BMW World Endurance: Podium als Geschenk zum 50er

Von Helmut Ohner
Bei BMW World Endurance durfte man sich in Portugal über Platz 3 freuen

Bei BMW World Endurance durfte man sich in Portugal über Platz 3 freuen

Wie schon in Le Mans beendete BMW Motorrad World Endurance auch den zweiten Lauf zur Langstrecken-WM an der dritten Stelle. Die Podiumsplatzierung war ein perfektes Geschenk zum 50er von Werner Daemen.

Das Zwölf-Stunden-Rennen in Estoril war an Dramatik nicht zu überbieten. Zunächst lief alles nach Plan für das BMW Motorrad World Endurance Team mit Xavi Forés, Markus Reiterberger und Kenny Foray. Vom zweiten Startplatz übernahm Forés mit einem perfekt getimten Überholmanöver die Führung. In der Folge fiel die belgische BMW-Truppe kurz wieder auf Rang 2 zurück, hatte sich aber rasch wieder die erste Position zurückerobert.

Reiterberger, der die BMW M1000RR mit der Startnummer 37 übernommen hatte, konnte sich in seinem Stint kontinuierlich von den Verfolgern absetzen. Nach knapp zweieinhalb Stunden stürzte allerdings Foray in Führung liegend. Durch die Reparatur gingen in der Box mehr als vier Runden verloren. Mit vier Runden Rückstand konnte das Rennen auf dem 4,182 Kilometer langen Circuito do Estoril an der 20. Stelle wieder aufgenommen werden.

Nach dem unfreiwilligen Boxenstopp verlief das Rennen für Forés, Reiterberger und Foray wieder wie gewünscht. Mit schnellen Rundenzeiten konnte Platz um Platz gutgemacht werden. Nach fünf Rennstunden waren die Top-10 erreicht, zwei Stunden später wurde das BMW-Team nach der Kollision von Yoshimura SERT Motul und Tati Beringer Racing auf Platz 4 notiert, eine Top-3-Platzierung schien in Griffweite.

In der Schlussphase entwickelte sich der zweite Lauf zur Endurance-Weltmeisterschaft 2021 zu einem echten Thriller. Eineinhalb Stunden vor Schluss geriet die zu diesem Zeitpunkt führende Mannschaft in Probleme. Nachdem alle Teams eine halbe Stunde vor der Zielflagge ihre letzten Boxstopps absolvierten hatten, hatte Reiterberger als Schlussfahrer nur noch rund zehn Sekunden Rückstand auf die Podestplätze.

In einem furiosen «Zielsprint» schaffte es der Bayer den Drittplatzierten in einen Fehler zu hetzen. Damit war der Weg frei zu Rang 3 und dem zweiten Podiumsplatz in Folge. Auf den zweiten Platz fehlten nach zwölf Stunden auch nur mehr 0,976 Sekunden. Damit fand das Rennen doch noch einen versöhnlichen Ausklang und für Teammanager Werner Daemen war es ein perfektes Geschenk zu seinem 50. Geburtstag.

«Herzlichen Glückwünsch an das gesamte Team zu einer erneut fantastischen Leistung», gratulierte BMW Motorrad Motorsport Direktor Marc Bongers der Mannschaft, die nach zwei WM-Läufen in der Zwischenwertung nur sieben Zähler hinter den Führenden liegt. «Es war ein absoluter Krimi, die Geschichte hat sich wiederholt. Es war ähnlich wie in Le Mans: Kurz nach dem Start in Führung, dann Rückschlag, dann Aufholjagd auf das Podium.»

«Im ersten Stint konnten wir bei kühlen Streckentemperaturen noch nicht ganz unsere Pace fahren. Ab dem zweiten Stint lief es sehr gut und wir hatten eindeutig eine siegfähige Pace. Leider ist Kenny gestürzt und wir sind auf Rang 20 zurückgefallen. Bei der folgenden Aufholjagd haben alle einen grandiosen Job gemacht. Wir hatten bis zum Schluss eine sehr gute Pace, realistisch wären wir über Platz 4 oder 5 nicht hinausgekommen.»

«Doch bei den anderen Teams gab es auch einige Dramen und so war es am Schluss ein ganz enger Kampf um die Plätze 2 bis 4. Wir mussten noch einmal geplant die Bremsen wechseln, aber die letzten beiden Stints von Xavi und Markus waren einfach extrem stark. Damit haben wir den Drittplatzierten noch einmal richtig unter Druck gesetzt um am Ende mit weniger als einer Sekunde Rückstand auf Platz 2 Dritter zu werden.»

«Wir haben gesehen, dass wir die Pace hätten, zu gewinnen. Wir haben eine sehr gute Ausgangslage für die restliche Saison. Beim Bol d’Or lautet unser Motto: volle Attacke, denn wir sind auch noch mit im Rennen um die Weltmeisterschaft. Wir haben noch etwas Arbeit vor uns, haben aber ein extrem gutes Team, ein extrem gutes Bike und Potenzial, noch besser zu werden. Ein Dankeschön an das Team, es hat super Arbeit geleistet, sehr gute Pitstopps gemacht und ich bin froh, dass wir Werner Daemen zu seinem 50. Geburtstag dieses Podium schenken konnten.»

«Was für ein Tag!», stöhnte Teammanager Werner Daemen. «Es war sehr aufregend. Ich freue mich riesig über mein Geschenk. Es war ein schwieriger Tag mit dem Sturz und ein paar kleineren Problemen, doch am Ende haben wir das Podium geholt. Das Team hat einmal mehr einen großartigen Job gemacht. Abgesehen vom Sturz war alles perfekt. Wir haben erneut gezeigt, dass wir zu den Spitzenteams der Weltmeisterschaft gehören. Und ich bin sicher, dass wir bald die oberste Stufe des Podiums erreichen können.»

«Xavi ist einen super ersten Stint gefahren», lobte Markus Reiterberger seinen Teamkollegen. «Ich habe dann in Führung liegend übernommen, konnte den Vorsprung weiter ausbauen und ebenfalls in Führung übergeben. Leider ist Kenny dann gestürzt. Das war zunächst ein Rückschlag für uns alle, doch wir haben uns nicht beirren lassen und uns immer gesagt: Wir versuchen jetzt, das Beste herauszuholen. Zwölf Stunden sind zwar nicht so lang wie 24 Stunden, aber wir können noch etwas erreichen.»

«Xavi ist richtig starke Rundenzeiten gefahren. Ich konnte dann vor allem in meinem letzten Stint noch einmal alles, was ich hatte, reinlegen. Bei kühleren Bedingungen hat das Bike für mich super funktioniert. Ich habe richtig gepusht und hätte das Rennen eine Runde länger gedauert, wäre auch noch Platz 2 drin gewesen. Aber wir haben es auf das Podium geschafft, das ist das Wichtigste. Wir sind in der Weltmeisterschaft immer noch vorn dabei.»

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