KTM-Vorstand Hubert Trunkenpolz: X-BOW in der DTM?

Von Günther Wiesinger
DTM
Der österreichische Kleinserienhersteller KTM baut in Graz eine neue X-BOW-Rennversion mit 620 PS und könnte sich für 2022 einen Einstieg in die DTM vorstellen. Vorstand Hubert Trunkenpolz verrät die genauen Pläne.

Gerhard Berger ist seit März 2017 Vorsitzender der ITR, die die Deutsche Tourenwagen Masters (DTM) promotet. Nach dem Ausstieg von Mercedes Ende 2018 und Aston Martin Anfang 2020 blieben in dieser populären Tourenwagen-Rennserie mit Audi und BMW nur zwei Hersteller übrig. Doch die Coronakrise traf auch die DTM mit voller Härte - Audi kündigte im Frühjahr überraschend den Rückzug zum Saisonende an.

Ersatz ließ sich für 2021 trotz emsiger Bemühungen von Gerhard Berger nicht auftreiben. Deshalb wurde die DTM für die kommende Saison als Sportwagenserie ausgeschrieben, obwohl sich in der Marke DTM das Wort Tourenwagen versteckt. Dabei wird in Zukunft kein Werkssport mehr, sondern Kundensport betrieben. Heißt: Die Teams stehen ab sofort im Mittelpunkt, sie müssen ihre Budgets selbst stemmen.

Der ADAC als Veranstalter des ADAC GT Masters reagierte beleidigt, doch die ITR zieht ihren Plan durch. DTM-Chef Berger hofft auf 20 Fahrzeuge und fünf Hersteller, bisher sind jedoch nur Audi, Mercedes und McLaren am Start mit den Teams Abt Sportsline (mit zwei Audi), Rosberg (mit zwei Autos, Hersteller noch unbekannt), GruppeM Racing (ein Mercedes), 2 Seas Motorsport (zwei McLaren) und Jenson Team Rocket RJN (mindestens ein McLaren).

Die Hoffnungen von Gerhard Berger, den österreichischen Automobilhersteller KTM ins Boot zu holen, lassen sich für 2021 nicht verwirklichen.

«Ein DTM-Einstieg mit unserem neuen GT2-Fahrzeug 2021 ist total unrealistisch», erklärte KTM-Vorstand Hubert Trunkenpolz im Gespräch mit SPEEDWEEK.com. «Wir wollen im kommenden Jahr zuerst einmal in der VLN schauen, wie gut dieses Auto in einem anspruchsvollen Wettbewerbsumfeld performt. Wir möchten auch sehen, wie es sich zum Beispiel beim 24-h-Rennen auf dem Nürburgring bewährt.»

«Wir wissen bisher viel zu wenig über unser neues GT2-Auto. Deshalb kommt die DTM bisher nicht in Frage», so Trunkenpolz. «Wir hätten auch nicht die Teamstruktur, auch nicht mit Unterstützung von Reiter, um so ein Programm 2021 zu stemmen. Aber für die Zukunft nach 2021 will ich die DTM nicht dezidiert ausschließen. Sag‘ niemals nie! Wenn das Auto ordentlich performt und wenn wir dazu eine anständige Homologation bekommen, dann ist die DTM sicher nach wie vor eine gute Plattform. Vor allem wenn wir für unser Paket einen attraktives Sponsor als Back-up finden; die DTM ist ja nicht kostenlos. Mit Prototypen würden wir die DTM nie bestreiten. Das passt nicht zu KTM. Wir brauchen Rennfahrzeuge, die wir auch in Serie produzieren können. Was Gerhard Berger jetzt mit dem GT3-Reglement plant, würde ich für KTM nicht für alle Zeiten ausschließen.»

«Wir haben in der Vergangenheit schon den X-BOW-GT4 gebaut. Danach hat sich die Frage gestellt, wie es mit diesem Projekt weitergeht. Es hat dann vom KTM-Vorstandsvorsitzenden Stefan Pierer auf meine Frage eine Grundsatzentscheidung gegeben. Wenn wir weitermachen, dann ordentlich. Also verbauen wir jetzt den neuen 2,5-Liter-Fünfzylinder-Audi-Motor. Wir haben nachher mit unseren Partner Reiter, mit dem wir seit mehr als zehn Jahren in der GT4 zusammenarbeiten und der im GT-Sport jahrelang Erfahrung mit Audi und Lamborghini hat, so einen ‚prove of concept‘ gebaut. Mit diesem Fahrzeug sind wir dann voriges Jahr in Barcelona gefahren und auf Platz 3 gelandet. Da hat sich herausgestellt, dass dieses Konzept funktionieren könnte. Jetzt bauen wir an unserem Standort in Graz mit ca. 50 Mitarbeitern bei der KTM Sportcar GmbH 50 bis 70 Exemplare des neuen Autos, 20 bis 30 Stück der Rennversion befinden sich jetzt in Produktion. Wir haben da eine feine Manufaktur, in der wir bisher insgesamt 1400 Auto gebaut haben. Meistens haben wir bisher ca. 100 Exemplare des X-BOW im Jahr angefertigt und verkauft. Wir sind der kleinste Kleinserien-Hersteller…. »

«Die normale Rennversion heißt GTX, dazu kommt die GT2-Version mit der Bezeichnung X-BOW GT2. Die restlichen Autos des Typs X-BOW GT Street werden straßenzugelassen sein. Diese werden aber wahrscheinlich erst im November oder Dezember 2021 verfügbar sein», berichtet Trunkenpolz (sein Familienname bildet das T von KTM). Dieses Traditionsunternehmen aus Mattighofen in Oberösterreich verkauft ca. 265.0000 Motorräder im Jahr, hat sich zum größten Motorradhersteller in Europa gemausert und bisher 314 WM-Titel gewonnen.

Das Fahrzeug wird jetzt von der SRO Motorsports Group für die GT2-Serie homologiert. Deshalb muss als Basis eine Straßenversion in den Verkauf kommen, es wird sich um einen radikalen Sportwagen handeln.

«Wir wollen einen eigenen Weg gehen», betont Hubert Trunkenpolz. «Schon im Motorradsport war das Leistungsgewicht immer unser Credo. Dieses Konzept behalten wir im Automobilsport bei. Wir achten auf ein sehr geringes Gewicht und gegen auch bei den Motoren einen anderen Weg. Wir setzen auf den Fünfzylinder, nicht auf Acht- oder Zehnzylinder-Triebwerke.»

Diese 2500-ccm-Motoren von Audi werden in der Rennversion bis zu 620 PS leisten, in der Serienversion 500 PS bei 1060 kg. Die Serienautos werden 230.000 Euro plus Mwst. kosten. Für die GT2-Rennen wird man zuladen müssen – auf 1200 kg.

2021 hat KTM das Engagement in der GT2-Europameisterschaft geplant, dazu werden «einige Autos» in der VLN und beim 24-h-Rennen auf dem Nürburgring eingesetzt.

Das Team Reiter setzt auch in der kommenden Saison zwei X-BOW GT4 in der DTM-Trophy ein.

«Der neue X-BOW entspricht dem Markenkern von KTM – Ready To Race. Wir betreiben Kundenrennsport, und dieses Engagement zahlt unbestritten auf die Marke ein», schildert Trunkenpolz. «Wenn wir als Underdog einmal beim 24-Stunden-Rennen vor mehr als 100.000 Zuschauern aufgeigen können, dann sind wir auch medial einmal richtig präsent.»

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