Nicholas Latifi (Williams): Startnummer 6 von Rosberg

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Williams-Neuling Nicholas Latifi hat bestätigt, mit welcher Startnummer er am 15. März in Australien sein GP-Debüt geben wird – mit jener Startnummer 6, die Nico Rosberg 2016 den Titel einbrachte!

Nach viel frischem Wind der 2019er GP-Debütanten Alex Albon, George Russell und Lando Norris erhalten wir 2020 eher ein laues Lüftlein: Wir haben nur einen Neuling im Startfeld, den 24jährigen Kanadier Nicholas Latifi.

Der Gesamtzweite der Formel 2 2019 (hinter Nyck de Vries) hat verraten, mit welcher Startnummer er in seine erste Formel-1-Saison gehen wird – mit jener 6, die in der Königsklasse zuletzt von Sergio Pérez, Felipe Massa und Nico Rosberg getragen wurde. Rosberg fuhr damit 2016 zum WM-Titel.

Latifi sagt dazu: «Der Hauptgrund für die 6 ist die Verbindung zu meiner Heimatstadt Toronto. Dort bin ich aufgewachsen, und ich bin stolz darauf, diese Stadt zu vertreten. Viele reden im Zusammenhang mit Toronto von ‚The 6’, das geht auf den Rapper Drake zurück, der ebenfalls aus Toronto stammt. Eines seiner Alben heisst auch ‚Views from the 6’. Andere Verbindungen bestehen darin, dass Toronto einst aus sechs Bezirken bestand und dass zwei der drei Vorwahlnummern von Toronto beide mit einer 6 anfangen oder aufhören. Die 6 habe ich auch in drei meiner vier Formel-2-Saisons getragen. Also passt hier alles zusammen.»

Gemäss Reglement wird eine Startnummer nach zwei Jahren frei, wenn sie in der Formel 1 nicht mehr verwendet wird. Nico Rosberg fuhr 2016 damit zum Titel, 2017 und 2018 war die Nummer daher gesperrt, aber als 2019 Norris, Albon und Russell in die Königsklasse kamen, wählten sie alle andere Nummern als die 6.

Mit der Startnummer 6 sind im Rahmen der Formel-1-WM seit 1950 75 Läufe gewonnen worden (davon ein Indy 500).

Der in Montreal geborene, doch in Toronto aufgewachsene Nicholas Latifi, Sohn eines erfolgreichen, kanadisch-iranischen Unternehmers, ist ein Strahlemann in der Art von Daniel Ricciardo.
 
Latifi musste lange auf seine Formel-1-Chance warten, denn der Weg in die höchste Rennsportkategorie war steinig. Latifi war ein Spätzünder, erste Rennen fuhr er erst mit 13 Jahren, da haben andere Talente schon Jahre auf den Kartbahnen hinter sich. Ab 2012 sass er im Rennwagen (Skip Barber Winterseries, dann Rennen in der italienischen Formel 3). Rang 5 in der englischen Formel-3-Meisterschaft 2013 und Platz 10 in der Formel-3-EM 2014 deuteten nicht auf einen kommenden Villeneuve hin. Ab 2014 sass Latifi bereits in einem GP2-Renner (heute Formel 2).
 
In der GP2 und in der Formel 2 ging es auf und ab: 27. 2015 (aber nur die Hälfte der Rennen bestritten), 16. 2016 (erster Podestplatz), 5. 2017 (erster Sieg), dann Rückfall 2018 mit Schlussrang 9, 2019 jedoch dann die stärkste Saison – acht Podestränge, davon vier Siege mit DAMS, zweiter Schlussrang hinter Nyck de Vries.
 
In Sachen Formel 1 dockte Latifi als Testfahrer 2016 bei Renault an, am 5. Mai 2016 sass er erstmals im GP-Renner. 2017 testete er mit den Franzosen in Barcelona und auf dem Hungaroring. 2018 wechselte er als Testfahrer zu Force India (heute Racing Point, ab 2021 Aston Martin), in Kanada gab er sein Debüt am GP-Wochenende, mit einem Einsatz im ersten Freitagtraining.
 
2019 sammelte Latifi als Freitagtestfahrer bei Williams an sechs GP-Wochenenden Erfahrung, damals mit Startnummer 40.
 
Um die Zukunft der Formel 1 müssen wir in Sachen Fahrtalente keine Sorgen machen: Die GP-Sieger Charles Leclerc und Max Verstappen sind kommende Weltmeister, Lando Norris, Alex Albon oder George Russell haben das Zeug zum GP-Sieger. Nun kommt mit Nicholas Latifi der nächste Formel-2-Fahrer.
 
«Es hat sich nicht nur im vergangenen Jahr gezeigt, dass die Formel 2 ein guter Prüfstein für die jungen Fahrer ist», findet der Kanadier, der bei Williams den Platz von Robert Kubica übernommen hat und sich an der Seite von George Russell beweisen muss.
 
«Das war nicht nur im vergangenen Jahr so. Wenn man weiter zurückgeht und auf Charles Leclerc und Pierre Gasly blickt, dann sieht man, dass es immer Fahrer gab, die in die Formel 1 aufgestiegen sind und sich gleich von Anfang an beweisen konnten. Und natürlich steigert das mein Vertrauen, ich hoffe, dass mir das auch gelingen wird», erklärt Latifi, der speziell mit Blick auf den McLaren-Star Lando Norris und AlphaTauri-Rückkehrer Pierre Gasly zuversichtlich bleibt. «Sie haben die Meisterschaft im vergangenen Jahr auch nicht gewinnen können, trotzdem haben sie sich extrem gut geschlagen, deshalb mache ich mir auch keine Sorgen, auch wenn ich den Titel leider nicht holen konnte.»
 
Ein Grossteil des Feldes bestehe mittlerweile aus jungen Talenten, gegen die er bereits auf der Rennstrecke gekämpft hat, betont der Rennfahrer aus Montreal. «So gesehen ist nicht alles unbekannt für mich, es ist also kein Sprung ins kalte Wasser», ist sich der Formel-2-Zweite von 2019 sicher.
 
Für seine Debütsaison hat sich Latifi deshalb auch viel vorgenommen. Er schwärmt: «Ich schätze, es wird sicherlich cool sein, gegen die etablierten Jungs im Rennen zu kämpfen. Bei meinen Einsätzen im ersten Training habe ich die Strecke bereits mit ihnen geteilt, das ist also nichts gänzlich Neues für mich. Aber es wird sicher super, erstmals richtig gegen sie antreten zu können.»
 
«Aber es wird auch eine Herausforderung», weiss der Formel-1-Neuling. «Wir wissen noch nicht, wo ich zu Saisonbeginn im Vergleich zu George noch stehen werde. Das kann man als Team noch nicht wissen, aber ich werde mein Bestes geben, um mein Potenzial vollständig auszuschöpfen und meine beste Performance zu zeigen», verspricht er.

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