Tessiner Grand-Prix-Fahrer: Mehr als Clay Regazzoni

Von Mathias Brunner
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​Den meisten Motorsport-Fans fällt bei der Kombination Tessin und Grand Prix auf Anhieb ein: Clay Regazzoni. Aber der Südschweizer Kanton hat so viel mehr zu bieten, wie ein neues Buch beweist.

Clay Regazzoni war in jeder Beziehung etwas Besonderes: Für die Schweizer ist der Tessiner der erfolgreichste Grand-Prix-Rennfahrer, 1974 schrammte er nur knapp am WM-Titel vorbei. Für die Italiener war er immer einer der Ihren, schliesslich sprach er ihre Sprache und sass in einem Ferrari, allora ...

Aber das Tessin hat motorsportlich so viel mehr zu bieten als die Speerspitze Clay Regazzoni. Aus keinem anderen Kanton stammen so viele GP-Rennfahrer auf zwei und vier Rädern, und das begann schon ziemlich früh – 1908, um genau zu sein, mit Pierino Primavesi, der mit seinem 20-PS-Gefährt den Weg von 2600 Kilometern nach St. Petersburg auf sich nahm, um dort an der Städtefahrt St. Petersburg-Moskau teilzunehmen (nochmals 600 Kilometer). Er wurde Sechster. Dann ging es auf dem gleichen Weg wieder nach Hause.

1929 stand in Monte Carlo Mario Lepori am Start, ein klassischer Gentleman-Fahrer. Alleine in der Formel 1 ab 1950 kommt gut ein Viertel aller Piloten aus den Regionen Lugano und Locarno.

Der legendäre Rudi Caracciola siedelte sich im schönen Tessin an, der Kämpfer Silvio Moser schaffte es bis in die Formel 1, er erinnerte mich immer ein wenig an Don Quijote, der gegen Windmühlen kämpft. Mit seinem privat eingesetzten Brabham war er ein gefürchteter Gegner, der in Unterkategorien so manchen GP-Sieger hinter sich liess; das Abenteuer mit dem Eigenbau Bellasi ist ein spannendes Kapitel für sich. Dazu traten in der Königsklasse unter Anderen an: Loris Kessel, Franco Forini, Andrea Chiesa, Alex Fontana, Raffaele Marciello.

Der Schweizer Journalist Giorgio Keller hat sich der Historie der Tessiner Vertreter auf der grossen Rennsportbühne angenommen, und er hat grandiose Arbeit geleistet. Wir erleben Geschichten von Menschen und Maschinen aus 111 Jahren, und die Leidenschaft der Rennfahrer ist dabei ebenso zu spüren wie jene des Autoren.

Das überaus üppig bebilderte Buch bietet rund 50 Kapitel, jedes davon bietet spannende Geschichten mit meist bislang unveröffentlichten Fotos.

Giorgio Keller geht auch auf die Motorrad-Rennfahrer ein, wie die exzellenten Pantellini-Mazzoni (Seitenwagen) oder Sergio Pellandini (bester Privatfahrer in 500er), Oliver Petrucciani, Claudio Vanzetta, Giancarlo Cavadini bis Roberto Rolfo – alle kamen zu Podestplätzen (Pantellini), zu WM-Punkten, bis hin zum Gewinn eines Grand Prix (Rolfo). Ganz zu schweigen vom Tessiner Kartsport, der den einzigen Schweizer Weltmeistertitel in dieser Sparte stellte, dank Edgardo Rossi 1967.

Das prestigeträchtige 24-Stunden-Rennen von Le Mans erhält mit rund zwanzig Tessiner Rennfahrern einen eigenen Teil im Buch. Darunter Tommy Spychiger, bekannt auch aus dem «Galleria» von Lugano, wo in den 1960er Jahren eine Gruppe junger Draufgänger (darunter Regazzoni und Moser) wöchentlich über Autos und Auspuff philosophierten; nicht zu vergessen Lilian Bryner, die schnelle Tessiner Racing Lady mit beachtlichen internationalen Erfolgen.

Auch wer des Italienischen nicht mächtig ist, wird an diesem tollen Werk seine Freude haben, allein die Bilder sind den Preis von 58 Schweizer Franken wert.

Das Wichtigste in Kürze

Giorgio Keller: Piloti ticinesi da Grand Prix – 11 anni di emozioni
Aus dem Verlag Fontana Edizioni (Schweiz)
ISBN 978-88-8191-538-5
Format 28 x 23 cm
400 Seiten
1200 Fotos
Text in italienischer Sprache
Für 58 Schweizer Franken im Fachhandel oder direkt beim Verlag Fontana Edizioni

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