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Ex-Renault-CEO Carlos Ghosn: Flucht aus Japan

​Unter ungeklärten Umständen hat der frühere Renault- und Nissan-Chef Carlos Ghosn Japan verlassen und ist in den Libanon gereist. In Japan werden ihm Wirtschaftsvergehen in grossem Stil vorgeworfen.

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Carlos Ghosn (65) ist nicht mehr in Japan. Der frühere Automobil-Spitzenmanager hat sich mit einer kurzen Erklärung zu Wort gemeldet. "Ich bin jetzt im Libanon und werde nicht länger von einer manipulierten japanischen Justiz als Geisel genommen, wo Schuld vermutet wird, Diskriminierung grassiert und grundlegende Menschenrechte verweigert werden. Ich bin nicht vor der Justiz geflohen – ich bin Ungerechtigkeit und politischer Verfolgung entkommen. Ich kann jetzt endlich frei mit den Medien kommunizieren und freue mich darauf, nächste Woche damit anzufangen."

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Es ist völlig unklar, wieso ein Mann, dem wirtschaftskriminelle Vergehen zur Last gelegt werden, Japan verlassen konnte, wenige Monate vor seinem Prozess. Laut Medienberichten traf Ghosn bereits am Sonntagabend auf dem Flughafen Beirut ein – an Bord eines Privatjets.

Der Hauptanwalt Ghosns, Junichiro Hironaka, sagte, er sei völlig überrascht von der Nachricht der plötzlichen Ausreise seines Mandanten. Die Anwälte seien noch immer im Besitz von Ghosns Pässen. Er habe keinen Kontakt zu Ghosn und wisse auch nicht, wie er ihn nun erreichen könne.

Der Libanon hat kein Auslieferungsabkommen mit Japan. Kaum denkbar daher, dass Ghosn nach Tokio zurückkehren wird, um sich vor Gericht zu verantworten. Dieser Prozess soll im Frühling 2020 beginnen. Der in Brasilien geborene Ghosn besitzt die Staatsbürgerschaft von Brasilien, Frankreich und von Libanon, wo es am einfachsten sein dürfte, zu einem neuen Pass zu kommen.

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Der frühere Spitzen-Manager Carlos Ghosn (65), ex-Renault-Chef und Nissan-Sanierer, steht im Verdacht, von 2011 bis 2015 systematisch Einkommen zu gering angegeben zu haben, in Höhe von insgesamt fast 40 Millionen Euro. Ghosn kam Anfang März 2019 nach mehr als drei Monaten Haft auf Kaution frei. Die Höhe der Kaution betrug eine Milliarde Yen (rund 8 Millionen Euro). Ghosn durfte das Land nicht verlassen und hatte die Bedingung akzeptiert, dass am Eingang zu seinem Haus Überwachungskameras installiert werden. Seit 19. November 2018 befand sich der Franko-Brasilianer mit libanesischen Wurzeln in Tokio in Haft.

Es ist davon die Rede, dass der langjährige Renault-CEO Ghosn mit Firmengeld in verschiedenen Städten Luxuswohnungen gekauft haben soll, in Rio und Paris, in Amsterdam und Beirut. Verdächtig scheint auch ein 1,7-Millionen-Dollar-Beratervertrag für Ghosns Schwester. Es wird sogar behauptet, Ghosn habe sich seine Scheidung von der Firma finanzieren lassen. Es gibt Hinweise auf fragwürdige Geschäftspraktiken, dies mit Investoren aus Indien, dem Mittleren Osten und Lateinamerika. Es geht unter anderem um angebliche Zahlungen an den saudi-arabischen Geschäftsmann Khaled al-Juffali, deren Hintergründe unklar sind.

Wie bei allen anderen Vorwürfen gegen Carlos Ghosn gilt die Unschuldsvermutung.

Carlos Ghosn war 1996 vom kriselnden Autohersteller Renault verpflichtet worden. Der gnadenlose Sanierer schaffte es, dass die Franzosen schon 1997 wieder schwarze Zahlen schrieben. Ab 2001 war Ghosn Vorstands-Chef von Nissan, seit 2005 auch Vorstands-Chef von Renault. Ab Dezember 2016 war er zusätzlich Verwaltungsrats-Vorsitzender von Mitsubishi, ab April 2017 sass er im Verwaltungsrat von Nissan.

Caroline Ghosn, die Tochter von Carlos Ghosn, wittert eine Verschwörung. Sie verbreitet die Theorie, wonach Nissan die von Ghosn geplante Fusion zwischen Renault und dem japanischen Autohersteller verhindern wollte. Nicholas Maxfield, Sprecher von Nissan, sagt dazu: "Diese Behauptungen sind haltlos. Die Familie Ghosn hatte keinen Einblick in Gespräche über die Zukunft von Nissan. Hier geht es nicht um eine Fusion, hier geht es um Fehlverhalten."

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