Von einem Rückzug ist nach der ersten Niederlage nach 18 Jahren natürlich nicht die Rede für die Ready-to-Race-Mannschaft aus Munderfing. «Ich habe nach der Zieldurchfahrt mit Stefan Pierer und mit Pit Beirer telefoniert, der danach zur Supercross-WM nach Anaheim geflogen ist. Alle sind happy mit unserer Performance. Am meisten beschäftigt uns eigentlich der schlimme Unfall von Paulo Gonçalves. Er war zwar keiner von uns, aber wir haben ihn alle gern gehabt, weil er so ein netter Kerl war. KTM wird mit viel Energie weiter an der Dakar teilnehmen. Wir wollen die 20 Dakar-Siege unbedingt voll machen.»

Während mit Ricky Brabec erstmals ein US-Amerikaner die Dakar gewann und Husqvarna erstmals vor KTM ins Ziel kam, freute sich die KTM-Mannschaft auch über die Darbietung der 34-jährige Spanierin Laia Sanz, die beim Gas-Gas-Debüt die Damenwertung gewann. Kinigadner: «Laia ist tadellos gefahren. Sie ist eine super Botschafterin. Ich glaube, sie ist die erste Frau, die in Saudi-Arabien einen großen Sport-Event gewonnen hat. Vielleicht hat sie sogar Geschichte geschrieben. Im Motorsport hat hier sicher noch nie eine Frau gewonnen.»

Die besten Honda-Dakar-Fahrer seit 2013:

2013: Hélder Rodrigues – 7.
2014: Hélder Rodrigues – 5.
2015: Paulo Goncalves – 2.
2016: Kevin Benavides – 4.
2017: Joan Barreda – 5.
2018: Kevin Benavides – 2.
2019: José Cornejo – 7.
2020: Ricky Brabec – 1.

Ergebnis Rallye Dakar 2020

Pos

Fahrer (Motorrad)
Zeit
(hh:mm:ss)
Diff
(hh:mm:ss)
1 R. Brabec (Honda) 40:02:36
2 P. Quintanilla (Husqvarna) 40:19:02 00:16:26
3 T. Price (KTM) 40:26:42 00:24:06
4 Ji. Cornejo Florimo (Honda) 40:34:19 00:31:43
5 M. Walkner (KTM) 40:37:36 00:35:00
6 L. Benavides (KTM) 40:40:10 00:37:34
7 J. Barreda Bort (Honda) 40:53:33 00:50:57
8 F. Caimi (Yamaha) 41:45:11 01:42:35
9 S. Howes (Husqvarna) 42:06:37 02:04:01
10 A. Short (Husqvarna) 42:13:16 02:10:40
11 S. Svitko (KTM) 42:16:08 02:13:32
12 A. Metge (Sherco Tvs) 42:35:50 02:33:14
13 R. Faggotter (Yamaha) 42:56:58 02:54:22
14 J. Betriu (KTM) 43:34:34 03:31:58
15 J. Mccanney (Yamaha) 43:45:00 03:42:24
16 J. Pedrero Garcia (KTM) 43:48:09 03:45:33
17 M. Giemza (Husqvarna) 43:54:18 03:51:42
18 L. Sanz (Gas Gas) 44:00:52 03:58:16
19 K. Benavides (Honda) 44:05:07 04:02:31
20 M. Gerini (Husqvarna) 44:10:52 04:08:16
21 R. Branch (KTM) 44:25:56 04:23:20
22 J. Cerutti (Husqvarna) 44:28:36 04:26:00
23 M. Michek (KTM) 44:33:17 04:30:41
24 S. Lagut (KTM) 45:24:21 05:21:45
25 P. Spierings (Husqvarna) 45:53:19 05:50:43
26 M. Engel (KTM) 46:05:45 06:03:09
27 A. Maio (Yamaha) 46:17:57 06:15:21
28 P. Cabrera (KTM) 46:51:54 06:49:18
29 E. Gyenes (KTM) 48:05:07 08:02:31
30 A. Gelazninkas (KTM) 48:18:27 08:15:51

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