Brasilien-GP: Max Verstappen siegt, Ferrari im Elend

Von Vanessa Georgoulas
Formel 1
Max Verstappen war beim Start und im Ziel der Erste

Max Verstappen war beim Start und im Ziel der Erste

In Brasilien durfte sich Polesetter Max Verstappen nach 71 Rennrunden über den GP-Sieg freuen. Den zweiten Platz sicherte sich Toro Rosso-Rückkehrer Pierre Gasly. Das Ferrari-Duo kollidierte.

Vor dem letzten Formel-1-Kräftemessen des Jahres in Brasilien durften sich die GP-Fans und Experten auf einen heissen Spitzenkampf freuen, schliesslich gingen mit Polesetter Max Verstappen, Ferrari-Star Sebastian Vettel und Mercedes-Champion Lewis Hamilton drei starke Fahrer von den ersten drei Startplätzen ins Rennen. Red Bull-Motorsportberater Dr. Helmut Marko räumte im ORF-Interview ein: «Fürs Publikum ist das natürlich eine erfreuliche Ausgangslage.»

«Aber es wird ein hartes Rennen», prophezeite der Grazer, und verriet: «Wir fürchten vor allem Hamilton, denn der war im Renntrimm der Schnellste.» Tatsächlich hatte der sechsfache Weltmeister am Freitag die stärkste Longrun-Performance hingelegt, er blieb über zwölf Runden auf den weichen Reifen knapp zwei Zehntel schneller als Verstappen und mehr als zweieinhalb Zehntel schneller als Vettel.

Der Brite war auch deutlich schneller als sein Teamkollege Valtteri Bottas, der im Qualifying nur die fünftschnellste Runde schaffte, dank Charles Leclercs Rückversetzung aber um eine Position nach vorne rücken durfte. Der Monegasse, der wegen seiner frischen Antriebseinheit vom 14. Startplatz losfahren musste, war nicht der Einzige, der nach hinten rücken musste. Noch schlimmer erging es Carlos Sainz. Der McLaren-Pilot wurde wegen des Einsatzes frischer Motorenteile, die das erlaubte Kontingent überstiegen, gar ans Ende der Startaufstellung strafversetzt.

Am anderen Ende freute sich Verstappen auf den Rennstart. Der 22-Jährige verriet auf dem Weg zu seinem Dienstwagen, dass er gut geschlafen habe, mahnte aber auch: «Das wird für keinen von uns ein einfaches Rennen, denn die Temperaturen sind stark gestiegen und es wird schwierig, die Reifen am Leben zu halten.» Tatsächlich hatte sich der Asphalt des Autódromo José Carlos Pace bis kurz vor dem Rennstart auf mehr als 49 Grad Celsius aufgeheizt.

Daniel Ricciardo mit Crash und Strafe

Ex-F1-Boss Bernie Ecclestone, der als Gast in der Startaufstellung zum Brasilien-GP unterwegs war, erklärte seinerseits: «Ich hoffe, dass alle gut durch die erste Kurve kommen.» Das taten die GP-Stars auch, obwohl Hamilton bereits auf den ersten Metern angriff und sich die zweite Position von Vettel schnappte. Dahinter folgten Valtteri Bottas, Alex Albon, Pierre Gasly, Romain Grosjean, Kimi Räikkönen, Kevin Magnussen und Lando Norris auf den weiteren Top-10-Positionen. Leclerc kämpfte sich in der ersten Runde bereits auf den zwölften Platz. Und auch Sainz startete seine Aufholjagd, bereits im zweiten Umlauf hatte sich der Spanier bis auf den 17. Platz vorgearbeitet.

Der Spanier machte fleissig weiter und war in Runde 5 bereits Fünfzehnter, und auch Leclerc hatte bis zu diesem Zeitpunkt weitere Positionen gewonnen und die achte Position erkämpft. In Runde 7 holte er sich den siebten Platz von Räikkönen. Weniger Erfolg hatte Daniel Ricciardo, der an Magnussen vorbei wollte und dabei mit dem Haas-Renner des Dänen zusammengeriet, weil er seine Räder blockierte. Magnussen drehte sich in die asphaltierte Auslaufzone , konnte danach aber aus eigener Kraft weiterfahren, während Ricciardo mit kaputtem Frontflügel die Box ansteuern musste und ans Ende des Feldes zurückfiel.

