Martin Brundle: «Ferrari in Spanien entmutigend»

Von Mathias Brunner
Formel 1
Spanien war wie China: Im Vordergrund stehen die Mercedes-Fahrer, Vettel eher im Abseits

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​Sportwagen-Weltmeister Martin Brundle (59) spricht vielen Tifosi aus den Herzen: «Ich finde die Darbietung von Ferrari in Spanien deshalb so entmutigend, weil sie zu wenig aus ihrem Potenzial machen.»

Fünf WM-Läufe 2019, fünf Doppelsiege von Mercedes-Benz, Ferrari auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya nicht einmal auf dem Siegerpodest – mamma mia! Der 158fache Grand-Prix-Teilnehmer Martin Brundle spricht vielen Ferrari-Fans aus dem Herzen, wenn er sagt: «Ich finde die Darbietung von Ferrari in Spanien deshalb so entmutigend, weil sie zu wenig machen aus ihren Ressourcen, aus ihrer Begabung, aus ihrem Potenzial.»

Auch der Le-Mans-Sieger von 1990 reibt sich verwundert die Augen: «Unfassbar, es ist nur zehn Wochen her, dass Ferrari die Wintertestfahrten dominiert hat, auf exakt dieser Rennstrecke. Nun sind sie dritte Kraft, sie stolpern über die eigenen Füsse, und ihre Rennstrategie würde ich eher als zögerlich beschreiben.»

«Beide Ferrari-Fahrer machen zu viele Fehler, das Vorgehen des Rennstalls im Grand Prix lässt Klarheit und Überzeugung vermissen. Ferrari lässt sich schlagen von einem Max Verstappen, der über den Möglichkeiten seines Autos fährt. Und selbst in den seltenen Fällen, wenn Ferrari denn mal schneller ist als Mercedes, wie in Bahrain, dann versemmeln sie es», kritisierte der Formel-1-Experte in seiner Kolumne für die britische Sky.

Für Brundle in dieser schwierigen Phase ganz wichtig: «Das Team muss offen und unmissverständlich hinter Teamchef Mattia Binotto stehen. Wir dürfen hier nicht in den üblichen Strudel wie im Fussball geraten, wenn der Fussballtrainer bei schlechten Ergebnissen auf einem Schleudersitz zu hocken scheint. Binotto scheint ein vernünftiger Mann zu sein, ich sehe ihn als echten Racer, der Ferrari durch und durch kennt. Er ist auch in einer Phase, in welcher dieses Team Stabilität benötigt, immer zugänglich.»

«Ich kann mich daran erinnern, wie ich Binotto in Bahrain vor laufender Kamera gefragt habe, ob er dazu bereit sei – eine Rolle in Personalunion zu übernehmen, für welche Mercedes drei hochbegabte Fachleute aufgeboten hat, nämlich Toto Wolff, James Allison und Andy Cowell. Mattia antwortete damals, er habe die richtigen Leute um sich herum, um den Job zu erledigen.»

«Es gibt noch einen anderen wichtigen Unterschied zwischen Mercedes und Ferrari: Auf der Führungsebene von Mercedes lastet nicht dieser unglaublich hohe Erwartungsdruck wie auf Ferrari. Eine ganze Nation und eine überaus anspruchsvolle Medienschar will Ergebnisse sehen. Mattia Binotto reagiert mit einer Ruhe wie aus dem Lehrbuch, aber diese Gleichmut wird auf eine harte Probe gestellt. Er braucht Unterstützung. Ich hoffe, er hat die Telefonnummer von Ross Brawn in seinem Handy abgespeichert, um sich Rat zu holen.»

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