Renault RS20 von Daniel Ricciardo: Wir sehen Schwarz

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Der Werksrennstall von Renault hat 2019 eine schwache Saison gezeigt, das GP-Programm steht intern auf dem Prüfstand. Angesichts von Bildern des Modells RS20 sehen wir vor allem viel Schwarz.

Die Formel 1 ist gnadenlos: Von März bis Ende November offenbart sich der Leistungsstand im Zweiwochen-Rhythmus oder mit vielen Grands Prix sogar innerhalb von acht Tagen. Besonders im hart umkämpften Mittelfeld kann es sich kein Team leisten zu schwächeln. Sonst sind WM-Punkte ratz-fatz weg.

Renault steht gleich mehrfach unter Leistungsdruck: Als Werksrennstall und im fünften Jahr des offiziellen Engagements gehen Teamchef Cyril Abiteboul langsam die Ausreden aus. Aufbauphase schön und gut, aber wie lange soll die noch dauern? 2019 wurde das Saisonziel weit verpasst: Da wollte Renault beginnen, den drei Top-Teams Mercedes, Ferrari und Red Bull Racing-Honda auf die Nerven zu gehen, Daniel Ricciardo und Nico Hülkenberg sollten erste Podestplätze einfahren, das Triebwerk leistungsmässig auf Höhe von Ferrari, Mercedes und Honda, haltbar obendrein, und das Chassis sollte eines der besten im Feld werden. All das ist nicht passiert.

Renault konnte stattdessen von Glück reden, in Abu Dhabi den fünften Rang in der Markenwertung sicherzustellen, knapp vor Toro Rosso, weit hinter – ausgerechnet – dem eigenen Motorpartner McLaren.

2020 soll mit dem RS20 (für Renault Sport und das Jahr) alles besser werden. Nico Hülkenberg wurde hinauskomplimentiert und durch den extrem hungrigen Esteban Ocon ersetzt, Daniel Ricciardo ist grimmig entschlossen, eine bessere Platzierung zu erreichen als 2019, da wurde er nur WM-Neunter.

Teamchef Cyril Abiteboul, Firmen-CEO Marcin Budkowski, Pat Fry als Abteilungsleiter Chassis, Rémi Taffin als Motorenchef sowie Sonderberater Alain Prost wissen genau: Sie sind auch seitens der Konzernleitung unter Beobachtung. Renault-Übergangschefin Clotilde Delbos ist kein Renn-Fan und hat angesichts wirtschaftlicher Schwierigkeiten im Konzern angekündigt, dass jedes Engagement durchleuchtet werde, auch jenes in der Königsklasse.

Renault hat in den vergangenen Monaten tüchtig umgekrempelt. Pat Fry ist ein wichtiges Puzzlestück in der Umstrukturierung nach der schwierigen Saison. Chassis-Chef Nick Chester musste gehen, als neuer Aerodynamik-Chef wurde Dirk de Beer geholt, als Nachfolger des Anfang November verabschiedeten Pete Machin.

Im Atélier Renault an den schönen Pariser Champs-Élysées hat Renault einen Vorgeschmack auf den kommenden Wagen gegeben – in einer schwarzen Lackierung, die nur bei den Wintertestfahrten verwendet wird. Beim Saisonauftakt in Australien Mitte März wird die Bemalung des Wagens anders aussehen.

Berechtigte Frage der Fans: Wieso hat Renault nicht das ganze Auto gezeigt? Einfache Antwort – weil es nicht fertig ist. Es soll erst kurz vor dem Beginn der Wintertests bereit sein (ab 19. Februar auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya). Und es ist gewiss kein Zufall, dass Renault bei seinen Computer-generierten Bildern keinen Blickwinkel von der Vorderachse bietet (eine Problemzone des 2019er Renners). Auf den veröffentlichten Bildern sind so gut wie keine Details zu erkennen. Dafür hören wir viele schöne Worte.

Jérôme Stoll, Präsident von Renault Sport Racing: «2020 ist für Renault ein wichtiges Übergangsjahr. Wir wollen den frischen Schwung aus den ersten Jahren unseres neuen F1-Engagements wiederfinden, gleichzeitig müssen wir uns auf 2021 vorbereiten, wenn die Formel 1 eine neue Modellgeneration erhält und alle Rennställe bei null anfangen. Wir haben die Aufbauphase im Werk abgeschlossen und wollen die Chance 2021 nutzen, wenn alle technisch die gleiche Ausgangslage haben. Ich bin zuversichtlich, dass wir den vierten WM-Rang zurückerobern können.»

Teamchef Cyril Abiteboul: «Wir gehen diese Saison in Demut an, aber auch ehrgeizig. Demut, weil die Aufgabe schwierig ist, für alle Rennställe, auch für uns. Das WM-Ziel ist Rang 4. Wir müssen von Anfang an ein standfestes Auto haben und eine hohe Schlagzahl, was die Weiterentwicklung betrifft. Wir müssen aber auch Selbstvertrauen und Mannschaftsgeist wiederfinden, um das Beste aus allen Mitarbeitern zu holen. Wir müssen es schaffen, den bestmöglichen Kompromiss zu schaffen aus Arbeit am 2020er Auto und Vorbereitung auf 2021. Wir müssen auch die ganzen Änderungen in der zweiten Saisonhälfte 2019 optimal umsetzen.»

Daniel Ricciardo: «Nach meiner ersten kompletten Saison mit Renault wird alles leichter, will ich mich jetzt komplett eingelebt habe und alles kenne. Ich habe 2019 viel über mich selber gelernt und auch viel über diesen Rennstall. Eine meiner eindrucksvollsten Lehren aus dem vergangenen Jahr – es reicht nicht, den hellsten Kopf des Fahrerlagers im Team zu haben, um wirklich alles herauszuholen, brauchst du den Hirnschmalz aller Mitarbeiter. Was die Menschen angeht, mit welchen ich unmittelbar zu tun habe, bedeutet das: Ich muss herausfinden, wie ich das Beste aus ihnen schöpfe.»

Esteban Ocon meint: «In der Formel 1 dreht sich alles um Details, und ich habe am RS20 sehr viele Detaillösungen gesehen. Es ist aufregend, einen neuen Rennwagen zu entdecken, aber nun verzehre ich mich daran, hinters Lenkrad zu kommen und ein Fahrgefühl zu erhalten. Es hat lange gedauert, bis ich wieder Rennen fahren kann, ich brenne darauf.»

Renault hat den Chinesen Guanyu Zhou vom Entwicklungs- zum Testfahrer befördert.

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