Die Regelhüter kündigten eine Untersuchung des Zwischenfalls an und Ex-GP-Pilot und Sky Sports F1-Experte Martin Brundle erklärte: «Kevin hat Daniel genügend Platz gelassen, wenn jemand die Schuld am Unfall trägt, dann ist das sicherlich nicht Magnussen.» Die Stewards kamen zum gleichen Schluss und brummten stattdessen Ricciardo als Unfallverursacher eine 5-sec-Zeitstrafe auf.

An der Spitze gab Verstappen Gas, doch Hamilton liess nicht locker und verkürzte den Rückstand auf den Leader bis zur 15. Runde auf knapp zwei Sekunden. Doch Verstappen reagierte darauf und vergrösserte seinen Vorsprung fix wieder auf 2,5 Sekunden. Vettel war hingegen bereits eine halbe Sekunde pro Runde langsamer als der Spitzenreiter unterwegs. «Das liegt daran, dass seine Reifen schneller abbauen, das hat man am Freitag schon gesehen, dass der Ferrari etwas weniger gut mit den Gummis umgeht», analysierte GP-Veteran und TV-Experte Karun Chandhok.

Rad-an-Rad-Duell von Hamilton und Verstappen

In Runde 21 bog Hamilton an die Box ab und holte sich einen frischen Satz der weichen Reifen. Damit entschied sich Mercedes mit dem Briten eine 2-Stopp-Strategie zu verfolgen, denn der Champion musste den Regeln entsprechend noch einmal auf eine andere Mischung wechseln. Obwohl der Stopp mit 2,5 sec nicht zu den schnellsten Reifenwechseln gehörte, klappte der Undercut-Versuch, und das hatte auch mit Williams zu tun.

Denn als Verstappen einen Umlauf später reagierte und einen Stopp von nur 1,9 sec Dauer absolvierte, wurde er von Robert Kubica aufgehalten, der just in jenem Moment wieder losgeschickt wurde, in dem der Red Bull Racing-Renner die Williams-Box passierte. Verstappen musste reagieren und steckte dann in der langen Boxenausfahrt hinter dem Polen fest, weshalb Hamilton schon vorbei war, als er wieder auf die Strecke zurückkehrte. Kubica kassierte eine 5-sec-Zeitstrafe für die Szene in der Boxengasse.

Verstappen gab nicht auf und arbeitete sich kurz darauf an Hamilton vorbei, sehr zur Freude der Zuschauer, die den Kampf der Giganten sichtlich genossen. Der Silberpfeil-Pilot gab sich nicht geschlagen und konterte in Runde 24 mit Erfolg: Er überholte Verstappen aussen in der ersten Kurve, war daraufhin aber deutlich langsamer als der Niederländer unterwegs, der sich bald darauf wieder an ihm vorbei kämpfte, während auch Vettel und Bottas ihre Stopps absolvierten.

Leclerc bog erst in Runde 30 an die Box ab, während die Mercedes-Ingenieure Hamilton berichteten, dass er zwar kein Motorenproblem hatte, wie der 83-fache GP-Sieger vermutet hatte. Aber sie erklärten ihm auch, dass die Temperaturen etwas zu heiss wurden. «Leute, ich denke, wir haben den falschen Reifen gewählt, wir hätten auf die mittelharten Reifen wechseln müssen», funkte er kurz darauf. Tatsächlich war Vettel, der diese Mischung gewählt hatte, zu diesem Zeitpunkt sehr flott unterwegs. Sein Teamkollege Charles Leclerc steuerte schliesslich in der 30. Runde die Box an und wählte die harten Reifen. Nach seinem Stopp kam er auf Position wieder auf die Piste.

Bittere Pille für Valtteri Bottas

Nachdem alle Piloten ihren ersten Stopp absolviert hatten, führte Verstappen das Feld mit drei Sekunden Vorsprung auf Hamilton an. Dahinter folgten Vettel, Bottas, Albon, Leclerc, Gasly, Räikkönen, Giovinazzi und Pérez auf den weiteren Top-10-Positionen. Ricciardo, Grosjean, Norris, Kvyat, Sainz, Stroll, Hülkenberg, Magnussen, Russell und Kubica folgten auf den weiteren Positionen.

In Runde 44 bog Hamilton erneut an die Box ab und musste sich diesmal 3,3 sec gedulden, bis er wieder weiterfahren konnte. Der 34-Jährige aus Stevenage kam auf Position 3 wieder auf die Piste und musste gleich Ricciardo überrunden, was er auch schnell tat. Einen Umlauf später reagierte Red Bull Racing mit Verstappen und die Crew fertigte dessen Renner erneut in nur 1,9 sec ab. Diesmal war auch kein Williams im Weg, sodass die Rechnung aufging und Verstappen vor Hamilton blieb, während Vettel an der Spitze die Führung übernahm.

In der Folge setzte Bottas Leclerc auf Position 5 unter Druck, während Vettel das Feld mit knapp zwei Sekunden vor Verstappen, Hamilton, Albon, Leclerc, Bottas, Grosjean, Gasly, Norris und Sainz anführte. Auf den weiteren Plätzen waren Räikkönen, Stroll, Giovinazzi, Pérez, Ricciardo, Magnussen, Kvyat, Hülkenberg, Russell und Kubica unterwegs.

In der 50. Runde übernahm Verstappen wieder die Führung, denn Vettel holte sich an der Box frische weiche Reifen ab, wodurch er auf Platz 4 zurückfiel. Bereits eine Runde später rückte er auf Platz 3 vor, da der vor ihm fahrende Red Bull Racing-Rookie Alex Albon seinen zweiten Stopp absolvierte und hinter Bottas auf Position 6 zurückfiel. Der Finne hatte kein Glück, denn kurz darauf war er mit einem rauchenden Heck unterwegs. In Runde 53 stellte er seinen Renner am Streckenrand ab, weshalb in den ersten beiden Sektoren die gelben Flaggen geschwenkt wurden.

Auf der anderen Seite der Wohlfühlskala fand sich Hamilton, der seinen Rückstand auf Verstappen schnell auf unter eine Sekunde drückte. «Lewis nahm nicht genug Tempo raus», beschwerte sich der Red Bull Racing-Star daraufhin über Boxenfunk. Die Rennleitung schickte daraufhin das Safety-Car auf die Piste – und Verstappen nutzte die Gelegenheit, um an die Box abzubiegen und sich frische weiche Reifen zu holen.

Ferrari-Crash zwischen Vettel und Leclerc

Hamilton wurde von seinem Team angewiesen, das Gegenteil zu tun und draussen zu bleiben, sollte Verstappen an die Box abbiegen, deshalb führte er das vom Safety-Car eingebremste Feld an. Leclerc tat des Verstappen hingegen gleich und lauerte nun mit frischen weichen Reifen auf der fünften Position auf seine Chance. Während sich die Konkurrenz zurückruderte, erklärte Hamilton entmutigt: «Wie alt sind meine Reifen? Ich werde die Jungs nicht hinter mir halten können.»

Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner erklärte: «Das wird ein grosser Kampf», und tatsächlich wurden die Zuschauer mit mehreren Duellen belohnt. Einerseits arbeitete sich Verstappen wie erwartet bereits in der ersten Kurve aussen an Hamilton vorbei, während Albon die Chance nutzte und Vettel schnappte. Der Rookie klebte in der Folge an Hamiltons Heck, während Verstappen seinen Vorsprung schnell auf mehr als drei Sekunden vergrösserte.

Die Rennleitung kündigte derzeit eine Untersuchung gegen Ricciardo an, der unter Verdacht stand, Magnussen beim Re-Start etwas zu früh überholt zu haben. Doch das interessierte bald niemanden mehr, denn die beiden Ferrari-Piloten lieferten sich in Runde 66 ein Duell, das für beide mit dem Ausfall endete. Erst überholte Leclerc Vettel, der beim Kontern mit seinem Teamkollegen zusammengeriet, wodurch beide Reifen- und andere Schäden davontrugen.

Die Experten kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, weil Hamilton an die Box abbog und sich frische Reifen holte und auf den vierten Platz zurückfiel. Kein Wunder, denn die Wahrscheinlichkeit, dass das Rennen hinter dem Safety-Car enden würde, war angesichts der vier verbleibenden Runden gross. Während der Safety-Car-Phase fiel auch Stroll aus, nachdem er wohl über eines der Ferrari-Trümmerteile gebrettert war.

Am Ende durfte sich Verstappen über den Sieg freuen, doch Albon wurde von Hamilton umgedreht. Der Londoner fiel weit zurück, während Hamilton hinter Gasly her war. Doch der Franzose rettete den zweiten Platz ins Ziel und liess damit das Toro Rosso-Team jubeln. Hamilton, Sainz, Räikkönen, Giovinazzi, Ricciardo, Norris, Pérez und Kvyat holten auch Punkte, während Magnussen, Hülkenberg, Russell, Grosjean, Albon und Kubica auf den folgenden Positionen leer ausgingen.

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